#4 Stars in your eyes!

1945 1960 1980 2000 2020

Starmania Staffel 1. Oder: Als die Popkultur aufs Land überschwappte

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Starmania Staffel 1. Oder: Als die Popkultur aufs Land überschwappte

Am Freitag ist es soweit! Im ORF geht die Gesangscastingshow Starmania nach zwölf Jahren Pause in die nächste Runde! Warum ich so aufgeregt darüber bin? Starmania war für mich der Türöffner in die Welt der modernen Popkultur. Bis dahin wuchs ich sehr behütet und weit entfernt von allem auf, was als „cool“ galt. Statt Bravo Hits drehte sich auf meinem Discman die Udo Jürgens „Mit 66 Jahren“ Live Edition. Pop-Titel kannte ich maximal in den Versionen des „Kiddy Contest“. Ist irgendwo Britney Spears’ „Baby one more Time“ zu hören, läuft in meinem Kopf heute noch der Text von „Frau Doktor Keifer“ ab.

Und dann kam Starmania. Mein Weltbild wurde komplett auf den Kopf gestellt. Musik, wie ich sie noch nie gehört hatte. Performances, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Fan-Dasein, wie ich es noch nie erlebt hatte. Statt zu Wendy griff ich im Zeitschriftenregal nun zum Rennbahn Express, der regelmäßig pikante Geschichten aus dem Privatleben der Stars der Sendung veröffentlichte. Die Pferdeposter in meinem Kinderzimmer mussten jenen von „Christl“ Stürmer weichen. In meinem CD-Regal stapelten sich die Best-of-Alben der Sendung.

Und nun geht es wieder los. Ich habe ja die Befürchtung, dass es mir ähnlich ergehen könnte wie im Jahr 2002. Dass die dargebrachten Songs wieder Neuland für meine Ohren sind. Während die Udo Jürgens CD nach wie vor in meinem Regal steht, hat sich mein Interesse für Popcharts spätestens mit dem Auftauchen von Justin Bieber ins Jenseits verabschiedet.

Kürzlich habe ich einen Artikel darüber gelesen, dass sich die „Was-ist-cool-Debatte“ zwischen Boomern und Millennials auf Millennials und Generation Z verlagert hat. Ich gehöre also ganz offiziell zu den Uncoolen. Ich darf gar nicht mehr wissen, was gerade angesagt ist. Viel eher ist es meine Pflicht, die jungen Talente der neuen Staffel mit den Ikonen der vergangenen zu vergleichen und dabei Kommentare abzugeben, die mit den Worten „Damals…“ oder „In den Nuller-Jahren…“ beginnen. Auch den Rennbahn Express gibt es heute nicht mehr. Geheime Informationen zu den Kandidatinnen und Kandidaten findet man unter den richtigen Hashtags aber auch als uncooler Millennial auf Instagram. #ichschaujanur #ohgottdieerstestaffelistschonfast20jahreher #werwirdchristl2.0?

Am Freitag ist es soweit! Im ORF geht die Gesangscastingshow Starmania nach zwölf Jahren Pause in die nächste Runde! Warum ich so aufgeregt darüber bin? Starmania war für mich der Türöffner in die Welt der modernen Popkultur. Bis dahin wuchs ich sehr behütet und weit entfernt von allem auf, was als „cool“ galt. Statt Bravo Hits drehte sich auf meinem Discman die Udo Jürgens „Mit 66 Jahren“ Live Edition. Pop-Titel kannte ich maximal in den Versionen des „Kiddy Contest“. Ist irgendwo Britney Spears’ „Baby one more Time“ zu hören, läuft in meinem Kopf heute noch der Text von „Frau Doktor Keifer“ ab.

Und dann kam Starmania. Mein Weltbild wurde komplett auf den Kopf gestellt. Musik, wie ich sie noch nie gehört hatte. Performances, wie ich sie noch nie gesehen hatte. Fan-Dasein, wie ich es noch nie erlebt hatte. Statt zu Wendy griff ich im Zeitschriftenregal nun zum Rennbahn Express, der regelmäßig pikante Geschichten aus dem Privatleben der Stars der Sendung veröffentlichte. Die Pferdeposter in meinem Kinderzimmer mussten jenen von „Christl“ Stürmer weichen. In meinem CD-Regal stapelten sich die Best-of-Alben der Sendung.

Und nun geht es wieder los. Ich habe ja die Befürchtung, dass es mir ähnlich ergehen könnte wie im Jahr 2002. Dass die dargebrachten Songs wieder Neuland für meine Ohren sind. Während die Udo Jürgens CD nach wie vor in meinem Regal steht, hat sich mein Interesse für Popcharts spätestens mit dem Auftauchen von Justin Bieber ins Jenseits verabschiedet.

Kürzlich habe ich einen Artikel darüber gelesen, dass sich die „Was-ist-cool-Debatte“ zwischen Boomern und Millennials auf Millennials und Generation Z verlagert hat. Ich gehöre also ganz offiziell zu den Uncoolen. Ich darf gar nicht mehr wissen, was gerade angesagt ist. Viel eher ist es meine Pflicht, die jungen Talente der neuen Staffel mit den Ikonen der vergangenen zu vergleichen und dabei Kommentare abzugeben, die mit den Worten „Damals…“ oder „In den Nuller-Jahren…“ beginnen. Auch den Rennbahn Express gibt es heute nicht mehr. Geheime Informationen zu den Kandidatinnen und Kandidaten findet man unter den richtigen Hashtags aber auch als uncooler Millennial auf Instagram. #ichschaujanur #ohgottdieerstestaffelistschonfast20jahreher #werwirdchristl2.0?

Digital Dirndl V2 - © Illustration: Rainer Messerklinger

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Aufgewachsen im Weinviertel, dann übersiedelt nach Wien, ist Margit Körbel mittendrin im Konflikt von gemütlicher Landidylle und rauschendem Stadtleben, Traditionen und deren Bruch, Millennials und Babyboomern. Wöchentlich schreibt Sie von Ihren Erlebnissen. Hier kostenlos abonnieren.

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