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An der Ausbildung liegt es nicht

Das jährliche Ranking von „Reporter ohne Grenzen“ lässt leider keine Zweifel zu: Die Pressefreiheit ist rund um den Globus weit mehr bedroht als garantiert. Doch wie ist es um die Journalisten-Ausbildung in Ländern bestellt, in denen es wenig oder gar keine Medien- und Meinungsfreiheit gibt? Anhand von zwölf Fallstudien, die sie aus vier Kontinenten zusammengetragen hat, spürt Beate Josephi erstmals dieser Frage nach (Beate Josephi (ed.): Journalism Education in Countries with Limited Media Freedom, New York u. a.: Peter Lang, 2010). Die Forscherin, die aus Deutschland stammt und in Australien Journalistik lehrt, kann dabei zeigen, dass die Freiräume in der Journalisten-Ausbildung oftmals größer sind, als Außenstehende vermuten. So gelten beispielsweise westliche Journalisten wie Bob Woodward und Peter Arnett – der eine ist als investigativer Reporter, der andere als Kriegsberichterstatter berühmt geworden – auch unter Chinas Journalistennachwuchs als „Superstars“. Und im Stadtstaat Singapur, nicht eben für seine Pressefreiheit berühmt, erwartet zwar die Regierung von „ihren“ Journalisten, sie mögen gefällig berichten („überwiegend gute Nachrichten, die das Land in bestem Licht zeigen“); gleichwohl sind die Journalistenausbilder beauftragt, den Nachwuchs handwerklich so auf den Beruf vorzubereiten, dass er „überall auf der Welt“ arbeiten kann.

Soll heißen: Den Maulkorb umgehängt bekommen Journalisten oftmals erst nach ihrer Ausbildung, „umgedreht“ und an das jeweilige System angepasst werden sie erst in den Redaktionen. Stimmt dieser Befund, so wäre das, was inzwischen in Ländern wie Kambodscha, Kenia oder Ägypten, ja selbst in China und Russland in der Journalisten-Ausbildung erreicht wurde, sogar eine Keimzelle der Hoffnung – auf mehr statt weniger Pressefreiheit, langfristig zumindest.

* Der Autor ist Kommunikationswissenschafter in Lugano/CH

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