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Feuilleton

Wie man Zack-zack-Kritik schleudert

1945 1960 1980 2000 2020
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"Vier Kritiker, vier Bücher, keine Einspielfilme und keine Einigkeit" - das sei das Prinzip des Literarischen Quartetts gewesen und nun auch der Neuauflage der legendären Literaturkritiksendung. Also sprach Volker Weidermann, der neue Moderator. Das Literarische Quartett lebte seinerzeit zuletzt vor allem von der Rollenverteilung: Marcel Reich-Ranicki kam mit großer Geste auch ohne Argumente aus, Hellmuth Karasek assistierte, Sigrid Löffler opponierte (bis es zum großen Zerwürfnis kam) und der jeweilige Gast versuchte, doch irgendetwas Kluges über das jeweilige Buch zu sagen.

Die Neuauflage des Literarischen Quartetts, die der ZDF am 2. Oktober um 23.10 ausstrahlte, wurde zwei Tage zuvor aufgezeichnet. Das führte dazu, dass bereits vor der Sendung zu lesen war, dass sie gar nicht sehenswert sei.

Vier Bücher in 44 Minuten. Macht elf Minuten pro Buch. Macht 2,75 Minuten pro Kritiker und Buch. Und schon kommt Weidermanns "Zack, wir müssen schon zum nächsten Buch kommen".

Argumentiert wird kaum, desto mehr behauptet bzw. Behauptungen geschleudert. Diese reichen vom banalen "mich fesselt die Geschichte" und Lieblingswörtern wie "unglaublich" bis hin zu Sätzen wie: "Buch ist wirklich grauenvoll" (Weidermann in Reich-Ranicki-Manier) und "der Mann ist kein Schriftsteller" (Biller in Reich-Ranicki-Manier). Den Wettstreit, Reich-Ranicki zu spielen, hat Maxim Biller gewonnen: Biller unterbricht (etwa wenn Juli Zeh versucht, ihre Kritik zu begründen), lässt nicht ausreden, redet für die anderen, unterstellt Christine Westermann gar Verdrängtes. Sein Dreinschlagen gipfelt in der Aussage über Ilija Trojanows Roman "Macht und Widerstand":"Es war wie Folter in einem Staatssicherheitsknast".

"Gibt es im 'Quartett' ordentliche Analysen literarischer Werke? Nein, niemals. Wird hier vereinfacht? Unentwegt. Ist das Ergebnis oberflächlich? Es ist sogar sehr oberflächlich." So fasste Marcel Reich-Ranicki in seiner Autobiografie "Mein Leben" die Leistung seiner Sendung zusammen. So gesehen, ist mit der Neuauflage das Ziel mehr als erreicht.

"Vier Kritiker, vier Bücher, keine Einspielfilme und keine Einigkeit" - das sei das Prinzip des Literarischen Quartetts gewesen und nun auch der Neuauflage der legendären Literaturkritiksendung. Also sprach Volker Weidermann, der neue Moderator. Das Literarische Quartett lebte seinerzeit zuletzt vor allem von der Rollenverteilung: Marcel Reich-Ranicki kam mit großer Geste auch ohne Argumente aus, Hellmuth Karasek assistierte, Sigrid Löffler opponierte (bis es zum großen Zerwürfnis kam) und der jeweilige Gast versuchte, doch irgendetwas Kluges über das jeweilige Buch zu sagen.

Die Neuauflage des Literarischen Quartetts, die der ZDF am 2. Oktober um 23.10 ausstrahlte, wurde zwei Tage zuvor aufgezeichnet. Das führte dazu, dass bereits vor der Sendung zu lesen war, dass sie gar nicht sehenswert sei.

Vier Bücher in 44 Minuten. Macht elf Minuten pro Buch. Macht 2,75 Minuten pro Kritiker und Buch. Und schon kommt Weidermanns "Zack, wir müssen schon zum nächsten Buch kommen".

Argumentiert wird kaum, desto mehr behauptet bzw. Behauptungen geschleudert. Diese reichen vom banalen "mich fesselt die Geschichte" und Lieblingswörtern wie "unglaublich" bis hin zu Sätzen wie: "Buch ist wirklich grauenvoll" (Weidermann in Reich-Ranicki-Manier) und "der Mann ist kein Schriftsteller" (Biller in Reich-Ranicki-Manier). Den Wettstreit, Reich-Ranicki zu spielen, hat Maxim Biller gewonnen: Biller unterbricht (etwa wenn Juli Zeh versucht, ihre Kritik zu begründen), lässt nicht ausreden, redet für die anderen, unterstellt Christine Westermann gar Verdrängtes. Sein Dreinschlagen gipfelt in der Aussage über Ilija Trojanows Roman "Macht und Widerstand":"Es war wie Folter in einem Staatssicherheitsknast".

"Gibt es im 'Quartett' ordentliche Analysen literarischer Werke? Nein, niemals. Wird hier vereinfacht? Unentwegt. Ist das Ergebnis oberflächlich? Es ist sogar sehr oberflächlich." So fasste Marcel Reich-Ranicki in seiner Autobiografie "Mein Leben" die Leistung seiner Sendung zusammen. So gesehen, ist mit der Neuauflage das Ziel mehr als erreicht.