Der neue Mann an der EZB-Spitze

Seit 1. November 2011 hat die Europäische Zentralbank (EZB) einen neuen Präsidenten. Der neue Vorsitzende des EZB-Rates heißt Mario Draghi. Er wurde 1947 in Rom geboren, wo er aufwuchs, die Schule besuchte und Wirtschaftswissenschaften studierte. Anschließend absolvierte er das renommierte Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA und nahm dort auch an Lehrveranstaltungen von Nobelpreisträgern wie Franco Modigliani und Robert Solow teil. Danach lehrte Mario Draghi als Professor an der Universität Florenz und arbeitete unter anderem als Exekutivdirektor für die Weltbank. Zuletzt war er Gouverneur der Banca d’Italia, der italienischen Zentralbank, und dadurch bereits fünf Jahre lang Mitglied des EZB-Rates.

Somit wird sein Vorgänger Jean-Claude Trichet von einem Vollblut-Ökonomen mit ausgezeichneter Ausbildung und Reputation abgelöst, der enorme Erfahrungen aus der internationalen Wirtschaftspolitik mitbringt. Robert Solow, ein renommierter Wirtschaftsprofessor vom MIT, sagt über Draghi: "Seine Stärke ist es, keine schnellen Antworten auf Fragen zu geben, sondern die Dinge zu überdenken.“

Diese Stärke war bereits am dritten Tag seiner Amtszeit gefordert, als der EZB-Rat unter Draghis Vorsitz über den weiteren geldpolitischen Kurs zu entscheiden hatte. In Anbetracht der deutlichen Abwärtsrevision sämtlicher Wirtschaftsprognosen und des zu erwartenden raschen Rückgangs der Inflation im Euroraum unter zwei Prozent beschloss der EZB-Rat, die Zinsen um einen Viertel-Prozentpunkt auf 1,25 Prozent zu senken. Beobachter beschrieben den neuen Präsidenten in der traditionell nach der Ratssitzung abgehaltenen Pressekonferenz als "erfrischend klar in seinen Antworten“. Ich freue mich auf eine gute Zusammenarbeit in den nächsten Jahren!

* Der Autor ist Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank

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