Pegida-Demo - © Foto: picturedesk.com / dpa / Peter Kneffel
Gesellschaft

Die autoritäre Versuchung

1945 1960 1980 2000 2020

Der Autor Andreas Speit beschreibt in seinem neuen Buch „Die Entkultivierung des Bürgertums“, warum rechte Ansichten gesellschaftsfähig geworden sind und die Toleranz neue Grenzen braucht.

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Der Autor Andreas Speit beschreibt in seinem neuen Buch „Die Entkultivierung des Bürgertums“, warum rechte Ansichten gesellschaftsfähig geworden sind und die Toleranz neue Grenzen braucht.

„Sie kommen aus dem Nichts. Sie sind keine Nobodys. Sie können langjährige Nachbarn und gute Bekannte sein, renommierte Persönlichkeiten und gestandene Politiker. Die neuen Rechten leben in der Mitte der Gesellschaft“, lauten die ersten Sätze in Andreas Speits neuem Buch „Die Entkultivierung des Bürgertums“, das im Schweizer Orell Füssli Verlag erschienen ist. Der Hamburger Journalist und Autor Speit analysiert darin auf 100 Seiten schonungslos die Verschiebung des öffentlichen Diskurses nach rechts und erklärt, dass der Gesinnungswandel uns alle betrifft.

Es sei die Mitte, die sich auf die „Kulturrevolution von rechts“ einlasse, sich aber nicht als „Neue Rechte“ verstanden wissen will. Natürlich muss man mit diesen Begriffen vorsichtig umgehen. Und natürlich lässt sich die bürgerliche Mitte keinesfalls eins zu eins mit der „Neuen Rechten“ gleichsetzen. Speit begibt sich mit zahlreichen Studien dennoch auf die Suche nach Erklärungen und damit auf wackeligen Grund. Wie kann man, wie soll man dokumentieren, dass eine Gesellschaft nach rechts rückt? Ist nicht gerade der Wutbürger-Diskurs geprägt von Gefühlen linker Journalisten, die jedem, der nicht ihre Meinung vertritt, Rechtspopulismus vorwerfen? Speit tappt nicht in diese Falle. „Diese Neue Rechte kennzeichnet idealtypisch aus, dass sie im vorpolitischen Raum durch die Befeuerung von Debatten und Umdeutung von Begriffen eine Delegitimierung demokratischer Werte und emanzipatorischer Vorstellungen vorantreiben möchte“, schreibt Speit, „um Sie und mich anzusprechen, wird eine vermeintlich moderate Rhetorik mit neuen Begriffen verwendet, wobei zudem eine angeblich klare Distanz zum Nationalsozialismus behauptet wird.“

Fehlende Visionen

Wenn es nach ihnen ginge, sei die Political Correctness der neue Totalitarismus. Gutmenschen seien gleich Meinungsdiktatoren. Natürlich findet sich diese Form von Intoleranz auch im linken Spektrum. Und genau deshalb fordert Speit einen neuen, kultivierten Diskurs. Dennoch wird in seinem Buch der Unterschied zwischen den beiden politischen Kategorien ausformuliert: „‚Die Rechte‘ vertrete nicht die Idee, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben sollen. ‚Die Linke‘ dagegen strebe nach diesem Ideal.“