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„Men“: Surrealer Bilderreigen

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Alex Garlands gehobener Horrorfilm „Men“ schickt eine Frau allein in den Wald – und inszeniert Genderdebatten mit lustvollen Schocks.

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Alex Garlands gehobener Horrorfilm „Men“ schickt eine Frau allein in den Wald – und inszeniert Genderdebatten mit lustvollen Schocks.

Mangelnde Ambition kann man dem britischen Autor und Regisseur Alex Garland nicht vorwerfen. Mit Filmen wie „Ex Machina“ (2014) oder der Serie „Devs“ (2020) hat er gezeigt, wozu intelligente Science-Fiction heute fähig ist. Garlands dritter Spielfilm „Men“ wiederum löst im Internet bereits vor Erscheinen einen Sturm der Empörung aus – und zwar bei Leuten, die den Film nicht gesehen haben, darin aber sofort eine protofeministische Kampfansage wittern.

Vordergründig reiht sich „Men“ in die Gattung des „elevated horror“ ein – einen Trend des „gehobenen“ Horrorfilms, den manche Kritikerinnen und Kritiker ab den 2010er Jahren anhand der Filme von Ari Aster, Jennifer Kent oder Robert Eggers festmachen wollten. Dieses Label bleibt fragwürdig, hat das Horrorgenre schließlich immer schon auch Anspruchsvolles hervorgebracht. Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass Produktionsfirmen wie A24 speziell heute eine Marktnische für ein diskursfreudiges Arthouse-Publikum offengelegt haben, das sich hie und da auch gerne schocken lässt.

„Men“ erzählt die Geschichte von Harper (eine wie immer toll aufspielende Jessie Buckley), die sich nach einer persönlichen Tragödie auf ein englisches Landgut zurückzieht. Die idyllische Ruhe währt nur kurz, fühlt sich Harper auf ihren einsamen Waldspaziergängen doch bald von einer nackten männlichen Gestalt verfolgt. Obwohl die Männer im Ort zunächst hilfsbereit und freundlich wirken, entpuppen sie sich schnell als aggressiv und bedrohlich. Einmal sind es die unangebrachten Witze des Vermieters, dann die Beleidigungen eines Teenagers oder die verurteilenden Worte eines Priesters. Der Kniff des Films besteht darin, dass alle Männer, denen Harper begegnet, vom selben Schauspieler gespielt werden (ein echtes Chamäleon: Rory Kinnear). Die Botschaft scheint klar: Am Ende sind dann doch alle Männer gleich.

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