Wie man Intendanten wählt

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Über die Wahl des neuen ZDF-Chefs und das öffentlich-rechtliche Comeback in Deutschland.

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Über die Wahl des neuen ZDF-Chefs und das öffentlich-rechtliche Comeback in Deutschland.

Der Fernsehrat des ZDF hat einen neuen Intendanten gewählt. Programmdirektor Norbert Himmler tritt 2022 die Nachfolge von Thomas Bellut an. Beide sind hierzulande so unbekannt wie in Deutschland ORF-General Alexander Wrabetz. Hier hätte die unterlegene Tina Hassel als Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios mehr Aha-Effekt ausgelöst. Doch nicht nur, weil das ZDF in Österreich mehr Marktanteil hat als der stärkste Privatsender, lohnt sich eine Betrachtung seiner Führungswahl. Sie gibt Hinweise zur Kür des nächsten ORF-Chefs am 10. August.

Was hier der Stiftungs-, ist dort der Fernsehrat. Statt 35 hat er 60 Sitze. In dieser reduzierten Zahl war Himmler seine erste Neuwahl (nach Verlängerung Belluts). Denn 2014 hatten die Verfassungsrichter zu viel „Staatsnähe“ beim ZDF festgestellt. Das führte zur Stutzung um 17 Mitglieder von Parteien. Das bewirkt zwar auch dort kein Ende ihrer „Freundeskreise“, aber ein wenig Entpolitisierung. So hat das Land Berlin für den Bereich „Internet“ den an der Uni Innsbruck lehrenden österreichischen Wirtschaftswissenschafter Leonhard Dobusch nominiert.

Neben internationaler Expertise ist auch der Stil der Wahl ein Fingerzeig für Österreich. Nach 34:24 im ersten Gang steigerte sich Hassel auf 32:28, ging aber in keine dritte Runde. Himmler übertraf dann mit 57 Stimmen locker die notwendige 3/5-Mehrheit. Begründung für den Rückzug: Aus einer kleinen Mehrheit solle eine große werden – für einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Wie ehrlich das war, weiß nur Hassel selbst. Doch das ZDF hat vor zehn Jahren den Privatsender RTL als stärkstes deutsches Fernsehprogramm abgelöst und liegt nun deutlich vor der ARD. Ein öffentlich-rechtliches Comeback. Sogar in Österreich haben nur die beiden Hauptsender des ORF mehr Marktanteil als das ZDF. Es macht offenbar einiges richtig.

Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst.

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