Glaubensfrage

Islam: Trotz dem Patriarchat

1945 1960 1980 2000 2020

Über nötige Gleichstellungsschritte in der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs.

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Über nötige Gleichstellungsschritte in der Islamischen Glaubensgemeinschaft Österreichs.

Dass ausgerechnet die Frauensprecherin der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) das Handtuch wirft und den Männern dieser Institution vorwirft, sie würden sich kaum für die Rechte der Frauen interessieren, ist bemerkenswert. Es scheint eine enge Verquickung zwischen dem Patriarchat und einigen Religionen zu geben. Der Islam ist davon auch betroffen. Es geht daher kein Weg an einer innerislamischen Reform vorbei, in der die Befreiung von patriarchalischen Strukturen zum Thema gemacht wird.

Was aber muss in der IGGÖ reformiert werden, um die von der zurückgetretenen Frauensprecherin beklagte strukturelle Benachteiligung der Frau abzubauen? Unter anderem han­delt es sich um folgende Anliegen: Frauen sollten in den Moscheen keineswegs in separaten Räumen beten, auch nicht mehr hinter den Männern. Man könnte stattdessen die Moscheen in zwei nebeneinanderliegende Bereiche unterteilen. Man muss sich von allen sexistischen Argumenten verabschieden, in denen die Frau auf ein sexuelles Objekt reduziert wird und daher, angeblich, hinter den Männern beten soll und nicht vor ihnen die Freitagspredigt halten darf, da diese angeblich sonst sexuell abgelenkt wären (!).

Frauen sollten zumindest die Möglichkeit bekommen, in Moscheen vor Männern zu predigen und zu unterrichten. Weder im ­Koran noch in der prophetischen Tradition finden wir Belege dafür, die den Frauen absprechen, als Imamin zu arbeiten, es gibt eine Reihe anerkannter Gelehrter, die sich auf den Propheten selbst berufen, der eine Frau zur Imamin gemacht hat. In allen Gremien der IGGÖ sollte eine Frauenquote eingeführt werden. Innerislamisch muss dringend diskutiert werden: ein Verbot des Kinderkopftuchs, das Recht der Frau auf Selbstbestimmung, wen sie heiraten, was sie studieren, was sie arbeiten will usw.

Der Autor leitet das Zentrum für Islamische Theologie an der Uni Münster.