
© FOTO: APA/HANS KLAUS TECHT
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Einst hielten sich die Herrscher Hofnarren, welche alles sagen durften, was Normalsterbliche ins Gefängnis oder zu Schlimmeren gebracht hätte, die aber auch ein Ventil für den Volkszorn darstellten. In der Demokratie schien der Bedarf an derartigen Narreteien obsolet. Im Laufe der Zeit gab es aber auch in demokratischen Gesellschaften Hofnarren, die dem System gleichzeitig die lange Nase zeigten und es sich darin bequem machten. Hierzulande lassen sich bislang vier Typen ausmachen.
- Typ 1 ist Marke Richard Lugner: Ein erfolgreicher Bauunternehmer mit Hang zu – im wörtlichen Sinn – Vielehen erkennt das Potenzial von Reality TV und leistet sich Opernball für Opernball eine gekaufte, prominente Begleiterin. Das vor allem boulevardeske Interesse verleitet ihn zweimal zur Kandidatur im Präsidentschaftswahlkampf, wo er durch inhaltliche Inkompetenz, aber sonst nicht weiter auffällt. Obwohl sein Beziehungsleben vom katholischen Ehe-Ideal weiter weg ist als der Jupiter von der Sonne, bekommt er 2024 ein Requiem im Wiener Stephansdom. Fazit: pittoresk, aber harmlos.
- Typ 2 ist Marke Frank Stronach: Dem Self-made-Milliardär aus Übersee ist das hiesige demokratische System zu wenig zupackend. Deshalb kandidiert er für den Nationalrat (und ein paar Landtage) und wird mit Mitstreitern trotz inferiorer TV-Auftritte gewählt. Auch ihm sind die parlamentarischen und demokratischen Abläufe unbegreiflich, der Parlamentsklub pulverisiert sich zwischen 2013 und 2017. Heute hat der Parteigründer in seiner Wahlheimat Kanada gröbste Probleme mit der Justiz. Fazit: politische Eintagsfliege.
Eine unerträgliche Dreiviertelstunde
- Typ 3 ist Marke Dominik Wlazny: Der Rocksänger, der die als Jux gegründete „Bierpartei“ ernsthaft in Wahlkämpfe bringt, erreicht bei der Präsidentenwahl 2022 acht Prozent der Stimmen, bei der Nationalratswahl 2024, in deren Vorfeld er durch Ahnungslosigkeit und durch seine Weigerung auffällt, zu Themen inhaltlich Stellung zu nehmen, reicht es nur für zwei Prozent der Stimmen. Fazit: an der eigenen Unbedarftheit gescheitert.
- Typ 4 ist Marke Rudolf Fußi: Der Kommunikationsberater hat schon an mehrere Partei-Konstellationen angedockt und einst mit einer FPÖ-Abspaltung für ein Volksbegehren gegen Abfangjäger mehr als 600.000 Unterschriften generiert. Zuletzt im Dunstkreis der SPÖ war er Unterstützer für Andreas Babler, später Anhänger Hans Peter Doskozils, aber nach dem 29. September startete er eine Kampagne gegen Babler, die er mit allen Kommunikationsmitteln, nicht zuletzt auf der Plattform X, befördert. Er will zehn Prozent Unterstützungserklärungen der SPÖ-Mitglieder erreichen, womit er einen Parteitag erzwingen kann, um gegen Babler für den SPÖ-Vorsitz zu kandidieren. Fazit: ein Hofnarr, der politisch reüssieren könnte.

