Brexit: Risiken statt Vorteile

Als ich von der Hochzeit eines Freundes in Cornwall nach Hause fuhr, brachte er mich zum Flughafen in London. Und dort, auf dem überfüllten Airport beschwerte er sich bitter darüber, dass der Brexit nun auch für die Briten das Reisen erschweren werde. Sogar die großen britischen Zeitungen titelten mit dieser Geschichte.

Mir erscheint das ein anschauliches Beispiel dafür, wie Großbritannien darüber erstaunt ist, dass der Brexit das Ziel des Brexit, nämlich die Reise-und Niederlassungsfreiheit einzuschränken, tatsächlich bewirkt. Und zwar auch für Briten. Inhaber eines britischen Passes werden sich tatsächlich daran gewöhnen müssen, an den Flughäfen Schlange zu stehen und sich dem sehr viel komplizierteren Prozedere an den Nicht-Schengen-Terminals zu unterwerfen. Aber es ist ein kleiner Punkt in einem ganzen Firmament von Paradoxa, die mit dem Brexit entstehen. Wer auch immer weniger Bürokratie wollte, bekommt nun mehr. Großbritannien erwartet tatsächlich etwas ganz Unglaubliches: Binnen zwei Jahren muss es seine Gesetze enteuropäisieren. Selbst die Euroskeptiker räumen ein, dass es eine Übergangsfrist geben muss. Und das allein zeigt, dass sie nicht wussten, was sie versprachen, als sie den Brexit als elegante, einfache Sache hinstellten.

Donald Trump erscheint im Vergleich ähnlich naiv, als er seine Mauer gegen Mexiko versprach und behauptete, die Mexikaner selbst würden dafür bezahlen. Und die Brexiteers? Ebenso: Wir werden eine Mauer zwischen uns und Europa errichten und es wird uns nichts kosten, weil wir den Rest von Europa dafür bezahlen lassen werden. Aber Großbritannien wird dafür bezahlen -und mehr noch als das. So viel Probleme für Nichts. Es gibt keinen Vorteil aus dem Brexit, es gibt nur Risiken, Bürokratie und Ärgernisse. Gott schütze (zumindest) die Königin!

Der Autor ist Professor für Ökonomie an der Karlsuniversität Prag

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