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Politik

Dauerbrenner Temelín

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Ist Bundeskanzler Wolfgang Schüssels Vereinbarung mit seinem tschechischen Amtskollegen nun ein Durchbruch in Sachen Atomenergie oder eine Temelín-Kapitulation? Die Fernsehdebatte der Obmänner der vier Parlamentsklubs (Sonntag, "Betrifft") brachte kein Licht in dieses Dunkel. Versammelt in gewohnter Runde - zum wievielten Mal? -, zogen die Profis ihre Show ab: Blättern in Dokumenten, staatsmännisches Pathos, überlegenes Lächeln, Sorgenfalten, treuherziger Blick, "Ich habe Sie auch ausreden lassen ..." - die übliche Politshow.

Der Kampf der Freiheitlichen gegen Temelín auf Biegen und Brechen aus "Sorge" um der Österreicher Wohl ist eine Farce. Diese Sorge hielt sich in Grenzen, als 49 Prozent der Kärntner KELAG - der Jörg traut sich eben was - an den deutschen Atomstrom-Riesen RWE gingen. Wenig Berührungsängste auch bei den steirischen ÖVP-Granden, als sie der Liaison zwischen der EStAG und der EDF, dem französischen Atomstrom-Weltmeister, zustimmten. Da verdrängte man gerne, dass viele der in die Jahre gekommenen westlichen AKWs unter "Ermüdungserscheinungen" leiden. So manche von ihnen bekämen heute keine Betriebsgenehmigung. Diese Elektrizitäts-Mesalliancen hätten sich erübrigt, wäre eine österreichische Stromlösung nicht am Widerstand der Landeshauptleute - manche wahre Kreuzfahrer gegen Temelín - gescheitert.

Wenig energiepolitische Lichtblicke auch bei der SPÖ. Für die Inbetriebnahme von Zwentendorf hat Bruno Kreisky ja fast seine politische Karriere geopfert. Und es war 1995 Franz Vranitzkys Fehlspekulation, mit mickrigen 500 Millionen Schilling die Tschechen zu Temelín-Gegnern und Energiespar-Fans zu bekehren, die zur heutigen Misere beitrug. Der vorausgehende Flop bei den Versuchen, den Start des maroden AKWs Mochovce zu verhindern, hätte ihm eine Lehre sein müssen.

Österreichs Anti-Atom-Politik wäre überzeugender, würde sie sich nicht an Temelín festbeißen, sondern eine von allen Parteien getragene, alternative Energiepolitik verfolgen. Dank des EU-Weißbuches "Energie für die Zukunft: Erneuerbare Energieträger" könnte man sich da sogar in der EU stark machen. Aber so viel staatspolitische Vernunft verdirbt wohl den Spaß am lustigen Temelín-Halali zwei Jahre vor den Wahlen.

Ist Bundeskanzler Wolfgang Schüssels Vereinbarung mit seinem tschechischen Amtskollegen nun ein Durchbruch in Sachen Atomenergie oder eine Temelín-Kapitulation? Die Fernsehdebatte der Obmänner der vier Parlamentsklubs (Sonntag, "Betrifft") brachte kein Licht in dieses Dunkel. Versammelt in gewohnter Runde - zum wievielten Mal? -, zogen die Profis ihre Show ab: Blättern in Dokumenten, staatsmännisches Pathos, überlegenes Lächeln, Sorgenfalten, treuherziger Blick, "Ich habe Sie auch ausreden lassen ..." - die übliche Politshow.

Der Kampf der Freiheitlichen gegen Temelín auf Biegen und Brechen aus "Sorge" um der Österreicher Wohl ist eine Farce. Diese Sorge hielt sich in Grenzen, als 49 Prozent der Kärntner KELAG - der Jörg traut sich eben was - an den deutschen Atomstrom-Riesen RWE gingen. Wenig Berührungsängste auch bei den steirischen ÖVP-Granden, als sie der Liaison zwischen der EStAG und der EDF, dem französischen Atomstrom-Weltmeister, zustimmten. Da verdrängte man gerne, dass viele der in die Jahre gekommenen westlichen AKWs unter "Ermüdungserscheinungen" leiden. So manche von ihnen bekämen heute keine Betriebsgenehmigung. Diese Elektrizitäts-Mesalliancen hätten sich erübrigt, wäre eine österreichische Stromlösung nicht am Widerstand der Landeshauptleute - manche wahre Kreuzfahrer gegen Temelín - gescheitert.

Wenig energiepolitische Lichtblicke auch bei der SPÖ. Für die Inbetriebnahme von Zwentendorf hat Bruno Kreisky ja fast seine politische Karriere geopfert. Und es war 1995 Franz Vranitzkys Fehlspekulation, mit mickrigen 500 Millionen Schilling die Tschechen zu Temelín-Gegnern und Energiespar-Fans zu bekehren, die zur heutigen Misere beitrug. Der vorausgehende Flop bei den Versuchen, den Start des maroden AKWs Mochovce zu verhindern, hätte ihm eine Lehre sein müssen.

Österreichs Anti-Atom-Politik wäre überzeugender, würde sie sich nicht an Temelín festbeißen, sondern eine von allen Parteien getragene, alternative Energiepolitik verfolgen. Dank des EU-Weißbuches "Energie für die Zukunft: Erneuerbare Energieträger" könnte man sich da sogar in der EU stark machen. Aber so viel staatspolitische Vernunft verdirbt wohl den Spaß am lustigen Temelín-Halali zwei Jahre vor den Wahlen.