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Erfreuliche Folgen bestandener Tests

Die Ergebnisse des Stresstests für den EU-Bankensektor liegen vor: 84 der in den Test einbezogenen 91 EU-Banken haben ihn bestanden, darunter auch die teilnehmenden österreichischen Institute. Ziel der Übung war die Einschätzung der Widerstandsfähigkeit der Banken gegenüber angenommenen – drastischen aber dennoch plausiblen – negativen wirtschaftlichen Entwicklungen. Das Stressszenario ging für die EU von einem um drei Prozentpunkte niedrigeren Wirtschaftswachstum aus als von der Europäischen Kommission prognostiziert wurde. Als weitere Belastungen für die Banken wurden eine ungünstige Zinsentwicklung sowie ein Anstieg der Risikoprämien auf den Staatsanleihemärkten in Europa unterstellt. Für Österreich wurde sogar ein um vier Prozentpunkte niedrigeres Wachstum angenommen, um dem erhöhten Risiko der Banken aufgrund ihres starken Osteuropa-Exposures Rechnung zu tragen.

Die Kernkapitalquoten von Raiffeisen Zentralbank und Erste Group Bank würden bei Eintreten der angenommenen Schocks um maximal ein Prozentpunkte auf (knapp) acht Prozent sinken und wären damit noch etwa doppelt so hoch wie das gesetzliche Mindesterfordernis. Selbst die ausschließlich für diesen Stresstest vorgegebene Schwelle einer Kernkapitalquote von sechs Prozent würde deutlich überschritten werden.

Die Märkte reagierten auf die Veröffentlichung der Stresstestergebnisse insgesamt eher positiv: In der EU entwickelten sich die Bankaktien besser als der Gesamtmarkt und die österreichischen Banktitel legten stärker zu als jene des Euroraums. Die Ergebnisse des Stresstests und die Reaktionen auf ihn geben jedoch keinen Anlass, in den Bemühungen nachzulassen, die Eigenmittel der europäischen und österreichischen Banken zu erhöhen.

* Der Autor ist Gouverneuer der Oesterreichischen Nationalbank

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