Bachmann-Preis & Publikumspreis

Mit Tilman Rammstedts Romanauszug "Der Kaiser von China" wurde von Jury und Publikum ein "hochkomischer Text" (Klaus Nüchtern) ausgezeichnet, der vom Autor in einem rasanten Tempo vorgelesen wurde. Trotzdem fand das Publikum Zeit zum Lachen. Manches schien Alain Claude Sulzer unglaubwürdig, und Burkhard Spinnen sah den Text zusammengesetzt aus Motiven, von denen er kein einziges nicht kannte, und nannte ihn ein "Promenadenkonzert, dem man gerne zuhört". André Vladimir Heiz überklebte den Titel des Textes mit "Das überklebte Über-Ich".

bachmannpreis.eu/de/texte/144

Telekom Austria Preis

Alain Claude Sulzer hielt dem Romanauszug von Markus Orths' "Das Zimmermädchen" zugute, er kenne keinen anderen Text, in dem ein Zimmermädchen unter dem Bett liege. Burkhard Spinnen konnte hingegen keine neuen Genre-Elemente entdecken, fand das Bekannte aber interessant kombiniert. Ursula März empfand die Schnüffelei des Zimmermädchens als völlig normal -"komisch ist nur, dass sie putzt" -, ihr wäre lieber, der Text würde konsequent unter dem Bett bleiben, "wo wir alle hinwollen".

bachmannpreis.eu/de/texte/142

3sat-Preis

Nicht mehr Teil unserer Welt sei, was Patrick Findeis in seinem Romanauszug "Kein schöner Land" beschreibe, und Nahe am Klischee, meinte Ijoma Mangold: Der Autor könne schreiben, aber was er beschreibe, seien alles Eigenschaften, die er sich genauso vorgestellt hätte. André Vladimir Heiz fand den Text hochkarätig handwerklich gemacht. Während Daniela Strigl ihn als Gratwanderung las, denn die Nähe zu einer gewissen literarischen Tradition mache den Text verdächtig, sah Ursula März hingegen die Tradition weniger im Bauernroman denn in der apokalyptischen Rede.

bachmannpreis.eu/de/texte/138

Ernst-Willner-Preis

In jeder Bachmann-Preis-Veranstaltung gebe es mindestens einen Verrückten, meinte Klaus Nüchtern angesichts der Figur in Clemens J. Setz' "Die Waage", einer Geschichte über den "Grundhorror alles Vermessenwerdens". Ursula März fand, der Text habe es faustdick hinter den Ohren. Alain Claude Sulzer überzeugten die Dialoge, nicht aber die schiefen Bilder, und Ijoma Mangold faszinierte die Sprache nicht. Daniela Strigl nannte den Text eine brillante Novelle und André Vladimir Heiz stellte die Frage der Fragen: Warum beschreiben junge Autoren neurotische Ehepaare?

bachmannpreis.eu/de/texte/147

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