Unendliche Geschichte

Anlässlich des 90. Geburtstages des Architekten Hubert Prachensky - prominentes Mitglied der international bekannten Architekten-und Malerfamilie Prachensky-Baumann aus Tirol - wird das Gesamtwerk dieses noch heute mitten im Leben stehenden Künstlers durch eine interessante Ausstellung im Innsbrucker Archiv für Baukunst gewürdigt. Anhand von Fotos, Plänen, Schaubildern, Modellen, Aquarellen, Film-und Tondokumenten usw. ist es möglich, Biografie und Werk dieses herausragenden Baumannes der Tiroler Kulturgeschichte in voller Bandbreite nachzuvollziehen.

Tiroler Künstlerfamilie

Die Familiensaga der Prachenskys ist so etwas wie eine Unendliche Geschichte, die mit Huberts Großvater begonnen und längst kein Ende gefunden hat. Dieser Josef Prachensky, gelernter Schriftsetzer aus Böhmen, kam auf seiner "Walz" nach Innsbruck, war begeistert, ließ sich nieder, heiratete eine Tirolerin und übernahm die Geschäftsführung einer Druck-und Verlagsanstalt, die den künstlerischen Interessen seiner Söhne wunderbar entgegenkam. Das Haus am Bergisel wurde gebaut, die Familie wuchs. Mittlerweile sind die Prachenskys so etwas wie eine Architekten-und Malerlegende, weitum tätig, aber mit dem Herzen in Tirol geblieben -Treffpunkt ist das Stammhaus am Bergisel.

Wer ist der größte, wichtigste, interessanteste Architekt oder Künstler des Prachensky-Baumann-Clans? Auf diese Gretchenfrage will Hubert, der Jubilar, verständlicherweise nicht näher eingehen. Seien es sein Vater, Theodor Prachensky, seine beiden Onkel Wilhelm Nicolaus Prachensky und der Architekt Franz Baumann, deren Bauten überall in Nord-, Süd-und Osttirol zu finden sind: in der Innsbrucker Altstadt, auf der Hungerburg oder der Nordkette, in Dörfern und Gemeinden usw., seien es sein in Wien lebender Cousin, der Maler Markus Prachensky, oder sein Sohn Michael Prachensky II, sein Enkel Andreas in Wien: er mag und bewundert sie alle.

Geboren 1916 in Innsbruck als Sohn des Architekten und Malers Theodor Prachensky und der Maria, geb. Baumann (Schwester des Architekten Franz Baumann), studierte Hubert als Meisterschüler von Clemens Holzmeister an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Nach langem Kriegseinsatz folgten schwierige, doch bald erfolgreiche Aufbaujahre in Innsbruck und in vielen Tiroler Gemeinden. Zudem hat Hubert Prachensky - kreativer Baulöwe, leidenschaftlicher Maler und ambitionierter Familienmensch (verheiratet mit Emmy Grassmayr, drei Kinder) - auch als einflussreiche, sympathische Persönlichkeit des Tiroler Kulturlebens das wirtschaftliche und touristische Geschehen im Alpenraum wie kaum ein anderer mitgeprägt.

Innsbruck mitgeprägt

Er war Motor und Architekt wichtiger Institutionen wie u.a. des Kongresshauses am Innsbrucker Rennweg, der Technischen Fakultät, der Chirurgie, der Frauen-und Kopfklinik an der Universitätsklinik Innsbruck oder der Tiroler Gebietskrankenkasse. Er plante zahlreiche Hotelbauten in ganz Tirol, vor allem in Seefeld. Bauliche Vielfalt und künstlerische Flexibilität entfalteten sich in diversen Schulbauten, Freizeitzentren und Bädern, in Bank-, Geschäfts-und Industriegebäuden, in Wohnbauten und Einfamilienhäusern des genialen Baumannes, dessen architektonischer Ruf sich auch im Ausland, z.B. mit der Universität Karachi, ein Denkmal setzte. Hubert Prachensky hat während seiner Schaffensjahre 1658 Projekte bearbeitet und an 166 Wettbewerben teilgenommen, davon bei 53 mit Erfolg.

Zu seinem Neunziger hatte er nur einen einzigen Geburtstagswunsch: Eine Monografie seines Vaters Theodor Prachensky, dieses verdienstvollen Architekten und Malers, in Buchform, begleitet von einer Ausstellung, was dem Jubilar auch erfüllt werden konnte. Durch den Text-Bildband lebt die Erinnerung an Theodor Prachensky, der das Aussehen ganzer Stadtteile prägte und den Grundstein für ein modernes Innsbruck legte, wieder neu auf.

Die Tatsache, dass der erfreulich rüstige Neunziger Hubert Prachensky seine Groß-Dokumentation im Adambräu sozusagen als Zeitzeuge mitgestaltet hat und auch durch Hintergrund-Erzählungen zusätzlich bereichern kann, macht diese zu einem ganz besonders authentischen Erlebnis, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

HUBERT PRACHENSKY

Eine Ausstellung des Archivs für

Baukunst der Universität Innsbruck

Lois Welzenbacher Platz 1 im Adambräu

6020 Innsbruck

Tel: 0512 507 6551/6552 und 6551

www.uibk.ac.at/c/c8/c822/archiv-fuer-baukunst

Nur noch bis 16. 9. Di-Fr 12-18 Uhr,

Sa 12-16 Uhr

Buchtipp:

THEODOR PRACHENSKY. 1888-1970. Architekt und Maler. Von Bettina Schlorhaufer und Matthias Boeckl. Verlag Kunstinitiative Tirol, Innsbruck 2006, 208 Seiten, gebunden.

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