Radikal rot, dynamisch

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Markus Prachensky wäre im März 85 Jahre alt geworden. Die Albertina widmet dem österreichischen Künstler nun die Ausstellung "Markus Prachensky. Eine Hommage".

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Markus Prachensky wäre im März 85 Jahre alt geworden. Die Albertina widmet dem österreichischen Künstler nun die Ausstellung "Markus Prachensky. Eine Hommage".

Rot war die Farbe seines Lebens, davon war Markus Prachensky schon früh überzeugt. Und er wusste sie höchst dynamisch auf die Leinwand zu bannen. Dass Prachensky längst zu den wichtigsten Künstlern des Landes zählt, unterstreicht die Albertina mit einer Hommage an jenen, der vor 85 Jahren in Innsbruck geboren wurde. Doch nicht nur der Geburtstag des 2011 Verstorbenen ist Grund für die Ausstellung, sondern auch eine Schenkung vonseiten Prachenskys Witwe an jenes Haus, das 1956 die erste öffentliche Sammlung war, die eine Arbeit des jungen Künstlers erworben hatte.

Wie hoch man die Bedeutung des Künstlers eingeschätzt wissen will, zeigt sich schon allein dadurch, dass ein Werk in die Contemporary-Art-Dauerausstellung integriert wurde. "Red on white - Los Angeles I" zieht den Albertina-Besucher vom Pop-Art-Raum der Dauerpräsentation in die konzentrierte Prachensky-Ausstellung.

In der komprimierten Auswahl liege die Stärke der Schau, die nicht mehr als 34 Werke zeige, meint Kuratorin Antonia Hoerschelmann.

"Wenn zu viele Werke Prachenskys nebeneinander hängen, verweilt man nicht lange genug, um sie wirken zu lassen -durch die Konzentration kann man sich mehr auf einzelne Arbeiten einlassen. Außerdem kann man so besonders gut sehen, wie differenziert seine Rottöne sind und wie er seine Farbsensibilität als Grundlage seines Schaffens umsetzt."

Daher hat man aus jedem Jahrzehnt stellvertretend eine Werkgruppe herausgegriffen und Schlüsselarbeiten aus seinem Schaffen aus der eigenen Sammlung sowie noch nie gezeigte Gemälde aus dem umfangreichen Nachlass nebeneinander gehängt.

Nicht jeder wusste wohl, dass Prachensky anfangs geometrische Werke schuf, das hier Präsentierte gemahnt an Mondrian und an Architekturpläne. Was Wunder, hat Prachensky doch Architektur studiert und ist, so Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder, "durch den Geist der Architektur zum Künstler geworden". Bald entwickelte er sich jedoch weg davon und von den Einflüssen der Galerie nächst St. Stephan und Otto Mauers, durch die er zur Malerei gekommen war -und hin zu abstraktgestischen Werken, die er bald in radikalem Rot umsetzte.

Gemalte Eindrücke

Betrachter abstrakter Werke suchen oft im Bildtitel Anhaltspunkte. Hier werden sie bei Prachensky zwar nicht fündig, was den Inhalt betrifft -aber über die Entstehungsgeschichte lässt sich etwas eruieren. Einige Bildtitel verweisen auf den Ort der Inspiration. Wer jedoch in den dynamischen Strichen eine Darstellung der benannten Landschaft zu sehen glaubt, irrt. Viel mehr als um die Realität ging es Prachensky um den Eindruck, den eine Gegend bei ihm hinterlassen hatte. Und auch hier kann man in die Falle tappen. Wer hinter "Rouges différentes sur noir (Liechtenstein)" das gleichnamige Land vermutet, geht fehl, Prachensky meinte ein Atelier in der Liechtensteinstraße. Er dürfte überhaupt kein Freund des Interpretierens seiner Gemälde gewesen sein, sagte er doch: "Kunst ist zum Anschauen, nicht zum Sinnen. Der Sinn ist ja schon drin, und wenn man will, kann man viel sehen. Ich male einfach, was ich sehe - wie ich es sehe. Nach einer langen Vorbereitung die Eindrücke meiner Reisen."

Wieso manche Werke dann "California Miles" oder "Swing de Provence" heißen? Prachensky malte nicht in der Landschaft, sondern zog sich in die Abgeschiedenheit seines Ateliers zurück. Dort arbeitete er sehr gerne zur ununterbrochen spielenden selben Musik, mal Bach, mal Swing, mal eben Miles Davis. Die Musik ließ er in Endlosschleife laufen, bis er das jeweilige Werk abgeschlossen hatte - sie inspirierte ihn ebenso wie sie ihn abschirmte. "Er nutzte die Musik als Meditation und übersetzte sie in seine gestische Landschaft", so Hoerschelmann.

Es sind Lebenskraft und Energie, die aus diesen Arbeiten herausleuchten und die sie selbst für Laien anziehend machen. Mit der Hommage in der Albertina möchte man, so die Kuratorin, Markus Prachensky "in seiner Bedeutung auch international positionieren, wie es ihm schon längst zusteht."

Markus Prachensky. Eine Hommage

bis 19.3., Albertina, täglich 10-18 Uhr, Mi bis 21 Uhr

www.albertina.at

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