Music - © Foto: AlamodeFilm

„Music“: Mit Music durch die Welt

1945 1960 1980 2000 2020

„Music“ heißt das Regiedebüt des australischen Popstars Sia – über weite Strecken ein knallbunter Videoclip. Es geht um ein autistisches Mädchen und deren suchtkranke Schwester.

1945 1960 1980 2000 2020

„Music“ heißt das Regiedebüt des australischen Popstars Sia – über weite Strecken ein knallbunter Videoclip. Es geht um ein autistisches Mädchen und deren suchtkranke Schwester.

Wie spielt man eine Autistin? Oder genauer: Wie spielt man ein autistisches Mädchen? Die 18-jährige Tänzerin Maddie Ziegler macht es in „Music“, dem Regiedebüt des australischen Popstars Sia, vor: Ihre Realität ist nicht die, die andere Menschen sehen. Ein Stück weit entrückt, ein freudig-sehnsüchtiger Blick, der stets gen Himmel gerichtet ist, ein lächelnder, offener Mund, die Arme aufgeschwungen wie ein Dirigent und die Kopfhörer, die ihr sensibles Gehör vor dem Lärm der Welt da draußen schützen sollen. So sieht Sia diese Benachteiligung, mit der ihre Protagonistin konfrontiert ist. Sie heißt schlicht Music und nimmt das Leben grundsätzlich leicht wie einen bunten Popsong; nur ihren Vorstellungen zuwiderlaufen sollte nichts, denn dann bekommt Music einen Anfall, wirft sich verstört auf den Boden und weint bitterlich.

Für die Darstellung von Music hat Maddie Ziegler, das Alter Ego von Sia aus fast all ihren Musikvideos, in denen die Sängerin selbst nie zu sehen ist, bereits einen Shitstorm im Internet einstecken müssen, ebenso wie Regisseurin Sia, die sich den Vorwurf gefallen lassen musste, die Rolle nicht mit einer echten Autistin besetzt zu haben, sondern sie stattdessen bloß spielen zu lassen. Darin liege nämlich – darüber sind sich viele Kritiker einig – die inakkurate und unrealistische Komponente dieses Debütfilms, dem man Inkohärenz und einen Mangel an Authentizität vorwirft. Sia konterte, sie habe eine Autistin besetzt gehabt, jedoch hat deren Mutter die Mitwirkung schließlich untersagt.

FURCHE-Navigator Vorschau