Wolfgang Borchert - © Foto: Rosemarie Clausen

Wolfgang Borchert: Gras ist nicht nur Gras

1945 1960 1980 2000 2020

Vor 60 Jahren ist Wolfgang Borchert gestorben. Eine neue Biografie zeichnet sein Leben nach.

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Vor 60 Jahren ist Wolfgang Borchert gestorben. Eine neue Biografie zeichnet sein Leben nach.

So jung ist Wolfgang Borchert gestorben, dass es sein Verlag bis heute nicht glauben kann: "gestorben am 20. November 1949" heißt es im Klappentext der Neuauflage seines Gesamtwerkes. Tatsächlich ist er genau zwei Jahre früher gestorben - keine 27 Jahre alt. Zeit, ein Autor zu werden, hatte er zwei Jahre: von 1945 bis 1947. Davor war er im Krieg oder im Gefängnis, und als der Krieg begann, war er erst 18. Autor wollte er nur werden, weil er schon zu krank für die Bühne war. Das meiste hat er im Bett geschrieben, da er kaum mehr aufstehen, geschweige denn gehen konnte. Vom Krieg hat er sich nie erholt.

Eine neue Biografie zeichnet dieses Lebens nach. Gordon Burgess, Germanistik-Professor an der Universität Aberdeen und Gründungsmitglied der Internationalen Wolfgang-Borchert-Gesellschaft, hat gegenüber der seit 1961 im Handel befindlichen Rowohlt-Monographie von Peter Rühmkorf zahlreiche neue Details ausfindig gemacht und erzählt das kurze Lebens Borcherts von der Welt der Eltern über die von der Hamlet-Aufführung von Gustaf Gründgens ausgelöste Theaterleidenschaft, die subversive Begeisterung für Swing-Musik, die kritischen Äußerungen über das Nazi-Regime und die verstörenden Erlebnisse in Russland bis zum Tod in der Schweiz.

Vielleicht erzählt Burgess streckenweise etwas zu bieder, aber er weiß individuelles Leben und Zeitumstände zu verzahnen, und vor allem bringt er wichtige Einsichten in die Entstehung des Werkes, weil er es gerade nicht aus der Biografie erklärt, sondern die Umstellung und bewusste Komposition des Erlebnismaterials vorführt.

Bewusst gestaltete Prosa

Wer sich diesem Werk neu oder wieder annähern will, für den ist das Gesamtwerk Borcherts unerlässlich. Trotz der falschen Angabe des Todesjahres hat der Rowohlt Verlag Borcherts 60. Todestag richtig errechnet und dieses Gesamtwerk in gründlich überarbeiteter und erweiterter Form herausgegeben. Besonders wichtig: Die postum unter dem Titel "Die traurigen Geranien" erschienenen Erzählungen wurden aufgenommen. So kann man nicht nur das berühmte Drama "Draußen vor der Tür", das weltweit am meisten gespielte Theaterstück Deutschlands, nachlesen, sondern auch alle Prosatexte, Essays, Rezensionen wie auch die frühen Gedichte.

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