Zeit(ung) im (Bewegt-)Bild

1945 1960 1980 2000 2020

In der Verknüpfung des Patschenkinos mit seinen fixen Beginnzeiten und des mobilen Bewegtbilds auf Basis eines riesigen Onlinepublikums schlummern vollkommen neue Möglichkeiten.

1945 1960 1980 2000 2020

In der Verknüpfung des Patschenkinos mit seinen fixen Beginnzeiten und des mobilen Bewegtbilds auf Basis eines riesigen Onlinepublikums schlummern vollkommen neue Möglichkeiten.

In Deutschland ist Bild TV als lineares Fernsehprogramm gestartet. Seine „Kanzler-Nacht“ am ersten Sendeabend hatte im Schnitt 110.000 Laschet- und 90.000 Scholz-Seher. Für ein Medium, das täglich 7,8 Millionen Leser auf Papier und 5,5 Millionen Nutzer online verzeichnet, ist das fast nichts. Doch die Macher der auflagenstärksten Tageszeitung und des meistabonnierten Digitalauftritts in Europa attackieren frontal die herkömmliche TV-Festung.

Der tägliche Info-Talk „Viertel nach acht“ könnte auch als Titel der Strategie dienen: 20.15 Uhr – von der Morgendomäne eines Boulevardblatts zur Abendbastion des Fernsehens. Dann, wenn alteingesessene Konkurrenz seit jeher von Nachrichten zu Unterhaltung wechselt. Das galt bisher als chancenlos. Doch in der Verknüpfung des herkömmlichen Patschenkinos mit seinen fixen Beginnzeiten und des zeitlich wie örtlich mobilen Bewegtbilds auf Basis eines bereits riesigen Onlinepublikums schlummern vollkommen neue Möglichkeiten. „Viertel nach acht“ bedient den Lebensrhythmus der Älteren und die Nutzungstrends der Jüngeren.

Wie solche Nischen erfolgreich besetzt werden können, zeigt schon etwas länger das Ländle: Dort senden die VN als marktbeherrschende Tageszeitung seit zehn Monaten wochentäglich ab 17 Uhr „Vorarlberg live“. Bereits im Frühjahr verzeichneten sie dafür im Schnitt 54.000 Abrufe pro Ausgabe. Das ist zwar nicht direkt mit Live-Reichweite zu vergleichen, doch diese bleibt auch bei „Vorarlberg heute“ meistens fünfstellig. Die Perspektive des Herausforderers liegt also nicht nur laut VN-Chef Gerold Riedmann „auf Augenhöhe“. Denn „Bundesland heute“ ist die quotenstärkste regelmäßige Sendung des ORF und seine Ländle-Ausgabe neben der Kärnten-Variante am populärsten. Das große Bild TV und das kleine „Vorarlberg live“ rütteln an Vormachtstellungen, die uneinnehmbar schienen.

Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst.

In Deutschland ist Bild TV als lineares Fernsehprogramm gestartet. Seine „Kanzler-Nacht“ am ersten Sendeabend hatte im Schnitt 110.000 Laschet- und 90.000 Scholz-Seher. Für ein Medium, das täglich 7,8 Millionen Leser auf Papier und 5,5 Millionen Nutzer online verzeichnet, ist das fast nichts. Doch die Macher der auflagenstärksten Tageszeitung und des meistabonnierten Digitalauftritts in Europa attackieren frontal die herkömmliche TV-Festung.

Der tägliche Info-Talk „Viertel nach acht“ könnte auch als Titel der Strategie dienen: 20.15 Uhr – von der Morgendomäne eines Boulevardblatts zur Abendbastion des Fernsehens. Dann, wenn alteingesessene Konkurrenz seit jeher von Nachrichten zu Unterhaltung wechselt. Das galt bisher als chancenlos. Doch in der Verknüpfung des herkömmlichen Patschenkinos mit seinen fixen Beginnzeiten und des zeitlich wie örtlich mobilen Bewegtbilds auf Basis eines bereits riesigen Onlinepublikums schlummern vollkommen neue Möglichkeiten. „Viertel nach acht“ bedient den Lebensrhythmus der Älteren und die Nutzungstrends der Jüngeren.

Wie solche Nischen erfolgreich besetzt werden können, zeigt schon etwas länger das Ländle: Dort senden die VN als marktbeherrschende Tageszeitung seit zehn Monaten wochentäglich ab 17 Uhr „Vorarlberg live“. Bereits im Frühjahr verzeichneten sie dafür im Schnitt 54.000 Abrufe pro Ausgabe. Das ist zwar nicht direkt mit Live-Reichweite zu vergleichen, doch diese bleibt auch bei „Vorarlberg heute“ meistens fünfstellig. Die Perspektive des Herausforderers liegt also nicht nur laut VN-Chef Gerold Riedmann „auf Augenhöhe“. Denn „Bundesland heute“ ist die quotenstärkste regelmäßige Sendung des ORF und seine Ländle-Ausgabe neben der Kärnten-Variante am populärsten. Das große Bild TV und das kleine „Vorarlberg live“ rütteln an Vormachtstellungen, die uneinnehmbar schienen.

Der Autor ist Medienberater und Politikanalyst.

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