Im Rückblick auf Hitler und Stalin machte sich ein Schriftsteller Gedanken darüber, wie man gefährliche Machtmenschen frühzeitig entschärfen könnte: sodass sie gar nicht dazu kommen, großen Schaden anzurichten. Aldous Huxley hatte die traumatischen Erfahrungen im 20. Jahrhundert vor Augen, als er seinen letzten Roman „Eiland“ (1962) verfasste – als utopisches Vermächtnis für die Nachwelt. Er vertraute auf den Fortschritt der Wissenschaft und glaubte an die Möglichkeit, entsprechende Risikopersonen bereits im Kindesalter zu identifizieren und durch Medikamente vorsorglich zu behandeln: Die Idee einer moralischen Verbesserung durch Psychopharmaka („Moral Enhancement“) ist hier bereits vorweggenommen. Doch auch aus heutiger Sicht bleibt das utopisch und mehr als fragwürdig.

Dass das Psycho-Profil von Macht­habern nicht unerheblich für den Weltenlauf ist, hat die Ära Trump deutlich gezeigt. Spätestens seit dem Sturm auf das Kapitol in Washington schrillen in den westlichen Gesellschaften die Alarmglocken, dass das bewährte demokratische System nicht selbstverständlich ist. Es reicht die Präsidentschaft eines gefährlichen Machtmenschen, der seinen Anhängern eine wahnhafte Parallelwirklichkeit anbietet, um das System bedrohlich zu destabilisieren.

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