KSÖ-"Relaunch": Aus für soziale Verantwortung?

1945 1960 1980 2000 2020

Pluralität, Demokratie, alternatives Wirtschaften und ein sozial-verantwortliches Europa: Mit all dem beschäftigt sich die Katholische Sozialakademie, deren „Relaunch“ vor genau einem Jahr beschlossen wurde. Bedeutet das nun ihr Ende? Absolvent(inn)en melden sich zu Wort.

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Pluralität, Demokratie, alternatives Wirtschaften und ein sozial-verantwortliches Europa: Mit all dem beschäftigt sich die Katholische Sozialakademie, deren „Relaunch“ vor genau einem Jahr beschlossen wurde. Bedeutet das nun ihr Ende? Absolvent(inn)en melden sich zu Wort.

Genau vor einem Jahr, am 2. Juli 2020, hat die österreichische Bischofskonferenz einen so genannten „Relaunch“ der Katholischen Sozialakademie beschlossen. Die Auflösung der Dienstverhältnisse der hier Beschäftigten markierte schließlich den traurigen Höhepunkt. Als Absolventinnen und Absolventen des wohl letzten Turnus des Lehrgangs „Soziale Verantwortung“ der KSÖ (in ihrer bisherigen Form und Organisation) bedauern wir diese Entwicklung zutiefst.

Was ist davon zu halten, dass gerade in der heutigen Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung – befeuert von einer zunehmenden Infragestellung demokratischer Institutionen und multipler sozial-ökologischer Krisen wie Klimawandel oder Biodiversitätskrise mit all ihren enormen Auswirkungen – eine Institution wie die KSÖ „kaputtgespart“ werden soll? Das haben wir uns als Lehrgangsteilnehmer(innen) im Laufe des vergangenen Jahres häufig gefragt. Denn einerseits konnten wir uns des Eindrucks nicht erwehren, dass bei der Entscheidung zum „Relaunch“ vor allen ökonomischen Logiken und Interessen Priorität eingeräumt wurde. Logiken also, die ein gutes und friedvolles Zusammenleben in der Gesellschaft häufig eher (und weiterhin!) torpedieren, als sie zu befördern.

Survival of the fittest?

Andererseits wäre gerade die KSÖ eine Institution, die sich auf Basis der katholischen Soziallehre für jene Anliegen einsetzt, die den viel zitierten „Zusammenhalt der Gesellschaft“ befördern. Egoismus, Wettbewerb, Effizienz- und überzogenes Leistungsdenken sowie eine Grundhaltung des survival of the fittest mögen sich in weiten Teilen unserer durchökonomisierten Gesellschaft als vermeintliche (ökonomische) Innovationstreiber festgesetzt und etabliert haben: Als Theologe und KSÖ-Zukunftsgestalter weiß ich jedoch, dass gerade soziale (!) Innovation als wesentliche Beförderin gesellschaftlichen Zusammenhalts viel eher auf Werten wie Solidarität, Gerechtigkeit und Subsidiarität fußt.

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