Wer am Ende des Wagner-Gedenkjahres, das eine Flut einschlägiger Literatur gebracht hat, nur zögernd nach diesem Wälzer gegriffen hat, wird bald eingesponnen von der ganz eigentümlichen Stimmung dieser Aufzeichnungen. „Die Tagebücher“ Cosima Wagners umfassen in ihrem 1. Band die Jahre 1896 bis 1877, als Wagner den „Ring“ komponierte und instrumentierte, als er die ersten Festspiele vorbereitete und durchführte -und alles andere erlebte als einen Triumph. Von Tribschen war man nach Beyreuth übersiedelt, hier hofften die gesellschaftlich Verfemten Ruhe zu finden. Aber die Sorgen,
„DER NACKTE AFFE.“ Von Des-mond Morris. Dioemersche Verlagsanstalt (Lizenzausgabe der Buch-gemeinschaft ,jyonaukmd“). 384 Seiten. S 57.—.Desmond Morris, der Autor dieses Buches mit dem provokanten Titel, ist Verhaltensforscher. Er war Leiter des Filmstudios und Kustos für Säugetiere im Londoner Zoo, schrieb ein Buch über „Biologie der Kunst“ und ist gegenwärtig Direktor am Institut für zeitgenössische Kunst in London. Jahrelang war er damit beschäftigt, die Verhaltensweise des Menschen mit der einiger anderer Primaten (aus der Reihe der 193 verschiedenen Arten) zu
Wie schnell sich der „Phänotyp” ändert, nämlich schon innerhalb von 30 bis 50 Jahren, ist auch am Kinderbuch abzulesen, da man wohl mit gutem Grund voraussetzen kann, daß die Autoren sich dem Geschmack und den Bedürfnissen, fast möchte man sagen: den Ansprüchen ihrer jungen Leser anpassen. „Leser” will hier heißen Zuhörer, Publikum, denn die im folgenden angeführten Kinderbücher sind für eine Altersstufe bestimmt, da mit dem Selbstlesen noch nicht gerechnet werden kann. Am deutlichsten exemplifiziert dies das reizende und gescheite Büchlein von Susanne Ehmke mit dem Titel
„Diese Schöpfung kommt uns um so ergreifender vor, je mehr man ihren wahren Charakter achtet, ihre leidenschaftliche Naivität.“ Dieser Satz von Eduard Herriot, einem der enthusiastischesten Beethoven-Verehrer, steht zwar im Programmheft der Wiener Staatsoper, das an diesem Premierenabend verkauft wurde. Aber ob es vorher einer der Hauptbeteiligten an dieser Aufführung gelesen hat? Viele Fragen drängen sich auf nach dem neuen Wiener „F i d e 1 i o“, einer längst fälligen Neuinszenierung übrigens — der ersten nach jener optisch und regielich mißglückten vom denkwürdigen 5.
LEXIKON DER WELTLITERATUR IM 20. JAHRHUNDERT. Zweiter Band K-Z. 1. und 2. Auflage. Herder-Verlag, Freiburg-Basel-Wien. 1)24 Spalten Text und7 Ahhildnnfftn. Prei 88.40 DM.Bereits der an dieser Stelle schon ausführlich gewürdigte 1. Sand des Herderschen Literaturlexikons ließ erkennen, daß hier ein modernes Standardwerk im Entstehen ist, das seinesgleichen im deutschen Sprachraum nicht hat. Die Vorarbeiten dazu wurden vor einigen Jahren im Forschungsinstitut für Europäische Gegenwartskunde geleistet, den Feinschliff und zahlreiche Ergänzungen bekamen die einzelnen Artikel (und der
In den Jahren 1930 und 1931 arbeitete Maurice Ravel — merkwürdiger Fall! — gleichzeitig an zwei Klavierkonzerten. Das eine, für die linke Hand (von dem vor kurzem verstorbenen Pianisten Paul Wittgenstein bestellt) hat dramatisch-rhapsodischen Charakter. Das andere, in hellem G - d u r, sollte, nach Ravels Worten, ein Konzert im genauesten und wörtlichsten Sinn derjenigen von Mozart und Saint-Saens werden, „nicht gegen, sondern durchaus für das Klavier“ … Mit dieser Charakteristik wollte Ravel sein Konzert gegen andere Kompositionen gleichen Namens absetzen, in denen das Klavier
Der gemeinsame Nenner der Orchesterkonzerte waren die sechs „Brandenburg i-schen“. Ihre unterschiedliche Interpretation zeigte nicht nur Vor- und Nachteile verschiedener Besetzungen, sondern gestattet auch gewisse Schlüsse auf den Gesamtstil einzelner Dirigenten und Interpreten. Yehudi Menuhin leitete vom Pult aus das suitenartige 1. Konzert in F-dur. Hier wie in dem folgenden Violinkonzert in E-dur war der große Geiger durch die jhm anvertraute Gesamtleitung etwas gehemmt. Ganz frei spielte er erst im Tripelkonzert gemeinsam mit J. Niedermeyer und L. Kentner, der seinen Part leider
Neben der Haupt- und Staatsaktion „Boris Godunow“ steht im Gesamtwerk Mus-sorgskys — einem Lustspiel Shakespeares neben den Königsdramen vergleichbar — die komische Oper in zwei Akten „Der Jahrmarkt von Sorotschlntzi“. Die Handlung folgt einer Novelle Gogols, der, 30 Jahre älter alsMussorgsky, seinem Heimatdorf Sorotschlntzi ein liebevolles Denkmal setzte. Milieu und Sujet der Mussorgsky-Oper fordern zum Vergleich mit der „Verkauften Braut“ heraus. Uber die geniale Begabung und die in fast jedem Takt spürbare Originalität Mussorgskys ist kein Wort zu verlieren; doch wird
Die Aufführung der Hohen Messe in h-moll von Bach in Baden bei Wien lenkt unsere Aufmerksamkeit wieder einmal auf die kulturbewußte und rührige Landesgruppe Nieder-österreidi der Arbeitsgemeinschaft der Musikerzieher. — Zwar mußten gerade für diese Aufführung auswärtige Solisten und Ensembles gewonnen werden, doch bleibt das Vorhaben als solches erfreulich, da das anspruchsvolle Monumentalwerk — innerhalb Österreichs — außer in Wien nur noch in Salzburg dargeboten wurde. Diese bemerkenswerte Aufführung war Höhepunkt einer Veranstaltungsreihe von zehn Konzerten der Abteilungen
Zum ersten Male seit Kriegsende kam Elly Ney nach Wien und gab einen Beethoven-Abend. Bei der Interpretation der Sonaten d-moll op. 31, der Appassionata, der op. 110 As-dur und der letzten Klaviersonate op. 111 konnte man mit Bewunderung feststellen, daß die große 70jährige Künstlerin noch im Vollbesitz ihrer technischen Fertigkeiten und physischen Kraft ist. Das Romantisch-Titanische ihres Vortragsstiles erscheint gemildert zugunsten einer Klarheit, die aber nie der Tiefe und des Hintergrundes entbehrt. Eben weil ihre langsamen Sätze gar nicht auf „Stimmung“ angelegt sind, geht von
Nach seinen drei Liederabenden, die der junge Berliner Bariton im Laufe einer Woche gab, wurde er von der Wiener Tagespresse mit den höchsten Qualifikationen bedacht, die eine so schöntim-brierte, in allen Registern gleichmäßig ausgebildete, vorbildlich gestützte und geführte jugendliche Stimme zu kennzeichnen vermögen. Und das Wiener Konzeitpublikum, in der Kunst des Liedgesanges von früher her sehr verwöhnt und zu höchsten Ansprüchen erzogen, bereitete dem jungen Orpheus ungewöhnliche Ovationen. Denn es war da noch etwas anderes als vollendete Technik und Fülle des Wohllauts.
In diesem Monat gedenken wir des 70. Todestages von Richard Wagner und des 50. von Hugo Wolf. Lehrer und Meister — so sah Wolf das Verhältnis! — stehen heute als Künstler von gleichem Rang da. Ihr persönlicher Kontakt zu Lebzeiten beschränkte sich auf eine kurze Begeg-: nung, die Hugo Wolf später im Gespräch so ausschmückte, erweiterte und variierte, daß die Rekonstruktion des Tatbestandes nicht ganz gelingen will. Aber die Pointe scheint authentisch. Während der Vorbereitung der Aufführungen von „Tannhäuser“ und „Lohengrin“ residiert Wagner im Dezember 1875 mit großem
Es hat lange genug gedauert, bis man sich dazu entschloß, der „Klugen“ die Volksoper zu öffnen. Genau zehn Jahre sind nach ihrer Uraufführung in Frankfurt vergangen, und seither wurde das erfolgreiche Werk an fast allen großen und kleinen deutschsprachigen Bühnen gespielt (auch Klagenfurt und Innsbruck sind der Wiener Staatsoper zuvorgekommen). Muß man sie und ihren Autor, einen der großen Erneuerer des zeitgenössischen Musiktheaters, noch vorstellen? Orff kommt von der Münchner Günther-Schule für Tanzgymnastik, begann mit Lehrstücken und Schulwerken und ist ein gelehrter
Das erste der drei vorgesehenen Orchesterkonzerte mit zeitgenössischer Musik, welche die Gesellschaft der Musikfreunde gemeinsam mit der Ravag veranstaltet, hat stattgefunden. Das Programm enthielt ausschließlich Werke, die dem Kreis der „Neuen Mu6ik angehören, die Auswahl war auch unter „pädagogischem" Gesichtspunkt geschickt getroffen und die Wiedergabe durch die Wiener,Symphoniker unter Herbert von Karajan trug zum positiven Effekt nicht unwesentlich bei.An der Schwelle zum Territorium der neuen Musik steht Albert R o u s s e 1, im gleichen Jahr wie Hans Pfitzner geboren (1969) und
Innerhalb einer Woche finden während der Hauptsaison in Wiener Konzertsälen zehn bis zwölf Veranstaltungen statt. Was „zieht" noch bei diesem Überangebot an Musik?Wenn Serghiu Celibidache „Les Préludes“ von Li6zt mit der „Drommete Sturmsignal“ an die Spitze seines Programms stellt und mit der Ersten von Brahm6 schließt, 60 ist bereits ein guter Besuch des Konzerts gesichert. Spielt dann noch Robert Casade- s u s, der Meisterinterpret französischer Impressionisten, Ravels Klavierkonzert für die linke Hand, dann kommt auch der verwöhnteste Musikfreund auf seine Rechnung. Dies
Der Beethoven-Zyklus unter def Leitung Herbert von Karajans nähert sich seinem Ende. Mit der Aufführung der acht Symphonien hat sich der Dirigent ein neues Territorium erobert, und zwar zunächst ‘vom Rande her: durch deutliche, genaue, mit • einem Wort „perfekte“ Interpretation, die kaum einen Wunsch offen läßt. Auf höherer Ebene sind seine besonderen Qualitäten: Blick für die Architektur und die „Dramaturgie", sowohl der einzelnen Sätze als auch des ganzen Werkes, und Gefühl für die latenten Spannungen, die nicht nur hörbar, sondern auch sichtbar gemacht werden. Gewisse
Das „S i n g g e d i c h t in vier Betrachtungen“ von Christian Wilhelm Alers, einem — nach der Definition Romain Rollands — „freisinnigen, keineswegs pietistischen Mann“, beginnt mit einem Streitgespräch zwischen Gläubigen, Unglaube, Spötter, Vernunft und Religion. Daß hiebei „Die Vernunft" auf der Seite des „Glaubens“ steht, ist für jene Zeit und ihre geistige Situation überaus charakteristisch. Die zweite Betrachtung schildert das Gericht, die dritte und vierte den Sieg und das Glück der „Seligen“. G. Ph. Telemanns Musik bezeugt, wie sich innerhalb eines
Mit Beginn dieses Schuljahres wurde Rosalia Chladek an die Staatsakademie berufen und mit der Leitung der Tanzabteilung im Schloß Schönbrunn betraut. Das bedeutet eine weitere Anerkennung einer Künstlerin, deren Wirken jeder an der Entwicklung des modernen Tanzes Interessierte seit Jahren mit Anteilnahme und Respekt verfolgt; es bedeutet auch Würdigung der besonderen p ä d- agogischen Qualitäten der großen Tänzerin, die der erste Abend im Akademietheater vielfältig bezeugte.Eine Barocksuite nach Muffat übertrug das Monumentale und Zierlich-Schnörkelhafte der Musik in stilisierte
Zu den Büchern von Henry Benrath: „Im Schatten von Notre-Dame“ (115 Seiten), „Traum der Landschaft“ (182 Seiten) und „Geschichten vom Mittelmeer“ (196 Seiten), Verlage Albert Nauck,Scientia, Gallus, 1952
Der groß« Pianist besitzt kaum eine der Eigenheiten und keine Untugend de» Virtuosentyps seiner Generation. Dagegen hat er unseren jungen Künstlern die Reife des Alter» und die vollkommene geistige Durchdringung de» musikalischen Stoffe» voraus. Aehnlich wie für Furtwängler ist für Backhau» Beethoven das Zentrum seine» musikali-»chen Kosmos. In diesen fügt sich, ohne merklich« »tilistische Umdeutung, Mozarts große c-moll-Sonate; weniger freilich die A-dur mit dem berühmten Variationensatz. Dann betrat Backhau» eigenstes Gebiet, wo