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Universitärer Wildwuchs

Mehr privat oder mehr Staat? Auch bei den Universitäten ist das eine Gretchenfrage. Mit der Bertha-vonSuttner-Privatuniversität in St. Pölten bekommt Österreich seine 14. private Hochschule. Diese verzeichnen hierzulande ein steiles Wachstum: Der Grund für diesen Boom liegt wohl auch im enger werdenden Zugang zu den öffentlichen Universitäten, wie Antonio Loprieno, Vorsitzender des österreichischen Wissenschaftsrats, in ORF Science bemerkte. Denn die privaten Unis setzen auf Fächer, für die man sonst Aufnahmeprüfungen braucht. Oder auf solche, die an öffentlichen Unis kaum vertreten sind. Die neue Privat-Uni in St. Pölten etwa konzentriert sich auf Psychotherapie und interdisziplinäre Humanwissenschaften. Der zunehmende Wildwuchs universitärer Einrichtungen ist nicht mehr zu übersehen. Loprieno trifft ins Schwarze, wenn er hier endlich eine bundesweite Koordination einfordert.

Dahinter steht die Schlüsselfrage, welche Rolle den Unis angesichts einer dynamischen Arbeitswelt zukommt, in der Ausbildungen rasch veralten können. An den öffentlichen Unis will man das Problem nun durch beschleunigte Ausbildung und höheren Output lösen. Ab dem nächsten Studienjahr müssen die Prüfungsaktivität der Studierenden sowie die Zahl der Abschlüsse gesteigert werden, sonst droht eine Kürzung des Budgets. An den Unis wird jetzt gerätselt, wie man die Vorgaben erreichen kann. Denn es müssen nicht nur mehr Studierende zu den Prüfungen antreten, sondern diese auch bestehen. Eines ist abzusehen: Die Qualität wird durch solche Maßnahmen nicht gesteigert. Vielmehr könnte sogar der Anreiz entstehen, es den Studierenden leicht genug zu machen. Den Vorwurf, dass man es mit Zeugnissen nicht immer so genau nimmt, kennt man an den Privat-Unis ja nur zu gut. Die Hochschulen allein am Output zu orientieren, könnte somit langfristig zu einem unerwünschten Effekt führen - und für alle rufschädigend sein.

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