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Gesellschaft

Frau & Frau lassen grüßen

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Berlin, 1. August 2001: Der Medienrummel vor dem Rathaus Schöneberg ist gewaltig. Die Theologin Gudrun Pannier und die Juristin Angelika Baldow können sich des Ansturms der Journalis-ten kaum erwehren. Die beiden tauschen gerührt Ringe und Küsse und zeigen sich "überwältigt" von der "Riesenehre", die ersten frischvermählten Lesben Deutschlands zu sein. Im Herbst will ein evangelischer Pfarrer das Paar segnen.

Wieder hat ein Land - nach Dänemark, Holland, Norwegen, Schweden und Island - die Institution Ehe für Homosexuelle geöffnet. Für gleichgeschlechtliche "eingetragene Lebenspartnerschaften" gelten nun auch in Deutschland weitgehend dieselben Rechte und Pflichten wie für die 19,5 Millionen registrierten heterosexuellen Ehen des Landes - angefangen von der gegenseitigen Unterhaltspflicht bis hin zum Erbrecht und zur beitragsfreien Mitversicherung bei den gesetzlichen Krankenkassen. Ausgenommen sind noch das Adoptions- und das Sorgerecht für Kinder. Wieviele der rund 41.000 erklärten homosexuellen Paare vom neuen Gesetz Gebrauch machen werden, ist noch offen.

Muss Österreich mitziehen, wie das Homosexuelle und Vertreter der rot-grünen Opposition bereits verlangen? Noch ist die "Homo-Ehe" bei uns kein brandheißes Thema. Aber die massive Forderung wird kommen. Je nach Stimmungslage und Mentalitäten werden wir Befürworter und Gegner erleben, die beharrlich Überzeugungsarbeit leisten wollen, und andere, die mit der Toleranzkeule einen geradezu "heiligen Kampf" führen, als ginge es um ein gesellschaftspolitisches Erlösungswerk.

Für gläubige Christen gibt es für die Ehe als Basis der Familie sowieso kein vollwertiges Äquivalent. Aber klar ist, dass es in Zukunft Regelungen und besseren Rechtsschutz auch für alle anderen Formen von Lebens- und Solidargemeinschaften geben muss, die unsere Gesellschaft entscheidend mitgestalten. Es sind ja nicht nur die homosexuellen Paare, die einer besseren rechtlichen Absicherung, Stützung und Stabilisierung bedürfen. Sinnvoll wäre es daher, diese Frage zunächst einmal vom Geschlechtsleben abzukoppeln und zu diskutieren, bevor in einem hysterisch-aufgeheizten Klima letztlich nur mehr die Fetzen fliegen.

E-Mail: thiemer@styria.com

Berlin, 1. August 2001: Der Medienrummel vor dem Rathaus Schöneberg ist gewaltig. Die Theologin Gudrun Pannier und die Juristin Angelika Baldow können sich des Ansturms der Journalis-ten kaum erwehren. Die beiden tauschen gerührt Ringe und Küsse und zeigen sich "überwältigt" von der "Riesenehre", die ersten frischvermählten Lesben Deutschlands zu sein. Im Herbst will ein evangelischer Pfarrer das Paar segnen.

Wieder hat ein Land - nach Dänemark, Holland, Norwegen, Schweden und Island - die Institution Ehe für Homosexuelle geöffnet. Für gleichgeschlechtliche "eingetragene Lebenspartnerschaften" gelten nun auch in Deutschland weitgehend dieselben Rechte und Pflichten wie für die 19,5 Millionen registrierten heterosexuellen Ehen des Landes - angefangen von der gegenseitigen Unterhaltspflicht bis hin zum Erbrecht und zur beitragsfreien Mitversicherung bei den gesetzlichen Krankenkassen. Ausgenommen sind noch das Adoptions- und das Sorgerecht für Kinder. Wieviele der rund 41.000 erklärten homosexuellen Paare vom neuen Gesetz Gebrauch machen werden, ist noch offen.

Muss Österreich mitziehen, wie das Homosexuelle und Vertreter der rot-grünen Opposition bereits verlangen? Noch ist die "Homo-Ehe" bei uns kein brandheißes Thema. Aber die massive Forderung wird kommen. Je nach Stimmungslage und Mentalitäten werden wir Befürworter und Gegner erleben, die beharrlich Überzeugungsarbeit leisten wollen, und andere, die mit der Toleranzkeule einen geradezu "heiligen Kampf" führen, als ginge es um ein gesellschaftspolitisches Erlösungswerk.

Für gläubige Christen gibt es für die Ehe als Basis der Familie sowieso kein vollwertiges Äquivalent. Aber klar ist, dass es in Zukunft Regelungen und besseren Rechtsschutz auch für alle anderen Formen von Lebens- und Solidargemeinschaften geben muss, die unsere Gesellschaft entscheidend mitgestalten. Es sind ja nicht nur die homosexuellen Paare, die einer besseren rechtlichen Absicherung, Stützung und Stabilisierung bedürfen. Sinnvoll wäre es daher, diese Frage zunächst einmal vom Geschlechtsleben abzukoppeln und zu diskutieren, bevor in einem hysterisch-aufgeheizten Klima letztlich nur mehr die Fetzen fliegen.

E-Mail: thiemer@styria.com