In "Stirb an einem anderen Tag", Bond-Film Nummer 20, surft Pierce Brosnan auf einer Mega- Tsunami: Die Film-"Handlung" spart nicht mit solchen Aberwitzigkeiten.

Welcher Schurkenstaat war noch nicht Betätigungsort des Agenten ihrer Majestät mit der Lizenz zum Töten? Nordkorea zum Beispiel.

Diesmal war aber nicht nur ein neuer Ort des Bösen in die 007-Gemeinde einzuführen, sondern auch ein Jubiläum zu feiern: Zum 20. Mal und seit 40 Jahren ist James Bond auf der Leinwand unterwegs.

Da muss rund um die Abenteuer des gegenwärtig von Pierce Brosnan gegebenen Protagonisten besonders geklotzt werden: Pop-Ikone Madonna liefert den Titelsong zu "Stirb an einem anderen Tag", Halle Berry spielt die US-Agentin Jinx, die Bond unterstützt und schließlich - wie üblich - sein Bett teilt. Dass die erste schwarze Oscar-Preisträgerin eine tragende Rolle erhielt, hat wohl auch mit political correctness zu tun, denen sich die Bond-Filme annähern: Nachdem mit Judi Dench der distinguiert maskuline Job des Geheimdienstchefs "M" längst in weiblicher Hand liegt, gingen die Drehbuchschreiber nun daran, Rassenmauern niederzureißen. Dennoch wird niemand behaupten, dass der erste Bond im dritten Jahrtausend weniger Machofilm als seine Vorgänger ist.

An den ersten Bond, "James Bond 007 jagt Dr. No", mit Ursula Andress soll auch der Auftritt von Halle Berry erinnern: Berry steigt gleich Andress nixenhaft aus dem Meer. Einen an sich gedrehten Auftritt von Ur-007 Sean Connery als Bonds Vater sucht man in der endgültigen Version des Films aber vergeblich.

Die Erinnerung an James Bond Nummer eins erweist sich aber als zweischneidig: Sean Connery & Co waren anno 1962 noch als Schauspieler gefordert, und wenn auch damals der Plot kein Meisterwerk der Filmliteratur war, so gab es immerhin eine Handlung und nicht bloß die Aneinanderreihung von Actionszenen.

Dort ist "Stirb an einem Tag" endgültig angekommen: Ob es sich bei den Darstellern da um Schauspieler handelt, lässt sich schwer entscheiden, denn diese haben kaum Gelegenheit, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Umso mehr wird geballert und jede technische Möglichkeit moderner Surround-Lautsprecher im Kinosaal demonstriert. Und auch die Spezialeffekte spielen wieder alle Stückeln.

James Bond wird diesmal verraten und landet in einem nordkoreanischen Foltergefängnis. Freigekommen jagt er via Hongkong und Kuba (Achtung: ebenfalls ein Schurkenstaat!) den Verräter, muss sich in London gegen "M", die eigene Chefin, zur Wehr setzen und bekämpft schließlich den skrupellosen Diamanten-Milliardär Gustav Graves (Toby Stephens) im Fechtkampf und in dessen Eispalast in Island.

Auf der Flucht vor den Bösen stürzt Bond auch von einem tausend Meter hohen Gletscher, von dem ein Teil ins Meer bricht und eine Mega-Tsunami, eine ebenso hohe Riesenwelle auslöst: Auf der kann Bond sich via Surfbrett in Sicherheit bringen ... In solch Gedröhn und aberwitziger Handlung ist bloß eines klar: Bond-Fans werden dem mittlerweile schon in die Jahre gekommenen Pierce Brosnan alias 007 weiter die Stange halten.

STIRB AN EINEM ANDEREN TAG -

Die Another Day

GB 2002. Regie: Lee Tamahori. Mit Pierce Brosnan, Halle Berry, Rosamund Pike, Toby Stephens, Rick Yune, John Cleese, Judi Dench. Verleih: CentFox. 134 Min.

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