Unsicherheit und Vertrauen

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Wie kommen wir aus der Krise, wie aus der Unsicherheit? Eine Glosse.

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Wie kommen wir aus der Krise, wie aus der Unsicherheit? Eine Glosse.

Die aktuelle Situation ist von Unsicherheit geprägt: Niemand kann sagen, welche Entwicklungen die nächsten Tage, Wochen, Monate und Jahre bringen werden. Dies ist an sich nichts Neues, doch erleben wir erstmals, dass die Unsicherheit vor praktisch keinem Lebensbereich und praktisch keiner Fachdisziplin haltmacht. Immer mehr rückt ins allgemeine Bewusstsein, dass auch alle Aussagen von Ökonomen, Mathematikern, Naturwissenschaftlern auf Annahmen beruhen und dass die empirische Basis dieser Annahmen bei allen heute drängenden Fragen dünn ist. Dies führt dazu, dass die Verlässlichkeit von Aussagen für alle fühlbar gering ist: Was Experten heute als sicher darstellen, wird morgen von anderen Experten infrage gestellt und gilt übermorgen als widerlegt.

Diese Unsicherheit trifft Politik, Wirtschaft und Fragen des alltäglichen Verhaltens bis in den privaten Bereich. Unter solchen Bedingungen fällt es schwer, jene Eigenschaft wiederzugewinnen, ohne die Zusammenleben nicht funktioniert: Wie kann man vertrauen, wenn das gesellschaftliche Klima von Ungewissheit geprägt ist? Wie können Unternehmer das Wagnis eines Neustarts auf sich nehmen, Arbeitnehmer Konsumausgaben tätigen, Menschen einander begegnen, wenn die Rahmenbedingungen für all dies unsicher sind? Gelingen kann dies, wenn wir uns bewusstmachen, dass die politischen Entscheidungen bisher im Maß des Möglichen umsichtig getroffen wurden; dass unser Gesundheitssystem nicht überfordert sein dürfte; dass die Menschen ihr Verhalten den unsichtbaren Gefahren anpassen; vor allem aber: dass das Leben immer Risiken in sich birgt, die eine Gesellschaft bewältigen kann, wenn die Menschen gemeinsam vertrauensvoll zusammenarbeiten! Vertrauen hat etwas mit Trauen zu tun: Trauen wir uns bewusst zu, wieder zu vertrauen!

Der Autor ist Professor für Arbeits- und Sozialrecht und Leiter des Instituts für Familienforschung.

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