Meinung

Zum Wegzug des KAICIID: Eine Provinz namens Österreich

1945 1960 1980 2000 2020

Dass das „König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ (KAICIID) Wien verlässt, ist weit mehr als ein diplomatisches Fiasko.

1945 1960 1980 2000 2020

Dass das „König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ (KAICIID) Wien verlässt, ist weit mehr als ein diplomatisches Fiasko.

Nun macht das „König-Abdullah-Zentrum für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ (KAICIID) wahr, was bereits in der Luft lag: Es wird Wien verlassen. Das Mindeste, was dies bedeutet, ist, dass Wien eine internationale Organisation verlieren wird, die es selbst – und noch dazu maßgeblich durch den damaligen ÖVP-Außenminister Michael Spindelegger – Anfang der 2010er Jahre ins Land geholt hat. Ein diplomatisches Fiasko einerseits. Andererseits aber noch viel mehr.

Denn die Idee des KAICIID war und ist, dass ob deren Verflechtungen und auch Verstrickungen in globale Politik und Entwicklungen, es sich als vordringlich erweist, auch die Religionen ins Boot eines globalen Dialogs zu holen. Und da hat das Zentrum einiges begonnen, was vielversprechend ist – auf der Ebene lokaler Konflikte mit religiösem Hintergrund (z. B. in Nigeria) ebenso wie auf offizieller Gesprächsbasis.
Natürlich gibt es auf ­letzterer Ebene einiges zu kritisieren – gerade wenn es um Menschenrechte in den einzelnen Regimes geht. Aber Dialog bedeutet, dass man trotz allem versucht, ins Gespräch zu kommen. Im Fall des KAICIID war es beispielsweise so, dass sunnitische Religionsführer gerade im Zusammenhang dieser Institution bereit waren, anderen zuzuhören – etwa dem chaldäisch-katholischen Patriarchen von Bagdad, der auf einer KAICIID-Konferenz in Wien das Leid der Christen im Irak darlegte.

Man kann internationalen Organisationen, angefangen bei der UNO, vorwerfen, dass sie Unrecht auch verharmlosen und/oder dagegen machtlos sind. Aber wer die Gelegenheiten zum Dialog nicht schafft oder nutzt, macht sich die Hände genauso schmutzig wie der, der zu Menschenrechtsverletzungen schweigt. Dass Öster­reichs Politik (und auch die Zivilgesellschaft, die es gut meint, die aber die Mühen der Dialog-Ebene ausblendet) in den letzten Jahren alles dazu getan hat, dem KAICIID das Leben in Wien schwer zu machen, ist in dieser Perspektive eine Kurzsichtigkeit ersten Ranges.