Johann Kresnik - © Foto: APA / Herbert Neubauer
Porträtiert

Ballett kann kämpfen

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

Sein Credo „Ballett kann kämpfen“ ist zu einem viel zitierten Leitwort geworden. Kampfplatz in der künstlerischen Arbeit des Tänzers und Choreografen war der Körper, Kerninhalt der Mensch selbst, der benachteiligte, der gescheiterte, der beschädigte Mensch. Schon früh konzentrierte sich der 1939 im kärntnerischen St. Margarethen geborene Johann Kresnik auf die Erzählform der Biografie, sein Stück „Ulrike Meinhof“ wurde zu einer Sensation, es folgten die Inszenierungen „Rosa Luxemburg“, „Leni Riefenstahl“, „Gründgens“ und „Ernst Jünger“. Im Jahr 2000 stellte Kresnik seine eigene Geschichte in „Aller Seelen“ ins Zentrum.

Er erzählt darin von seiner Kindheit in SüdKärnten, von den Kämpfen zwischen Wehrmacht-Soldaten und slowenischen Partisanen, die den Vater vor den Augen des damals Dreijährigen erschossen. In gewaltigen Bildern brachte Kresnik das Grauen der eigenen Kindheit und die Brutalität des Krieges auf die Bühne. Mit oft akrobatischem Körpertheater fand er zu seiner eigenen Form, einer Verbindung aus Tanz und Schauspiel, die Ende der 1960er-Jahre ein absolutes Novum bedeutete. Auch um sich von Pina Bauschs Arbeit und dem Begriff Tanztheater abzugrenzen, nannte der Pionier seine Produktionsweise „Choreografisches Theater“. Favorisierte Themen waren neben historisch-politisch bedeutenden Personen bildende Künstler wie Pablo Picasso oder Frida Kahlo, auch suchte er die Zusammenarbeit mit Joseph Beuys, Gottfried Helnwein oder Erich Wonder. Geradezu pausenlos inszenierte Kresnik an deutschen Bühnen wie international. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde Frank Castorfs Volksbühne zu seiner künstlerischen Heimstatt, 2001 musste das Ensemble des Choreografischen Theaters eingespart werden. Kresnik arbeitete danach als freier Regisseur, bei den Salzburger Festspielen inszenierte er 2003 „Peer Gynt“, ein Jahr später fand das Ensemble an der Oper Bonn ein neues Zuhause.

2005 eröffnete Michael Schottenberg seine Volkstheater-Intendanz mit Kresniks „Spiegelgrund“, einer Abrechnung mit dem NS-Euthanasie-Arzt Heinrich Gross. Das Volkstheater Wien wurde nun auch Kresniks letzter Aufführungsort. ImPulsTanz eröffnete heuer mit einer Wiederaufnahme des 1988 entstandenen „Macbeth“ am 11. Juli. Am selben Abend ehrte ihn Wien mit dem Goldenen Verdienstkreuz. Am 12. Dezember wäre der wagemutig-radikale Künstler 80 Jahre alt geworden.

Sein Credo „Ballett kann kämpfen“ ist zu einem viel zitierten Leitwort geworden. Kampfplatz in der künstlerischen Arbeit des Tänzers und Choreografen war der Körper, Kerninhalt der Mensch selbst, der benachteiligte, der gescheiterte, der beschädigte Mensch. Schon früh konzentrierte sich der 1939 im kärntnerischen St. Margarethen geborene Johann Kresnik auf die Erzählform der Biografie, sein Stück „Ulrike Meinhof“ wurde zu einer Sensation, es folgten die Inszenierungen „Rosa Luxemburg“, „Leni Riefenstahl“, „Gründgens“ und „Ernst Jünger“. Im Jahr 2000 stellte Kresnik seine eigene Geschichte in „Aller Seelen“ ins Zentrum.

Er erzählt darin von seiner Kindheit in SüdKärnten, von den Kämpfen zwischen Wehrmacht-Soldaten und slowenischen Partisanen, die den Vater vor den Augen des damals Dreijährigen erschossen. In gewaltigen Bildern brachte Kresnik das Grauen der eigenen Kindheit und die Brutalität des Krieges auf die Bühne. Mit oft akrobatischem Körpertheater fand er zu seiner eigenen Form, einer Verbindung aus Tanz und Schauspiel, die Ende der 1960er-Jahre ein absolutes Novum bedeutete. Auch um sich von Pina Bauschs Arbeit und dem Begriff Tanztheater abzugrenzen, nannte der Pionier seine Produktionsweise „Choreografisches Theater“. Favorisierte Themen waren neben historisch-politisch bedeutenden Personen bildende Künstler wie Pablo Picasso oder Frida Kahlo, auch suchte er die Zusammenarbeit mit Joseph Beuys, Gottfried Helnwein oder Erich Wonder. Geradezu pausenlos inszenierte Kresnik an deutschen Bühnen wie international. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde Frank Castorfs Volksbühne zu seiner künstlerischen Heimstatt, 2001 musste das Ensemble des Choreografischen Theaters eingespart werden. Kresnik arbeitete danach als freier Regisseur, bei den Salzburger Festspielen inszenierte er 2003 „Peer Gynt“, ein Jahr später fand das Ensemble an der Oper Bonn ein neues Zuhause.

2005 eröffnete Michael Schottenberg seine Volkstheater-Intendanz mit Kresniks „Spiegelgrund“, einer Abrechnung mit dem NS-Euthanasie-Arzt Heinrich Gross. Das Volkstheater Wien wurde nun auch Kresniks letzter Aufführungsort. ImPulsTanz eröffnete heuer mit einer Wiederaufnahme des 1988 entstandenen „Macbeth“ am 11. Juli. Am selben Abend ehrte ihn Wien mit dem Goldenen Verdienstkreuz. Am 12. Dezember wäre der wagemutig-radikale Künstler 80 Jahre alt geworden.