Ein Forschungsdirektor zwischen den Stühlen

Als Josef Penninger 2002 seine Forschungskarriere von Kanada nach Österreich verlagerte, wurde das als großer Erfolg gefeiert. Der Österreichischen Akademie der Wissenschaften war es gelungen, den leicht unkonventionellen Mediziner für den Aufbau des Instituts für Molekulare Biotechnologie (IMBA) zu gewinnen. Der damalige Akademie-Präsident Werner Welzig bezeichnete den Oberösterreicher als "Jungstar", der wiederum umgehend seine Philosophie für das IMBA verkündete: "Wir holen die besten Leute, geben ihnen genug Geld und schauen was rauskommt." In der FURCHE vor zehn Jahren fügte er hinzu: "Wichtig ist es, Neues zu schaffen, und dafür müssen die Querköpfe gefördert werden." Gesagt, getan: Das Wiener Institut sollte sich unter seiner Leitung zu einer weltweit renommierten Institution entwickeln. Heute jedoch beklagt der letztjährige Wittgenstein-Preisträger die Stagnation in der heimischen Grundlagenforschung. Und spielt wieder mit dem Gedanken, das Land zu verlassen. Im April machte er seine Verhandlungen mit dem Berliner Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin publik und sprach von einem "fantastischen Angebot", auch im Sinne der Forschungsbedingungen: Während das IMBA von der Akademie derzeit 15 Millionen Euro jährlich erhält, verfügt das größere Forschungszentrum in Deutschland über einen Jahresetat von über 80 Millionen Euro (exkl. Drittmittel). Zudem wünscht sich Penninger mehr Unabhängigkeit für sein Forschungsteam. Sein Vorstoß löste prompt Reaktionen aus: Akademie-Präsident Anton Zeilinger, der dem Vernehmen nach ein eher angespanntes Verhältnis zum IMBA-Direktor unterhält, schritt zu Abwehrverhandlungen, und Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) stellte mit der Stadt Wien für das IMBA zusätzlich mehr als 20 Millionen Euro in den nächsten Jahren in Aussicht. Die Aufmerksamkeit, die der 50-jährige Spitzenforscher zuletzt provozierte, stieß auch auf kollegiale Missgunst -und politische Kritik. Die Vergabe öffentlicher Mittel habe nach transparenten Kriterien zu erfolgen, bemerkte die grüne Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer: Dass die Entscheidungen, welche Forschungseinrichtungen Geld erhalten, vom Gutdünken des Wissenschaftsministers abhängen, sei absolut inakzeptabel. Im Hinblick auf die heißen Verhandlungen um künftige Konditionen sei nun "alles im Fluss", heißt es bislang aus Penningers Institut: Bei Redaktionsschluss gab es noch keine Entscheidung über die Zukunft des Querkopf-Sympathisanten.

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