Verdis "Nabucco" 2001 in der Wiener Staatsoper - Maria Guleghina als Sklavin Abigaille und Leo Nucci als Nabucco in einer Szene aus Verdis gleichnamiger Oper, die am 31. Mai 2001 an der Staatsoper zur Erstaufführung gelangt. - © APA/ZEININGER
Feuilleton

Nabucco-Flop in der Wiener Staatsoper

1945 1960 1980 2000 2020

Die "Nabucco"-Erstaufführung mit einem liegenden Gegangenenchor misslang just im Verdi-Jahr 2001.

1945 1960 1980 2000 2020

Die "Nabucco"-Erstaufführung mit einem liegenden Gegangenenchor misslang just im Verdi-Jahr 2001.

„Nicht die erste Oper Verdis, aber die erste Verdi-Oper", charakterisiert Verdi-Biograf Christian Springer "Nabucco", jenes Werk, mit dem Giuseppe Verdi den Durchbruch als Opernkomponist schaffte und dessen Gefangenenchor zu den bekanntesten "schönen Stellen" der Opernliteratur gehört.

Dieses Werk ist, so unglaublich das auch klingt, 132 Jahre lang nie an der Wiener Staatsoper gegeben worden. Umso bedauerlicher, dass die Erstaufführung, die vorige Woche im Haus am Ring über die Bühne gegangen ist, ausgerechnet im Verdi-Jahr 2001, vor einem zum Teil feindselig eingestellten Publikum zum veritablen Flop geriet.

„Nicht die erste Oper Verdis, aber die erste Verdi-Oper", charakterisiert Verdi-Biograf Christian Springer "Nabucco", jenes Werk, mit dem Giuseppe Verdi den Durchbruch als Opernkomponist schaffte und dessen Gefangenenchor zu den bekanntesten "schönen Stellen" der Opernliteratur gehört.

Dieses Werk ist, so unglaublich das auch klingt, 132 Jahre lang nie an der Wiener Staatsoper gegeben worden. Umso bedauerlicher, dass die Erstaufführung, die vorige Woche im Haus am Ring über die Bühne gegangen ist, ausgerechnet im Verdi-Jahr 2001, vor einem zum Teil feindselig eingestellten Publikum zum veritablen Flop geriet.

Navigator

Liebe Leserin, lieber Leser,

diesen Text stellen wir Ihnen kostenlos zur Verfügung. Im FURCHE‐Navigator finden Sie tausende Artikel zu mehreren Jahrzehnten Zeitgeschichte. Neugierig?
Am schnellsten kommen Sie hier zu Ihrem Abo – gratis oder gerne auch bezahlt.
Herzlichen Dank, Ihre Doris Helmberger‐Fleckl (Chefredakteurin)

diesen Text stellen wir Ihnen kostenlos zur Verfügung. Im FURCHE‐Navigator finden Sie tausende Artikel zu mehreren Jahrzehnten Zeitgeschichte. Neugierig?
Am schnellsten kommen Sie hier zu Ihrem Abo – gratis oder gerne auch bezahlt.
Herzlichen Dank, Ihre Doris Helmberger‐Fleckl (Chefredakteurin)

Regie und Bühnenbild sorgten für ein szenisches Debakel. Die von Manfred Voss und Petra Buchholz verantwortete Bühne ist ein missratenes Nichts, ein ödes Halbrund, an dessen Seiten hebräische Schriftzeichen projiziert werden; heute geht offensichtlich nichts mehr ohne Multimedia-Firlefanz. Ein einziges Mal, wenn der assyrische Herrscher dem Wahnsinn verfällt, die Buchstaben zerbersten und in Splittern langsam zu Boden fließen, gewinnt die Projektion Kraft. Regisseur Günter Krämer ist zu "Nabucco" offenbar überhaupt nichts eingefallen, nur beim berühmten "Va pensiero" liegt der Chor der gefangenen Juden zuerst am Boden, dann halten sie Fotografien (von ermordeten Verwandten?) in den Händen. Dieses berückende Bild hängt jedoch völlig in der Luft, es hat keinen Bezug zur ansonsten spannungs- und bezugs- und damit belanglos inszenierten Geschichte. Wenn die Darsteller bunte assyrische Phantasiekostüme getragen hätten statt Kleidung des 20. Jahrhunderts, so hätte es wenigstens etwas zum Schauen gegeben.

Schwierige Voraussetzungen für Leo Nucci und Maria Guleghina

Unter solchen Voraussetzungen haben es die Sänger naturgemäß schwer: Da kann Giacomo Prestia seinen Propheten Zacharias noch so ehrfürchtig oder Marina Domashenko ihre Fenena noch so kristallklar gestalten. Selbst der große Leo Nucci in der Titelpartie kann nur gegen Ende einen Funken erzeugen, der auch auf den Zuhörer überspringt. Die zugegebenermaßen extrem schwierigen Partie der Abigail war Maria Guleghina zumindest bei der Premiere nicht gewachsen. Im Gegensatz zu Nucci gelang es ihr nicht, Dramatik und Lyrik gleichermaßen perfekt herüberzubringen. Schwächen in den Höhen - keine 100-prozentige Treffsicherheit, erstickte Schrille - wurden von Teilen des Publikums gnadenlos bestraft.

Am besten steigt noch Fabio Luisi aus, der mit dem Staatsopernorchester, vulgo Wiener Philharmoniker, rein räumlich mit der vermaledeiten Bühne am wenigsten zu tun hat. Im richtigen Tempo, sehr weich und fließend, allzu heftige Lautstärke vermeidend, bringt er einen jungen Verdi zu Gehör, der sich noch nicht ganz von dem von ihm soeben überwundenen Kompositionsstil abgesetzt hat.

Navigator

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Mit einem Digital-Abo sichern Sie sich den Zugriff auf über 40.000 Artikel aus 20 Jahren Zeitgeschichte – und unterstützen gleichzeitig die FURCHE. Vielen Dank!

Mit einem Digital-Abo sichern Sie sich den Zugriff auf über 40.000 Artikel aus 20 Jahren Zeitgeschichte – und unterstützen gleichzeitig die FURCHE. Vielen Dank!