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Bei Früherkennung meist heilbar

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Die Zahl der Hautkrebsfälle steigt. Männer sind "Vorsorgemuffeln" und sollen jetzt verstärkt über mögliche Gefahren und Risiken aufgeklärt werden.

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Die Zahl der Hautkrebsfälle steigt. Männer sind "Vorsorgemuffeln" und sollen jetzt verstärkt über mögliche Gefahren und Risiken aufgeklärt werden.

Rund 90 Prozent aller Hautkrebsfälle wären bei Früherkennung heilbar. Doch vor allem Männer nehmen es mit der Vorsorge nicht so genau. Schwerpunkt der Kampagne "Sonne ohne Reue" bilden daher heuer die "Vorsorgemuffel" Männer, die verstärkt dazu motiviert werden sollen, regelmäßig Muttermale und Pigmentveränderungen beim Hautarzt untersuchen zu lassen.

Weiteres stehen auch Kinder heuer im Mittelpunkt, denn: "Die Grundlage für Hautkrebs werden vielfach bereits in der Kindheit gelegt. Deshalb haben wir spezielle Informationsmaterialien herausgebracht, die den Kindern die Gefahr der Sonne näherbringe," begründet Susanne Takats, Geschäftsführerin der Österreichischen Krebshilfe den Vorsorgeschwerpunkt für Vor- und Volksschulkinder. Den ganzen Sommer werden in Apotheken, Schulen, Kindergärten und Bäder kostenlose Informationsmaterialien verteilt.

Die Erkrankungen durch Hautkrebs nehmen zu. Rund drei Prozent aller Krebserkrankungen gehen auf das Konto von Melanomen. Doch auch die Aufklärung der Bevölkerung steigt. Dadurch, so Universitätsprofessor Hubert Pehamberger, Leiter der Onkologischen Pigmentambulanz der AKH Hautklinik Wien, konnte eine deutliche Abnahme der mittleren Tumordicke aller operativ entfernter Melanome von 1,5 Millimeter auf weniger als einen erreicht werden, was sich entscheidend positiv auf die Überlebensprognose auswirkt. "Hautkrebs ist heilbar, wenn der Tumor frühzeitig erkannt und operativ entfernt wird", erklärt Pehamberger.

Melanom-Warnzeichen sind, fasst Pehamberger, zusammen: * rasches Größenwachstum; * unregelmäßiger, zackiger Rand; * Farbveränderung (dunkelbraun, schwarz, weißlich, rötliche oder bläuliche Anteile); * unregelmäßige, höckrige Oberfläche; * Formveränderung (asymmetrisch, Ausläufer in die normale Haut); * Juckreiz oder Bluten.

Gefährdet sind vor allem Menschen mit heller Haut, die leicht einen Sonnenbrand bekommen, Menschen, die häufig im Freien arbeiten, viele Muttermale haben, bei denen bereits ein Melanom aufgetreten ist oder ein Familienmitglied schon von einem Melanom betroffen war.

An der onkologischen Pigmentambulanz der AKH-Hautklinik wird laufend an der Verbesserung der Melanomdiagnose gearbeitet, denn je genauer die Diagnosemöglichkeiten, umso höher die Heilungschancen. So ist die über Jahre entwickelte, und heute etablierte Auflichtmikroskopie aus der medizinischen Routine nicht mehr wegzudenken. Sie verbesserte die Frühdiagnose bei Melanom um 25 Prozent. Derzeit wird versucht, Daten zu digitalisieren und automatisieren. Diese, so die Idee, sollten dann an spezialisierte Zentren digital übertragen werden (Telemedizin).

Weiters gibt es heute auf Basis immunologischer und genetischer Marker die Möglichkeit, im Blut zirkulierende Melanomzellen nachzuweisen und so frühzeitig das Fortschreiten der Erkrankung zu diagnostizieren.

Aber nicht nur bei der Diagnose, auch bei der Therapie hat sich viel getan. Seit Jahren sind die sogenannten Interferone bei der Therapie ein wesentlicher Bestandteil. Mehrere Studien, darunter eine eigene österreichische, haben gezeigt, dass frühzeitig eingesetztes Interferon die Zeitspanne der Rückfälligkeit bei hoher Lebensqualität verlängert. Neu und derzeit in der Testphase sind Methoden, den Tumor "aushungern" zu lassen. Dabei verhindern speziellen Substanzen, dass das für den Tumor lebenswichtige Blut zu den Krebszellen gelangt.

Unterlagen zum Thema Hautkrebs können bei der Österreichischen Krebshilfe unter der Nummer (01) 79 66 450, per E-Mail: service@krebshilfe.or.at und Homepage "www.krebshilfe.or.at"angefordert werden.

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