Mehr Schaden als Nutzen

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"Waffen weg!" ist ein Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Schußwaffen in privaten Haushalten weitgehend abzuschaffen.

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"Waffen weg!" ist ein Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, die Schußwaffen in privaten Haushalten weitgehend abzuschaffen.

dieFurche: Sie wurden 1995 Opfer eines Amoklaufes am Bezirksgericht Linz-Urfahr (siehe Seite 14) und gründeten als Reaktion auf den Amoklauf in Mauterndorf zwei Jahre später den Verein "Waffen weg! Der gewaltfreie Weg ..." Sie haben damals viel Unterstützung bekommen, auch von prominenter Seite. Danach ist es wieder ruhig geworden. Welche Ziele wurden eigentlich erreicht?

Maria Navarro: Ich glaube, daß wir eine sehr gute Öffentlichkeitsarbeit gemacht haben. Es ist uns gelungen, die Bevölkerung für das Thema Gewalt mit Waffen zu sensibilisieren. Außerden wurden Kontakte zu Politikern und zu verschiedensten Organisationen geknüpft. In der letzten Zeit ist es in der Tat ein bißchen ruhig geworden. Das liegt daran, daß 1999 der Wahlkampf begonnen hat und alle politischen Kräfte damit beschäftigt waren. Da war es schwierig, irgendetwas zu bewegen. Das Thema privater Waffenbesitz war im Wahlkampf kein Thema, obwohl man es durchaus zum Thema machen hätte können. Leider ist das nicht geschehen, was mich etwas erstaunt hat.

dieFurche: Wird es sschwer werden, den neuen ÖVP-Innenminister für Ihr Anliegen zu interessieren?

Navarro: Ich glaube, daß es mit einer schwarz-blauen Regierung schwieriger sein wird, eine Waffengesetzänderung zu erreichen. Andererseits denke ich, daß die internationale Entwicklung ganz klar in eine Richtung geht, selbst in jenen Ländern, die als extrem waffenfreundlich bekannt sind. Amerika will zusehends sein Waffengesetz verschärfen. In Deutschland wird gerade wieder das Waffengesetz verschärft durch eine Initiaitve des Landes Bayern. Diese Entwicklung in Richtung Einschränkung des privaten Waffenbesitzes wird nicht aufzuhalten sein.

dieFurche: Schußwaffen haben in privaten Haushalten generell nichts verloren ...?

Navarro: Unser Ziel ist es, daß in privaten Haushalten keine Waffen herumliegen, wenn das nicht unbedingt erforderlich ist. Wir wollen kein absolutes Waffenverbot, sondern nur dort, wo es Sinn hat. Es ergibt für uns überhaupt keinen Sinn, warum eine Waffe ausschließlich zum privaten Schutz zu Hause aufgehoben werden soll. Alle Profis - angefangen von der Cobra über den polizeilichen Sicherheitsdienst bis hin zu den Weltmeistern bei den Sportschützen - sie alle sagen, daß eine Waffe zum persönlichen Schutz nicht geeignet ist. Sie birgt mehr Gefahr als sie Nutzen bringt. In Wahrheit ist ja auch nie ein Fall bekannt geworden, wo sich jemand mit einer Waffe wirksam hat schützen können. Hingegen liest man immer wieder, was mit einer Waffe angerichtet werden kann.

dieFurche: Die Hindernisse zwischen Befürwortern und Gegnern von privatem Waffenbesitz scheinen fast unüberbrückbar zu sein.

Navarro: Nein, die sind gar nicht unüberbrückbar. Das merkt man, wenn man mit den Waffenbesitzern vernünftig redet. Ich habe sehr viele kennengelernt, die unser Anliegen letztlich sogar befürwortet und unterstützt haben. Die grundsätzliche Ablehnung der Befürworter ist eigentlich ja gar nicht logisch nachvollziehbar. Die sagen ja selber, daß sie im Grunde nur ein subjektives Sicherheitsbedürfnis befriedigen. Aber niemand kann dann erklären, wozu er die Waffe wirklich braucht. Daß manche Menschen wie Jäger oder Sportschützen eine zu Hause haben können, wird von uns ja auch nicht abgestritten.

dieFurche: Aber es wird auch argumentiert, daß durch ein Verbot der legalen die Zahl der illegalen Waffen steigen wird.

Navarro: Das sind immer so Behauptungen, mit denen Befürchtungen geweckt werden. Illegale Waffen zu bekämpfen, ist Sache der Polizei. Wir wollen, daß Waffen, die nicht notwendig sind, auch nicht herumliegen sollen. Mehr als die Hälfte aller Morde und Mordversuche passieren mit legalen Waffen. Das hat eine Studie des Innenministeriums gezeigt und das wissen wir alle, auch die Befürworter.

Das Gespräch führte Elfi Thiemer.

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