Der Bär in mir - © Foto: Pandafilm

"Der Bär in mir": Arktische Geduld

1945 1960 1980 2000 2020

„Der Bär in mir“: Roman Droux porträtiert den Verhaltensforscher David Bittner und grübelt über den großen Zusammenhang zwischen Mensch und Natur nach.

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„Der Bär in mir“: Roman Droux porträtiert den Verhaltensforscher David Bittner und grübelt über den großen Zusammenhang zwischen Mensch und Natur nach.

Wen schützt eigentlich die Abgrenzung im Zoo: die Besucher vor dem wilden Tier oder das wilde Tier vor den neugierigen Besuchern? In seinem persönlich gehaltenen Dokumentarfilm „Der Bär in mir“ erzählt der Schweizer Roman Droux dazu aus seiner Kindheit, dass er versuchte, die Leckerli genau auf die Schnauzen der Lebewesen
unten im Graben zu werfen. Nun, auf Expedition, scheint es fast, als wären die Rollen vertauscht: Vom Lager, das er und der Verhaltensforscher David Bittner im Katmai Nationalpark im Südosten von Alaska aufgeschlagen haben, soll ein dünner Elektrozaun allzu neugierige Tiere abhalten – gänzlich unter den Grizzlys zu leben wäre undenkbar. Dabei nähern nicht sie sich den Bären, sondern lassen die Bären sich an sie gewöhnen, ihnen nahe kommen. „Du musst geduldig sein, sagt der Fuchs“, beschreibt es Droux mit einer Stelle aus „Der kleine Prinz“.

Mit dieser Geduld geschieht um sie herum ein arktischer Sommer: das Erwachen aus der Winterruhe, die karge Zeit danach. Das Überleben des Stärkeren und genauso die Opfer, die das fordert. Dann endlich die Lachs- wanderung, die Überfluss und neue Fettreserven bringt. Zugleich entwickelt sich eine Koexistenz mit den Bären, die im besten Fall Erfolgserlebnisse bringt wie eine Mutter, die ihr Junges beim Forscher streunen lässt. „Der schönste Zeltplatz auf der ganzen Welt“ ist es auch in seinen Bildern, seien es die Wolken- und Himmelsstimmungen Alaskas oder exakte Beobachtungen bei der Jagd. Oder die Aufnahmen der Kamerafallen, die bei näherer Untersuchung durch die Grizzlys in Mitleidenschaft gezogen werden. Wobei Droux die Gefahr nicht verschweigt, ja es durch die Ich-Perspektive auch nicht könnte, und immer wieder fasziniert ist von der Ruhe, die sein Begleiter ausstrahlt – solange Bittner mit all seiner gesammelten Erfahrung die Situation einschätzen kann.

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