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Priester liehe Existenz

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Von Universitätsproiessor Dr. Michael Pfliegler. Tyrolia-Verlag, Innsbruck

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Von Universitätsproiessor Dr. Michael Pfliegler. Tyrolia-Verlag, Innsbruck

Die prie6terliche Existenz hat ihre „Wurzeln in einer Erfassung des Daseins als Mitseins mit Menschen in der Gefährdung, im Erlebnis, das sich zum Wagnis eines Daseins für die Mitmenschen steigert: sich und seine Brüder unter dem Blickpunkt der Ausrüstung zu sehen, die nötig ist, andere aus der Verlorenheit und Sünde zu Gott, dem Erbarmer, Erlöser und Heiligen zu retten". „Der Priesterberuf ist so wesentlich Beruf des Priesters, daß der menschliche Träger nur mehr als personales Mittel des Berufes in Frage kommt. Der Mensch ist Geopferter." Der Priester ist io einem doppelten Sinn ein Geopferter: als Christ schon ist er „ein Mensch des Glaubens, der die Brüchigkeit unseres Daseins viel eindringlicher erlebt und im gleichen existentiellen Ernst zu meistern verpflichtet ist, der es aus der Sinnlosigkeit und Verlorenheit vor das eine Absolute reißt, es vor Gott wirft und es unentrinnbar unter sein Wort und sein Gericht stellt“. Mit Christus ist er in eine solche Existenz hineingeopfert — und als Priester ist er noch einmal hingeopfert, nämlich der Sorge um die anderen, damit auch sie durch ihr Lebensopfer ihr Heil finden. Wenn es schon eine Spannung über unsere menschlichen Kräfte ist, unsere sündhafte Armseligkeit mit der göttlichen Seligkeit des Begnadetseins in einem Menschenherzen zu vereinen, um wieviel stärker wird sie in dem sein, der dazu berufen äst, diese Spannung in anderen stets lebendig zu erhalten.

Darüber aber hat Pfliegler kein Buch geschrieben, in dem er zu den vielen bereits über die Erhabenheit und Herrlichkeit des .Priesterideals" geschriebenen noch eines hinzufügt. In diesem Buch wird vom Priester nicht -in oftgehörten Allgemeinheiten gesprochen, auch nicht von lebensfernen Problemen und zukunftsdeutenden Theorien, schon gar nicht mit pathetischen Imperativen. Pfliegler weiß gewiß um das ewig Gültige des katholischen Priestertums, er weiß aber auch, daß seine je neue, der Forderung des geschichtlichen Augenblicks entsprechende Verwirklichung die eigentliche Schwierigkeit darstellt. Ihm geht es darum, zu zeigen, wie die furchtbare Spannung der priesterlichen Existenz, Göttliches an Menschen durch Mensche menschlich weiterzugeben, bewältigt werden kann. Da gebt es nicht, eine je gültige Form immer wieder zu wiederholen, sondern in je neuen Situationen richtig zu vollziehen, über diese Situationen, oder richtiger über den Vollzug der priesterlichen Existenz in den Situationen, die man als die typischen bezeichnen könnte, hat Pfliegler geschrieben; also über die Grundlegung der priesterlichen Existenz in Berufung, Seminar und theologischer Vorbildung, über die ersten Priesterjahre und ihre Schwierigkeiten, über die Spannungen des eigentlchen Priesterlebens (Nähe Gottes — täglich, das tägliche Brevier; Priester und Welt; das Schweigen Gottes; Mangel an ausreichender Vorbildung; die Krisen [Einsamkeit, Zölibat, der Moment der Entscheidung]; über die möglichen Existenz weisen des Priesters, nach oben im heiligen Priester, im guten und frommen Priester, nach unten in den Miß- und Kompromißformen [den Männern der Sicherheit, den „Fliehenden" — in den Dienst, in die Geschäftigkeit, in die Nebenbeschäftigung, in den Ersatz, den Erstarrten]). Und über all dies schreibt Pfliegler, indem seine staunenswerte Belesenheit m Priesterbüchern und Priesterromanen und seine alles beobachtende Erfahrung im Leben alle die Gestalten der Literatur so erstehen lassen, daß sie den Leser unmittelbar ansprechen, ja — vielleicht kommt das auch von der meisterhaft kurzen und eindringlichen Sprache — formen. Es ist das Bekenntnisbucn eines um alle bemühten, eines in Herzensgute zur Lebensweisheit vorgedrungenen, vor allem aber eines glühenden Priesters; glühend in der Liebe zu dem Ernst der Nachfolge Jesu, glühend aber auch, bis zum köstlichen Humor, in der Liebe zu jedem Menschen, auch dem schwächsten, ärmsten und sündhaftesten, vor allem zu den Brüdern im Priesteranvte. Das Buch hat die Aufgabe, der heutigen und der morgigen Priestergeneration die rechten Wege zu weisen.

Pfliegler verwehrt es sich, Zukunftsprognosen zu geben. Er läßt bewußt der Macht des gnädigen Gottes Raum. Er empfiehlt nur, den heiligen Pfarrer von Ars und den offenen Bück, neue Ansätze — etwa die Mission de France — zu erkennen und ernst zu nehmen. Am Ende des Buches sieht man die Richtung, in die die heutige Priestererziehung gehen muß. Das Buch ist mit Recht Prälat Hand-Ioß, dem unvergeßlichen Regens des Wiener Priesterseminars, gewidmet.

Vom Goldenen Rom zur Welt. Universi- tätsverlag Wagner, Innsbruck. 340 Seiten.

Ein Prachtwerk über den Vatikan und die katholische Kirche. Zahlreiche Artikel belehren den Leser über das irdische Zentrum seiner Kirche, um ihn dann die katholische Kirche in allen Kontinenten der Welt zu zeigen. Ausgezeichnete Bilder, teils farbig, teils in Kupfertiefdruck, vervollständigen das Werk. Einige kleine Fehler könnten bei einer Neuauflage sicher ausgemerzt werden: In Großbritannien gibt es keinen Nuntius, sondern nur einen Delegaten (S. 175), äm Jahre 1824 regierte Leo XII., nicht Leo XIII. (S. 75), unter den aufgeführten päpstlichen Akademien fehlt die päpstliche Diplomatenhochschule (S. 75). Die Hinzufügung eines Bilderverzeichnisses wäre ebenfalls sehr zu begrüßen. Dem Werk, das zuerst än italienischer Sprache erschien und das zahlreiche prominente Mitarbeiter aufweäst, ist eine weiteste Verbreitung zu wünschen. DDr. Willy Lorenz

Gebet der Kirche. Betrachtungen zu den Orationen des Kirchenjahres. Teil II: Die Sonntage nach Epiphanie und die Sonntage nach Pfingsten. Von Fritz Leist. Verlag Rupertuswerk St. Peter, Salzburg. 228 Seiten, Preis S 39.—.

Die vorliegenden Betrachtungen stützen sich nur auf die Orationen der betreffenden Sonntage, also jener Gebetsteile der Messe, die oftmals nicht sehr beachtet werden, die aber,

meist sehr gedrängt, eine Reihe wertvollster Gedanken enthalten. Das Buch von Leist folgt drei Grundsätzen: nämlich, daß das Beten der Kirche in dem Bewußtsein geschieht, daß Offenbarung Geschichte ist; daß das Alte Testament ein Bestandteil de6 Neuen sei; daß das theologische Denken einen eigenartigen Anspruch an den erhebt, der seine Fragen erwägt oder zum denkenden Nachvollzug aufgerufen äst. — Das Buch von Leist ist klar und schön geschrieben und wird bald vielen ein unentbehrlicher Behelf sein, um das nie endende Gespräch zwischen Gott und dem Menschen zu verstärken und zu vertiefen.

Dr. Ludwig Meister a

Die Heiligen und der Staat. 4. Band. Von Franziskus Maria Stratmann O. P. Verlag Josef Knecht, Carolusdruckerei, Frankfurt am Main 1952. 216 Seiten.

Der verdienstvolle Vorkämpfer eines christlichen Friedensgedankens in Deutschland hat es sich hier zur Aufgabe gemacht, der Gegenwart zu zeigen, wie schwer die Heiligen der Vergangenheit das Ringen mit den großen Mächten („Staat", Kaiser, Gesellschaft) durchzustehen hatten. Im vorliegenden Bande behandelt er die Zeit zwischen dem 5. und 9. Jahrhundert, zumal die Auseinandersetzung einzelner großer Päpste mit Byzanz und den „Barbaren . Lebhaft und lebendig schildert der Autor seine Heiligen, verschweigt auch nicht gefährliche Initiativen und charakterliche Brüchigkeiten, Angesichts seiner Belesenheit und eines angenehm berührenden offenen Sinnes, überraschen nicht selten apodiktische Fehlurteile, so etwa gleich Seite 20 über den Manichäismu6: „Dieser war so durch und durch heidnisch und so offensichtlich moralwidrig, daß Christen ihm nicht anhingen. (Wenn dem so wäre, wäre Augustin, und nach ihm ein großer Teil unserer europäischen Geschichte unverständlich.) Für eine Neuauflage wären auch saloppe Zeitausdrücke auszumerzen (so, wenn Seite 155 von einem „religiösen Liberalismus", Anno 655, gesprochen wird). — Das Büchlein kann aber bildungswilligen Kreisen, auch Volksbüchereien, nur empfohlen werden.

Univ.-Doz. Dr. Friedrich Heertrockene, heiße Luft dringt in alle Poren, es ist ein Luftbad, das den Körper geradezu durch dringt. Man zieht den sonnigen. Eukalyptusduft ein und freut sich darüber, aber von Tannenbäumen und Weihnachtsstimmung ist weit und breit nichts zu erspähen. Zwar gibt es in den Gärten große Föhren, von denen man einige Zweige absägen könnte, und das tun wir auch; dann gibt es eine Art wilde Zypressen, deren Zweige aber schlaff zur Erde hängen, wenn man sie mit Kerzen beschwert. Wir haben beides versucht und schließlich mit großer Mühe die Föhrenzweige so zurechtgestutzt und so kunstgerecht in große Kübel gegraben, daß sie entfernt an kleine Tannen erinnern können. Vom Kuchenbacken und Christbaumschmücken in der erstickenden. Hitze will ich gar nicht reden! Um die Neugierigen fernzuhalten, muß man die Fenster schließen; die Föhrennadeln sind zu lang, die Zweige zu krumm, alles ist klqbrig, harzig — die Feuergefahr besonders groß! Nur die Buben sind mit Feuereifer dabei. Da werden noch im letzten Augenblick Geschenke gepackt, Goldfäden gekauft, merkwürdige Dinge versteckt, sobald man unversehens ins Zimmer kommt.

Jeden Augenblick läutet’s, und man muß zur Tür laufen. Alle Nachbarn und Freunde bringen kleine Geschenke. Der Briefträger ist schwer beladen, denn auch in Australien ist Weihnachten das große Fest, glicht nur im Familien-, sondern auch lim weiteren Freundeskreis. Ein Volk, wie die Engländer, das in aller Herren Ländern verstreut ist, hält besonders cjlarauf, daß einmal im Jahr alle alten Freundschaftsbande neu geknüpft werden. Von nah und fern kommen liebe Grüße und Wünsche, und jeder denkt mit Freude und Wehmut der vielen lieben Menschen, die er leider beim Verlassen der Heimat nicht mitbringen konnte.

Der Baum ist geschmückt. Es ist sieben Uhr abends Die Freunde kommen, die Kinder sind höchst aufgeregt, das Haus wird immer schwüler und heißer, nur dunkel wird’s ewig nicht! Die goldene Abendsonne dringt durch alle Ritzen und Spalten, die Grillen und Zikaden im Gar- tep machen einen Heidenlärm. Wir pflücken Aprikosen und suchen noch nach den letzten Ananaserdbeeren! wir verstopfen die Fensterritzen mit Watte urid Wolle. Der reichlich gewässerte Garten wird allmählich erträglich, während die sonnverbrannten Ziegel des Hauses jetzt drst recht die während des Tages angesammelte Hitze ausstrahlen. Aber da gibt's kein Zurück mehr. Die Weihnachtsfeier kann nicht mehr aufgeschoben werden. Die Kerzen werden angezündet, man einigt sich über einen Weihnachtschoral, in den sowohl Europäer als auch Australier einstimmen können. Geschenke werden verteilt. Im Laufe des Abends kommen mehr und mehr Besucher, die natürlich alle von der Bescherung nichts wissen und nach australischem Brauch frohe Weihnacht wünschen kommen. Einige Kinder gehen von Haus zu Haus und singen Weihnachtslieder. Die werden dann auch zum Weihnachtstisch geladen und mit Zuckerwerk belohnt. Und da zieht dann endlich doch so was wie eine richtige Weihnachtsstimmung ins Haus. Die Kinder überraschen uns mit einem kleinen Weihnachtsstück, das sie in der Schule gelernt haben. Es wird gelacht, gegessen, getrunken, und schließlich gehen wir wieder alle hinaus in den Garten und löschen Lichter, und über uns funkelt’s und glizert’s im dunklen Firmament, wie wenn alle Weihnachtskerzen der ganzen Welt da oben angezündet worden wären. Die sonnverbrannten Berge glänzen jetzt ganz silbern in der Ferne, und vom Meer her kommt endlich eine kühle, würzige Brise, in der die vielgestaltigen Eukalyptuszweige leicht erzittern. Es ist ganz, ganz still bis gegen Mitternacht — dann läuten die Kirchenglocken.

Am hellen strahlenden Weihnachtsmorgen bekommen die australischen Kinder ihre Geschenke. Manchen, besonders den Kleineren, bringt sie in der Nacht „der Weihnachtsmann“ ans Bett, den Großen ist auf der Veranda ein schöner Frühstückstisch bereitet. Die Pakete, die mit der Post gekommen sind, werden erst flach dem Frühstück aufgeschnürt. Viele gehen zum Gottesdienst um 11 Uhr, andere wieder eilen zum Strand, andere — und das ist bei dem bewahrsamen Sinn der Engländer wohl noch immer die Mehrzahl — bereiten das „Christmas- dinneik Das ist in einem Land, wo Haus gehilfinnen unbekannt sind, durchaus keine Kleinigkeit. Wenn man sich dann noch die heiße Küche hinzudenkt, auch die Tatsache, daß alle Lebensmittelgeschäfte während der ganzen Feiertage — besonders wenn ein Samstag oder Sonntag folgt oder vorausgeht — gesperrt sind, daß man also alles, Brot, Fleisch, Butter, Gemüse usw., vier Tage im voraus kaufen muß, kann man sich das Vergnügen der Hausfrau vorstellen!

In unserem ersten Jahr in Australien waren wir bei der Sdiwiegermutter eingeladen. Die Temperatur stieg schon um 10 Uhr morgens über 100 Grad Fahrenheit. Zum Glück hatte die liebe Dame den Keller wohnlich eingerichtet. Es gab Liegestühle und Teppiche in einem kleinen, kühlen Raum, der ein bißchen muffig roch, aber doch nach der glühenden Außentemperatur wie ein herrliches, kühles Bad anmutete. Das traditionelle Weihnachtsessen in England ist Truthahn und Plumpudding. Natürlich ist das für ein kaltes Klima berechnet, aber die ältere Generation hält noch unentwegt an der alten Sitte fest.

Aber ich habe mir vorgenommen! die nächsten Weihnachten wollen wir weder österreichische noch englische, sondern australische Weihnachten feiern! Denkt einmal daran, wie groß die Küstenstrecke ist im Verhältnis zur Bevölkerung! Was für einsame Buchten es da gibt, zwischen steilen Felsklippen, mit herrlichen Dünen und seltsam primitiven Bäumen, die wie riesige Schachtelhalme aus dem Sand hervorwachsen und den Boden mit ihren fingerartigen Nadeln bedecken, dazu der weite, flache Strand, den Tag und Nacht die Wellen belecken, während weiter draußen mit gewaltigem Donner die Brandung sich bricht. Ist es nicht besser, Kinder und Freunde da hinauszuführen, sich ein oder mehrere Zelte zu bauen und dann fern von allen Häusern, fern von allem Feiertagsgetriebe wirkliche Weihnachten zu genießen? Ich habe vom glitzernden Sternenzelt über der Großstadt gesprochen, Jetzt sehe ich dieseh. ben unzähligen, ewig funkelnden Stern-, lein über den spiegelnden Wellen. Und an das ruhelose Wasser reiht sich wie eine gewaltige Schneewächte der mattglänzende Sand, und dahinter schwarz das Vorgebirge, die ausgehöhlte, überall unterwühlte Landmauer, die die Bäume und Pflanzen des australischen Waldes, den man immer bloß „bush nennt, vor der Versandung schützt. Da gibt' so viele einsame Buchten, Flußmündungen, Nistplätze der großen Seevögel, kleine, halbverfallene Landungsstege für Fischerkähne, oft auch Walfischknochen, Muscheln, angeschwemmte Wracke verunglückter Schiffe. Merkwürdig, wie so in der Weihnachtsnacht das fremde Land heimatlich anmutet! Der Wind, der über das weite Meer herweht, ist wohl seit dem Südpol noch auf kein Festland gestoßen. Er ist kühl, frisch, oft toll und mutwillig, dann wieder schmeichelnd und spielend, hie und da treibt er eine Wolke am Mond vorüber und alles lebt, bewegt sich, schwillt und singt. Es ist eine mächtige, große Welt, die alle Länder, alle Völker, alles Lebende und Tote umfaßt und erlöst. Auch die Kinder blicken auf ZU den Sternen und zu den Wolken, und für sie, die jungen Australier, gibt’s nichts Schöneres, nichts Feierlicheres als so eine warme, friedliche, stille Sommernacht am Meer — eine richtige australische Weihnacht!

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