Solidarität, wo ist sie?

1945 1960 1980 2000 2020

Über ein notwendiges Umdenken nach Corona.

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Über ein notwendiges Umdenken nach Corona.

Solidarität, eines der meistgenutzten Schlagwörter der Coronakrise – im Zentrum solidarisches Verhalten gegenüber Nachbarn, Älteren, Risikogruppen, systemrelevanten Berufen, anderen Staaten –, mit dem Ziel, die Pandemie zu überwinden. Doch wurden die Chancen auf eine grundlegende Veränderung hin zu einer gerechteren Gesellschaft bis jetzt nicht genutzt.

Die Bewertung von Arbeit und Bezahlung von systemrelevanten Berufen wurde zum Beispiel nicht generell verändert. Es blieb bei Boni von ein paar Hundert Euro pro Person für Supermarktangestellte ohne Anpassung des Grundgehalts. Pflege- und Krankenpersonal arbeiten genauso weiter wie zuvor. Eine starke politische Forderung zu einer systemischen Veränderung fehlt.

Die Lager für Geflüchtete in Europa existieren unter den gleichen schrecklichen Bedingungen weiter, eine solidarische Verteilung und Aufnahme innerhalb Europas ist gescheitert. In Österreich geborene, integrierte Menschen werden weiterhin abgeschoben und nicht eingebürgert. Eine umfassende Strategie zur Unterstützung der Herkunftsländer fehlt. Ein Armutszeugnis für reiche Länder wie Österreich. Und auch im Bereich Covid-19-Impfstoffe werden die Patentrechte nicht freigegeben, stattdessen horten reiche Länder Impfstoffe, um die eigene Bevölkerung durchzuimpfen. Kurzsichtig, wenn man sich die schnelle Verbreitung von Mutationen ansieht, und äußerst unsolidarisch, wenn man sich mit der Situation in Indien, Nepal, Brasilien und vielen weiteren Ländern beschäftigt.

Ich frage mich daher, wo die Solidarität geblieben ist, und gebe die Hoffnung nicht auf, dass es doch noch zu einem Umdenken kommt. Weil auch für die Folgen der Pandemie wie Arbeitslosigkeit, Armut, Depression ein Zusammenhalten, gemeinsame Ziele und die gegenseitige Unterstützung unabdingbar sein werden.

Die Autorin ist Geschäftsführerin des Start-up-Forums „Impact Hub Vienna“.

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