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Inschallah, der Sultan lebt ewig

Sein Volk hat er im letzten Jahr förmlich zur Stimmabgabe getrieben - die Wahlbeteiligung war dennoch gering. Omans Sultan Qabus bin Said gehört zu jenen Monarchen in der arabischen Golfregion, die "Demokratie von oben" verordnen.

Gott wird einen Nachfolger finden", ist Abdullah überzeugt. Freilich, so einen wie Sultan Qabus hat es nie zuvor gegeben, so einen wie Sultan Qabus wird es nie wieder geben - "am besten wäre es, Sultan Qabus würde ewig leben". Während Abdullah erzählt, manövriert der Fahrer das Auto durch die engen Gassen des Städtchens Bahla im gebirgigen Inneren des Omans.

Ganz Bahla ist auf den Beinen, letzte Einkäufe für das islamische Opferfest sind zu erledigen. Die Stadt ist ein einziger Markt; noch muhen und meckern die zum Kauf angebotenen Kälber und Ziegen - doch gleich neben dem Viehmarkt gibt es Holzspieße zu kaufen, an denen die Braten bald über dem Feuer hängen werden. Ist eine Ziege gekauft, zieht sie der neue Besitzer an einem Hanfstrick hinter sich her. Wie sich das Gespann am Auto vorbeidrängelt, grüßt der Mann - und die Kinder, die hinterher laufen, streichen mit ihren Händen über das goldene Wappen des Sultans an der Wagentür.

17 Ehefrauen gibt es nicht

Seit 1970 regiert Sultan Qabus bin Said den Oman. Die Machtübernahme verlief nicht problemlos: Nachdem er seinen Vater, der das Land isoliert halten wollte, ins Exil geschafft hatte, musste sich Qabus im Dhofar-Krieg noch mit kommunistischen Freischärlern herumschlagen. 1975 konnte er den Aufstand mit internationaler Hilfe niederschlagen. Seither ist er für den ganzen Oman Staatsoberhaupt, Regierungschef, Außenminister, Verteidigungsminister und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person.

Und um diese Person ranken sich viele Geschichten - so viele, wie die Zahl der Omani, mit denen man über den Sultan spricht. Eine Meldung der Austria Presse Agentur, wonach der Sultan 17 Frauen habe, wollte aber kein Omani bestätigen. Und einer, der es wissen muss, stellt klar: "Der Sultan ist geschieden und hat keine Kinder" - die Nachfolge sei aber trotzdem geregelt und gesichert, bemüht sich der, der es wissen muss, jede Unsicherheit in der Thronfolge auszuschließen. Das wäre gar nicht nötig gewesen, die Gottesgewissheit Abdullhas war schon überzeugend genug.

Das Volk zur Wahl getrieben

Weniger die dynastische Politik des Sultans als vielmehr seine demokratiepolitischen Vorgaben haben in der jüngsten Vergangenheit für Schlagzeilen gesorgt: Am 4. Oktober 2003 fanden erstmals allgemeine Wahlen statt; alle Bürgerinnen und Bürger über 21 Jahren konnten ihre Stimmen abgeben. Politische Parteien waren keine zugelassen, sodass in den einzelnen Wahlkreisen zwischen Persönlichkeiten gewählt werden musste (siehe Interview unten).

Obwohl der Sultan die Omaner zur Stimmabgabe getrieben hat, die Wahl als Privileg und Bürgerpflicht zugleich beworben wurde, haben sich nur 262.000 Männer und Frauen registrieren lassen - von über 800.000 Wahlberechtigten. Doch trotz dieser Enttäuschung, das wichtigste konstitutionelle Projekt der Regierung scheint auf den Weg gebracht.

Süßer Halwa, bitterer Kaffee

"Noch sind wir nicht am Ziel", sagt Qadir bin Salim al Dhabab, der Generalsekretär der Madschlis as-Schura, der Beratenden Versammlung. Und wie er Geschichte und Aufgabe der Madschlis erklärt, ist das ähnlich dem traditionellen omanischen Gericht, das der Gast aufgetischt bekommt: Zuerst darf er ein paar Löffel vom zuckersüßen Halwa kosten, dann gibt es bitteren Kaffee. Zuerst spricht der Generalsekretär von den vielen Möglichkeiten seiner Volksvertretung, um sich wenig später selbst zu relativieren, wenn er aufzählt, was noch alles erst im Aufbau ist. "Das Volk ist bereit, die Abgeordneten sind bereit", noch mehr Verantwortung zu übernehmen, beendet Al Dhabab das Gespräch. Und will der Gast jetzt kein Halwa mehr und keinen Kaffee, muss er den Löffel abgeben und die leere Tasse schwenken.

Bahrain, Katar, Kuwait...

Sultan Qabus ist nicht der erste Monarch in der Region, der demokratische Mitbestimmung zugesteht: Bei den ersten Parlamentswahlen seit 1975 bewarben sich im Oktober 2002 in Bahrain 177 Kandidaten, darunter acht Frauen, um die 40 Sitze im neu geschaffenen Repräsentantenhaus. In Katar stimmte die Bevölkerung im April letzten Jahres mit 96,6 Prozent für die Einrichtung eines Parlaments mit 45 Abgeordneten. Bei den Wahlen vom Juli 2003 in Kuwait mussten die Reformer eine Niederlage hinnehmen: Sie gewannen nur mehr drei (statt bisher 16) der 50 Mandate, während die Königstreuen 14 und die Islamisten 21 Sitze erringen konnten.

Die Beispiele zeigen alle keine ausgereiften demokratischen Systeme; Beobachter wollen aber doch eine Aufbruchsstimmung am Golf festmachen. Damit wächst der Druck auf Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate, wo die beratende Versammlung nach wie vor von der Staatsführung ernannt wird.

So neu sind parlamentarische Strukturen im Oman nicht, korrigiert Informationsminister Al Rashdi: "Schura", Beratung, gab es zu jeder Zeit und war für jeden Sultan ein wichtiges Prinzip: Dass jeder und jede zu dieser Beratung zugelassen wird, ist freilich ein bislang unbekanntes Novum.

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