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Wem Studien gebühren

Im europäischen Vergleich ist Österreich ein Land mit besonders wenigen, die ein akademisches Studium abschließen. Studieren gilt hierzulande als Privileg von Leuten, die nicht arbeiten (wollen). Wer studiert, soll dafür "brennen". Im Widerspruch zu dieser Wahrnehmung steht der hohe Anteil berufstätiger Studierender, die arbeiten, um finanziell über die Runden zu kommen. Und länger Studieren - auch aus Gründen, die nicht beeinflusst werden können - erhöht die Studiengebühren beträchtlich.

Die Partei des Ressentiments konnte sich wieder durchsetzen, ist doch das gesellschaftliche Ansehen der Studierenden in Österreich so gering, dass aus der Sicht des sogenannten kleinen Mannes vulgo Staberl die Einführung von Studiengebühren den Studierenden gebührt. Eine Disziplinierungsmaßnahme für all jene, die zuviel demonstrieren und zwenig studieren? Endlich ein Schuss vor den Bug aller Bildungsfreaks, gibt es doch nichts Unnötigeres und Gefährlicheres als Bildung? Während in den USA bei Geburt eines Kindes Ausbildungsversicherungen abgeschlossen werden, um die hohen Studienkosten bewältigen zu können, haben bei uns Bausparverträge Priorität. Wie doch das Fundament des Lebens verschieden interpretiert wird ...

Wären die Studiengebühren Teil einer Bildungsoffensive, in der sozial Schwachen der Zugang zur höheren Bildung vorrangig gesichert wird, könnte über die besten - auch finanziellen - Rahmenbedingungen diskutiert werden. Wäre die Einführung von Studiengebühren Teil einer Qualitätsoffensive für Österreichs hohe Schulen, könnte diese Diskussion qualitätsvoller laufen. Gäbe es eine Konkurrenzsituation um Studierende und hätten die eingenommenen Studiengebühren direkte Auswirkungen auf das Budget der jeweiligen Hochschule, könnte eine Dynamik entstehen, in der berechtigte Interessen der Studierenden endlich berücksichtigt werden.

Aber es geht um Budgetsanierung. Und Studien gebühren nicht mehr allen.

Martin Jäggle ist Professor an der Religionspädagogischen Akademie Wien und Autor von Religionsbüchern. Zusätzlich engagiert er sich in der entwicklungspolitischen Bildungsarbeit.

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