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Feuilleton

Gesichter der Zeit

1945 1960 1980 2000 2020
1945 1960 1980 2000 2020

In Innsbruck wurden die Fotos der allerersten Ausstellung der weltberühmten "Magnum"-Gruppe gefunden - in der Wiener Fotogalerie "Westlicht" sind sie noch bis 18. Mai zu sehen.

Der Keller des Institut Français in Innsbruck barg einen Schatz, den dort niemand vermutete. In zwei unscheinbaren Holzkisten, 50 Jahren ungeöffnet, fand sich nichts weniger als eine fotohistorische Sensation: die allererste Gruppenausstellung der berühmten Fotoagentur Magnum, die nicht in New York, wo die Agentur gegründet wurde, nicht in Köln, wie bislang gedacht, sondern in Österreich stattfand. Die vergessene und nun wieder entdeckte Ausstellung feiert nun in der Fotogalerie Westlicht in Wien ihre zweite Weltpremiere.

Premiere in Österreich

Henri Cartier-Bresson, Robert Capa, Inge Morath, Erich Lessing: Die Namen der in der Ausstellung vertretenen Fotografen lassen das Herz jedes Fotografie-Interessierten höher schlagen. 1955/1956 jedoch, als die Ausstellung unter dem Titel "Gesicht der Zeit" durch Österreich tourte, war die Fotografie, insbesondere die Fotoreportage, gerade erst dabei, als Kunst anerkannt zu werden. "Eine zur, Ausstellung' aufgebauschte Pariser, Drucksachen- Sendung'", rümpfte die Wiener Zeitung damals in einer Rezension die Nase. Ein reiner Zufall ist es wohl nicht, dass die Ausstellung ausgerechnet in Österreich stattfand: schließlich waren mit Morath, Lessing und Ernst Haas gleich drei Landsleute vertreten.

Acht verschiedene Fotografen sind es insgesamt. Die Schwarzweißaufnahmen wurden, wie in den 50er Jahren durchaus üblich, auf bunte Hartfaserplatten montiert. Im Zentrum der Schau standen und stehen die Fotos von Henri Cartier-Bresson über die letzten Lebenstage und die Totenfeier von Mahatma Gandhi. Inge Morath ist mit Aufnahmen aus London vertreten, darunter ihre am meisten publizierte Arbeit, das Porträt einer alten Lady mit Chauffeur.

Von Robert Capa sind Motive eines baskischen Volksfestes zu sehen. Es ist bemerkenswert, dass der als Kriegsreporter Bekannte mit harmlosen folkloristischen Szenen aus jener Region vertreten ist, in der er Jahre zuvor Bilder des Schreckens aufgenommen hatte. Solche Blicke auf ein friedliches Leben auf ehemaligen Kriegsschauplätzen und hinter den Eisernen Vorhang sind ein zweiter Schwerpunkt der Schau. Dazu gehören auch Werner Bischofs Bilder aus Japan, Jean Marquis' Aufnahmen aus Ungarn, Marc Ribouds Fotos aus Dalmatien und Erich Lessings stille und heitere Dokumentation seiner Heimatstadt Wien während der Besatzungszeit.

Aus allen Fotos wird der Humanismus deutlich, dem sich die Magnum-Mitglieder verpflichtet fühlten. Magnum wurde ja nicht nur gegründet, um die Bildrechte der Fotografen zu stärken, sondern auch aus einem gemeinsamen Gefühl der Verantwortung und des Respekts gegenüber den Objekten. Auch Ernst Haas' Bilder von den Dreharbeiten zum Monumentalfilm "Im Land der Pharaonen" in Ägypten sind von diesem Geist getragen: Zum einen werden die Strapazen deutlich, unter denen die 4000 Statisten zu leiden hatten; zum anderen aber faszinieren die Bilder durch ihren formal modernen Blick auf vermeintliche Szenen aus archaischer Vergangenheit.

Magnum's First

Westlicht

Westbahnstr. 40, 1070 Wien

www.westlicht.com

Bis 18. 5. Di, Mi, Fr 14-19, Do 14-21, Sa, So, Feiert. 11-19 h

In Innsbruck wurden die Fotos der allerersten Ausstellung der weltberühmten "Magnum"-Gruppe gefunden - in der Wiener Fotogalerie "Westlicht" sind sie noch bis 18. Mai zu sehen.

Der Keller des Institut Français in Innsbruck barg einen Schatz, den dort niemand vermutete. In zwei unscheinbaren Holzkisten, 50 Jahren ungeöffnet, fand sich nichts weniger als eine fotohistorische Sensation: die allererste Gruppenausstellung der berühmten Fotoagentur Magnum, die nicht in New York, wo die Agentur gegründet wurde, nicht in Köln, wie bislang gedacht, sondern in Österreich stattfand. Die vergessene und nun wieder entdeckte Ausstellung feiert nun in der Fotogalerie Westlicht in Wien ihre zweite Weltpremiere.

Premiere in Österreich

Henri Cartier-Bresson, Robert Capa, Inge Morath, Erich Lessing: Die Namen der in der Ausstellung vertretenen Fotografen lassen das Herz jedes Fotografie-Interessierten höher schlagen. 1955/1956 jedoch, als die Ausstellung unter dem Titel "Gesicht der Zeit" durch Österreich tourte, war die Fotografie, insbesondere die Fotoreportage, gerade erst dabei, als Kunst anerkannt zu werden. "Eine zur, Ausstellung' aufgebauschte Pariser, Drucksachen- Sendung'", rümpfte die Wiener Zeitung damals in einer Rezension die Nase. Ein reiner Zufall ist es wohl nicht, dass die Ausstellung ausgerechnet in Österreich stattfand: schließlich waren mit Morath, Lessing und Ernst Haas gleich drei Landsleute vertreten.

Acht verschiedene Fotografen sind es insgesamt. Die Schwarzweißaufnahmen wurden, wie in den 50er Jahren durchaus üblich, auf bunte Hartfaserplatten montiert. Im Zentrum der Schau standen und stehen die Fotos von Henri Cartier-Bresson über die letzten Lebenstage und die Totenfeier von Mahatma Gandhi. Inge Morath ist mit Aufnahmen aus London vertreten, darunter ihre am meisten publizierte Arbeit, das Porträt einer alten Lady mit Chauffeur.

Von Robert Capa sind Motive eines baskischen Volksfestes zu sehen. Es ist bemerkenswert, dass der als Kriegsreporter Bekannte mit harmlosen folkloristischen Szenen aus jener Region vertreten ist, in der er Jahre zuvor Bilder des Schreckens aufgenommen hatte. Solche Blicke auf ein friedliches Leben auf ehemaligen Kriegsschauplätzen und hinter den Eisernen Vorhang sind ein zweiter Schwerpunkt der Schau. Dazu gehören auch Werner Bischofs Bilder aus Japan, Jean Marquis' Aufnahmen aus Ungarn, Marc Ribouds Fotos aus Dalmatien und Erich Lessings stille und heitere Dokumentation seiner Heimatstadt Wien während der Besatzungszeit.

Aus allen Fotos wird der Humanismus deutlich, dem sich die Magnum-Mitglieder verpflichtet fühlten. Magnum wurde ja nicht nur gegründet, um die Bildrechte der Fotografen zu stärken, sondern auch aus einem gemeinsamen Gefühl der Verantwortung und des Respekts gegenüber den Objekten. Auch Ernst Haas' Bilder von den Dreharbeiten zum Monumentalfilm "Im Land der Pharaonen" in Ägypten sind von diesem Geist getragen: Zum einen werden die Strapazen deutlich, unter denen die 4000 Statisten zu leiden hatten; zum anderen aber faszinieren die Bilder durch ihren formal modernen Blick auf vermeintliche Szenen aus archaischer Vergangenheit.

Magnum's First

Westlicht

Westbahnstr. 40, 1070 Wien

www.westlicht.com

Bis 18. 5. Di, Mi, Fr 14-19, Do 14-21, Sa, So, Feiert. 11-19 h