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Feuilleton

Online-Enzyklopädie Wikipedia: Von Lobbyisten und deren Abwehr

1945 1960 1980 2000 2020
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Bislang scheinen die Selbstreinigungskräfte von Wikipedia zu funktionieren. Versuche der Instrumentalisierung gibt es dennoch zuhauf.

Die Lobbyisten haben Wikipedia entdeckt. Die Online-Enzyklopädie, das meist benutzte Nachschlagewerk im Internet, sieht sich vermehrten Versuchen "starker Interessengruppen“ ausgesetzt, auf die Inhalte Einfluss zu nehmen. Immer häufiger versuchen PR-Agenturen, Unternehmen, Verbände, NGOs, und staatliche Stellen ihre Sicht der Dinge in Wikipedia-Artikeln unterzubringen - offen oder verdeckt. Der Umgang damit war ein großes Thema auf der "WikiCon“, der größten Wikipedia-Konferenz im deutschsprachigen Raum, bei der kürzlich mehr als 200 Teilnehmer aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein in Dornbirn zusammenkamen.

Mit "Selbstdarstellern“ (Wikipedia-Jargon) hatte die Online-Enzyklopädie von Anfang an zu kämpfen. Bis heute versuchen Hobby-Maler, die stolz auf eine Ausstellung in der örtlichen Bankfiliale verweisen, vorgebliche Schriftsteller, die ihr einziges Buch im Selbstzahler-Verlag herausgebracht haben, oder hoffnungsvolle Rockbands, die noch keine einzige CD veröffentlicht haben, Artikel über sich selbst in Wikipedia zu stellen. Solche Artikel werden mangels Relevanz schnell gelöscht. Schwieriger ist da schon der Umgang mit auf Publicity bedachten Wissenschaftlern, die - meist unerkannt - ihre Publikationen in den Literaturlisten unterbringen oder zumindest in die Fußnoten eines Artikels hineinschummeln.

Wenn aber Unternehmen, Verbände und NGOs ihre Standpunkt, ihren "Point of view“, in den sie betreffenden Artikeln durchsetzen wollen, reagieren viele Wikipedianer gereizt; die Abkürzung "POV“ ist geradezu ein Schimpfwort in den Diskussionen zwischen den Nutzern. Inputs von Interessensgruppen werden besonders kritisch beäugt und oft vielfachen Änderungen unterzogen.

Ein harmloses Beispiel: Die Pressestelle der Ärztekammer für Oberösterreich hat sich bei Wikipedia ein offizielles Benutzerkonto eingerichtet und stellte im Juli dieses Jahres einen umfangreichen Artikel namens "Ärztekammer für Oberösterreich“ online.

Wie "Selbstdarsteller“ agieren

Daraufhin beantragte ein Nutzer, den Artikel mangels Relevanz zu löschen. Nach langer Diskussion wurde der Artikel tatsächlich entfernt, aber sein - sachlich einwandfreier - Inhalt in den Artikel der aus Wikipedia-Sicht relevanten übergeordneten Organisation, nämlich der Österreichischen Ärztekammer, verschoben.

Andere "Selbstdarsteller“ agieren nicht so transparent. Im Februar dieses Jahres wurde aus dem Wikipedia-Eintrag über die Daimler AG ein ganzer Abschnitt über die Einflussnahme des Konzerns auf politische Entscheidungen gelöscht. Wie Spiegel Online berichtete, gehörte die IP-Adresse des anonymen Nutzers, der auf den Löschknopf gedrückt hatte, zum Netzwerk des Unternehmens. Die Internet-Gemeinde war empört. Ein Daimler-Sprecher erklärte, dass der Abschnitt nicht im Auftrag der Konzernführung getilgt worden sei, sondern es sich wohl um eine "private Änderung“ seitens eines Mitarbeiters gehandelt habe. Der betreffende Abschnitt ist längst wieder online. Bislang scheinen die Selbstreinigungskräfte der Wikipedia also zu funktionieren.

Bislang scheinen die Selbstreinigungskräfte von Wikipedia zu funktionieren. Versuche der Instrumentalisierung gibt es dennoch zuhauf.

Die Lobbyisten haben Wikipedia entdeckt. Die Online-Enzyklopädie, das meist benutzte Nachschlagewerk im Internet, sieht sich vermehrten Versuchen "starker Interessengruppen“ ausgesetzt, auf die Inhalte Einfluss zu nehmen. Immer häufiger versuchen PR-Agenturen, Unternehmen, Verbände, NGOs, und staatliche Stellen ihre Sicht der Dinge in Wikipedia-Artikeln unterzubringen - offen oder verdeckt. Der Umgang damit war ein großes Thema auf der "WikiCon“, der größten Wikipedia-Konferenz im deutschsprachigen Raum, bei der kürzlich mehr als 200 Teilnehmer aus Österreich, Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein in Dornbirn zusammenkamen.

Mit "Selbstdarstellern“ (Wikipedia-Jargon) hatte die Online-Enzyklopädie von Anfang an zu kämpfen. Bis heute versuchen Hobby-Maler, die stolz auf eine Ausstellung in der örtlichen Bankfiliale verweisen, vorgebliche Schriftsteller, die ihr einziges Buch im Selbstzahler-Verlag herausgebracht haben, oder hoffnungsvolle Rockbands, die noch keine einzige CD veröffentlicht haben, Artikel über sich selbst in Wikipedia zu stellen. Solche Artikel werden mangels Relevanz schnell gelöscht. Schwieriger ist da schon der Umgang mit auf Publicity bedachten Wissenschaftlern, die - meist unerkannt - ihre Publikationen in den Literaturlisten unterbringen oder zumindest in die Fußnoten eines Artikels hineinschummeln.

Wenn aber Unternehmen, Verbände und NGOs ihre Standpunkt, ihren "Point of view“, in den sie betreffenden Artikeln durchsetzen wollen, reagieren viele Wikipedianer gereizt; die Abkürzung "POV“ ist geradezu ein Schimpfwort in den Diskussionen zwischen den Nutzern. Inputs von Interessensgruppen werden besonders kritisch beäugt und oft vielfachen Änderungen unterzogen.

Ein harmloses Beispiel: Die Pressestelle der Ärztekammer für Oberösterreich hat sich bei Wikipedia ein offizielles Benutzerkonto eingerichtet und stellte im Juli dieses Jahres einen umfangreichen Artikel namens "Ärztekammer für Oberösterreich“ online.

Wie "Selbstdarsteller“ agieren

Daraufhin beantragte ein Nutzer, den Artikel mangels Relevanz zu löschen. Nach langer Diskussion wurde der Artikel tatsächlich entfernt, aber sein - sachlich einwandfreier - Inhalt in den Artikel der aus Wikipedia-Sicht relevanten übergeordneten Organisation, nämlich der Österreichischen Ärztekammer, verschoben.

Andere "Selbstdarsteller“ agieren nicht so transparent. Im Februar dieses Jahres wurde aus dem Wikipedia-Eintrag über die Daimler AG ein ganzer Abschnitt über die Einflussnahme des Konzerns auf politische Entscheidungen gelöscht. Wie Spiegel Online berichtete, gehörte die IP-Adresse des anonymen Nutzers, der auf den Löschknopf gedrückt hatte, zum Netzwerk des Unternehmens. Die Internet-Gemeinde war empört. Ein Daimler-Sprecher erklärte, dass der Abschnitt nicht im Auftrag der Konzernführung getilgt worden sei, sondern es sich wohl um eine "private Änderung“ seitens eines Mitarbeiters gehandelt habe. Der betreffende Abschnitt ist längst wieder online. Bislang scheinen die Selbstreinigungskräfte der Wikipedia also zu funktionieren.