Meinung

Schrillende Alarmglocken

1945 1960 1980 2000 2020
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Päpstliche Nuntien und ihre Arbeit pflegen im Allgemeinen nicht das zu sein, was der Medienmacher „sexy“ nennt. Gemeint ist, dass die Verbindungsmänner des Papstes selten für schlagzeilenträchtige Auseinandersetzungen gut sind. Dass der Hausherr in der Wiener Theresianumgasse hierzulande als Doyen des Diplomatischen Corps firmiert, mag ein protokollarischer Ehrenrang sein, der aber keine medienaktuelle Relevanz hat. Anders ist es in der kirchenpolitischen Funktion, die Erzbischof Pedro López Quintana gleichfalls zukommt: Der neue Nuntius muss sich in die Bischofsfindung von Kärnten einschalten, auch in die dortige Konfliktaufarbeitung rund um den früheren Bischof Alois Schwarz, der bekanntlich seit einem Jahr in St. Pölten amtiert. Hier ist es nicht egal, was López von Österreich und seiner katholischen Kirche hält. Seine erste Ansage, er wolle nicht Kontrollor der Bischöfe sein, klang diesbezüglich durchaus sympathisch.

Zeichen der Zeit ignoriert

In der Presse am Sonntag ist das erste große Interview mit Erzbischof López nachzulesen, das den Eindruck hinterlässt: Dieser Nuntius ist einmal mehr ein Vertreter unseligen alten Kirchenstils. In Österreich gebe es keine Krise der Struktur, sondern eine Krise des Glaubens, liest man da, und die Frage des Priestermangels hierzulande sei nicht so dramatisch, denn anderswo gebe es noch viel weniger Priester. Solches hört man seit Jahr und Tag von denen, die die Kirchenzeichen der Zeit ignorieren. Auch wie López die Diskussion um den Zölibat rund um die Amazoniensynode abtut – er spricht von „begrenztem Priestertum“, das da vielleicht kommen könnte, aber sicher nicht für Österreich (man sollte derartige Rede theologisch durchdenken!) –, ist entlarvend. Völlig irritiert ist man aber über des Nuntius Aussagen zu Kärnten und Bischof Schwarz: Letzterer sei ja nach St. Pölten „befördert“ worden, denn diese Diözese wäre „bedeutender“ (?!) als Klagenfurt. Und in seiner früheren Wirkungsstätte habe sich Schwarz „offenbar“ nichts zuschulden kommen lassen. In Bezug auf die Vorhaltungen des Klagenfurter Domkapitels über den extrem großen Einfluss einer Frau auf die Amtsführung von Schwarz meint Erzbischof López: „Das ist witzig. Oft wird die Rolle der Frau in der Kirche beklagt, aber wenn sie einmal Macht hat, wird das kritisiert. Ich denke, in der Beziehung zwischen dem Bischof und der Frau war nichts Unmoralisches. Rom befasst sich nicht mit Gerüchten …“ Beim gelernten Katholiken können ob solcher Exkulpierungen noch vor der Bekanntgabe des Ergebnisses der Apostolischen Visitation in Kärnten nur alle Alarmglocken schrillen.

Päpstliche Nuntien und ihre Arbeit pflegen im Allgemeinen nicht das zu sein, was der Medienmacher „sexy“ nennt. Gemeint ist, dass die Verbindungsmänner des Papstes selten für schlagzeilenträchtige Auseinandersetzungen gut sind. Dass der Hausherr in der Wiener Theresianumgasse hierzulande als Doyen des Diplomatischen Corps firmiert, mag ein protokollarischer Ehrenrang sein, der aber keine medienaktuelle Relevanz hat. Anders ist es in der kirchenpolitischen Funktion, die Erzbischof Pedro López Quintana gleichfalls zukommt: Der neue Nuntius muss sich in die Bischofsfindung von Kärnten einschalten, auch in die dortige Konfliktaufarbeitung rund um den früheren Bischof Alois Schwarz, der bekanntlich seit einem Jahr in St. Pölten amtiert. Hier ist es nicht egal, was López von Österreich und seiner katholischen Kirche hält. Seine erste Ansage, er wolle nicht Kontrollor der Bischöfe sein, klang diesbezüglich durchaus sympathisch.

Zeichen der Zeit ignoriert

In der Presse am Sonntag ist das erste große Interview mit Erzbischof López nachzulesen, das den Eindruck hinterlässt: Dieser Nuntius ist einmal mehr ein Vertreter unseligen alten Kirchenstils. In Österreich gebe es keine Krise der Struktur, sondern eine Krise des Glaubens, liest man da, und die Frage des Priestermangels hierzulande sei nicht so dramatisch, denn anderswo gebe es noch viel weniger Priester. Solches hört man seit Jahr und Tag von denen, die die Kirchenzeichen der Zeit ignorieren. Auch wie López die Diskussion um den Zölibat rund um die Amazoniensynode abtut – er spricht von „begrenztem Priestertum“, das da vielleicht kommen könnte, aber sicher nicht für Österreich (man sollte derartige Rede theologisch durchdenken!) –, ist entlarvend. Völlig irritiert ist man aber über des Nuntius Aussagen zu Kärnten und Bischof Schwarz: Letzterer sei ja nach St. Pölten „befördert“ worden, denn diese Diözese wäre „bedeutender“ (?!) als Klagenfurt. Und in seiner früheren Wirkungsstätte habe sich Schwarz „offenbar“ nichts zuschulden kommen lassen. In Bezug auf die Vorhaltungen des Klagenfurter Domkapitels über den extrem großen Einfluss einer Frau auf die Amtsführung von Schwarz meint Erzbischof López: „Das ist witzig. Oft wird die Rolle der Frau in der Kirche beklagt, aber wenn sie einmal Macht hat, wird das kritisiert. Ich denke, in der Beziehung zwischen dem Bischof und der Frau war nichts Unmoralisches. Rom befasst sich nicht mit Gerüchten …“ Beim gelernten Katholiken können ob solcher Exkulpierungen noch vor der Bekanntgabe des Ergebnisses der Apostolischen Visitation in Kärnten nur alle Alarmglocken schrillen.