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Hohe Bildung, keine Kinder: Studie widerlegt Vorurteile

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Die Sache wurde kompliziert angelegt, brachte dafür eindeutige Ergebnisse: Höhere Bildung für Frauen führt nicht zwangsläufig zu niedrigerer Fertilität.

Niedrigere Geburtenraten durch höhere Bildung der Frauen. Untersuchungen haben bisher diesen Schluss bestärkt. Nun haben Ökonomen aus Bologna und Linz neue Erkenntnisse vorgelegt. Die Untersuchung "More Schooling, More Children: Compulsory Schooling Reforms and Fertility in Europe“ stammt von Margherita Fort, Department of Economics der Universität Bologna, sowie Nicole Schneeweis und Ökonomieprofessor Rudolf Winter-Ebmer vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Johannes Kepler Universität Linz. Zwar bekommen hochgebildete Frauen tatsächlich weniger Kinder, aber: "Ob die Schulbildung der Grund dafür ist, muss bezweifelt werden“, sagt Winter-Ebmer. "Ebenso wäre es möglich, dass frühe Schulabgängerinnen generell größere Familien bevorzugen oder dass die Geburt eines Kindes die weitere schulische Karriere einer jungen Mutter negativ beeinflusst“, meint er zur "Henne oder Ei“-Problematik.

Den Zusammenhang zwischen Schulbildung und Fertilität ist relevant, weil mehr an Bildung vielfältige Effekte auf unser Leben hat: tendenziell höheres Einkommen, bessere Gesundheit, längere Lebenserwartung, mehr Beteiligung am öffentlichen Leben, geringere Kriminalitätsanfälligkeit. Auch, dass in Europa mehr an Bildung zu geringerer Fertilität führe, gehört bisher zu diesen Folgerungen. "Wir meinen: Aufpassen, das muss nicht unbedingt so sein“, so Winter-Ebmer im Gespräch mit der FURCHE.

Die drei Ökonomen haben die Daten von mehr als 6000 Frauen aus acht europäischen Ländern untersucht und dabei Änderungen der Schulpflicht ausgewertet, die sich zwischen 1942 und 1967 ereignet haben. Ausgangspunkt für die Frage "Wie viele Kinder haben Frauen?“ waren Frauen, deren Familienplanung abgeschlossen ist. Daher wurden weit zurückliegende Daten verwendet. Um die Auswirkung längerer Schulpflicht zu beobachten, waren Zeitspannen erforderlich, innerhalb derer es zu Schulreformen kam. Das passende Sample lieferte die "Survey of Health, Aging and Retirement in Europe“ - und die Forscher kamen zu einem überraschenden Ergebnis.

Entgegen der vorherrschenden Meinung haben Frauen mit höherer Schulbildung sogar mehr Kinder geboren als jene mit niedriger. Und das ziemlich deutlich. "Die Resultate der Studie sind sehr eindeutig. Wenn man die verpflichtende zusätzliche Schulbildung betrachtet, also jene Frauen, die ihre Schulbildung aufgrund der Verlängerung der gesetzlichen Schulpflicht ausweiten mussten, dann bewirkt eine Verlängerung der Ausbildung nicht weniger, sondern mehr Kinder“, so Winter-Ebmer. Ein zusätzliches Jahr an Schulbildung reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass die Frau kinderlos bleibt, um etwa zehn Prozent. Jede fünfte Frau bekommt aufgrund der höheren Schulbildung ein zusätzliches Kind.

Bildung steigert alle Chancen

Das ist eine Bestätigung für eine offensive Schulpolitik. Die Ergebnisse sollen aber auch vor falschen Schlüssen abhalten: "Eine Verlängerung der Schulpflicht sollte generell nur Frauen mit geringer Neigung zum Schulbesuch beeinflussen. Für diese Frauen bedeutet die höhere Bildung eine Chance auf höheres Einkommen, wodurch sie sich mehr Kinder leisten können. Gegenläufige Effekte - weniger Fertilität durch stärkere Erwerbsbeteiligung - sind offenbar nicht so stark ausgeprägt“, fanden die Forscher.

Die Studie zeigt weiters, dass zusätzliche Schulbildung auch zu einem besser ausgebildeten Partner, zu einer höheren Heiratswahrscheinlichkeit und zu einer niedrigeren Scheidungs- und Trennungsrate führt.

"Man könnte sagen, dass ein Teil des Resultates durch den Einkommenseffekt auf dem Arbeitsmarkt und ein weiterer Teil durch den ‚Heiratsmarkt‘ zustande kommt“, so die Forscher. Die gelegentlich behauptete negative Korrelation - höhere Bildung führe zu einer niedrigeren Anzahl an Kindern - "kann man jedenfalls zu einem Teil entkräften und infrage stellen“, lautet die Botschaft dieser Studie.

Die Sache wurde kompliziert angelegt, brachte dafür eindeutige Ergebnisse: Höhere Bildung für Frauen führt nicht zwangsläufig zu niedrigerer Fertilität.

Niedrigere Geburtenraten durch höhere Bildung der Frauen. Untersuchungen haben bisher diesen Schluss bestärkt. Nun haben Ökonomen aus Bologna und Linz neue Erkenntnisse vorgelegt. Die Untersuchung "More Schooling, More Children: Compulsory Schooling Reforms and Fertility in Europe“ stammt von Margherita Fort, Department of Economics der Universität Bologna, sowie Nicole Schneeweis und Ökonomieprofessor Rudolf Winter-Ebmer vom Institut für Volkswirtschaftslehre der Johannes Kepler Universität Linz. Zwar bekommen hochgebildete Frauen tatsächlich weniger Kinder, aber: "Ob die Schulbildung der Grund dafür ist, muss bezweifelt werden“, sagt Winter-Ebmer. "Ebenso wäre es möglich, dass frühe Schulabgängerinnen generell größere Familien bevorzugen oder dass die Geburt eines Kindes die weitere schulische Karriere einer jungen Mutter negativ beeinflusst“, meint er zur "Henne oder Ei“-Problematik.

Den Zusammenhang zwischen Schulbildung und Fertilität ist relevant, weil mehr an Bildung vielfältige Effekte auf unser Leben hat: tendenziell höheres Einkommen, bessere Gesundheit, längere Lebenserwartung, mehr Beteiligung am öffentlichen Leben, geringere Kriminalitätsanfälligkeit. Auch, dass in Europa mehr an Bildung zu geringerer Fertilität führe, gehört bisher zu diesen Folgerungen. "Wir meinen: Aufpassen, das muss nicht unbedingt so sein“, so Winter-Ebmer im Gespräch mit der FURCHE.

Die drei Ökonomen haben die Daten von mehr als 6000 Frauen aus acht europäischen Ländern untersucht und dabei Änderungen der Schulpflicht ausgewertet, die sich zwischen 1942 und 1967 ereignet haben. Ausgangspunkt für die Frage "Wie viele Kinder haben Frauen?“ waren Frauen, deren Familienplanung abgeschlossen ist. Daher wurden weit zurückliegende Daten verwendet. Um die Auswirkung längerer Schulpflicht zu beobachten, waren Zeitspannen erforderlich, innerhalb derer es zu Schulreformen kam. Das passende Sample lieferte die "Survey of Health, Aging and Retirement in Europe“ - und die Forscher kamen zu einem überraschenden Ergebnis.

Entgegen der vorherrschenden Meinung haben Frauen mit höherer Schulbildung sogar mehr Kinder geboren als jene mit niedriger. Und das ziemlich deutlich. "Die Resultate der Studie sind sehr eindeutig. Wenn man die verpflichtende zusätzliche Schulbildung betrachtet, also jene Frauen, die ihre Schulbildung aufgrund der Verlängerung der gesetzlichen Schulpflicht ausweiten mussten, dann bewirkt eine Verlängerung der Ausbildung nicht weniger, sondern mehr Kinder“, so Winter-Ebmer. Ein zusätzliches Jahr an Schulbildung reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass die Frau kinderlos bleibt, um etwa zehn Prozent. Jede fünfte Frau bekommt aufgrund der höheren Schulbildung ein zusätzliches Kind.

Bildung steigert alle Chancen

Das ist eine Bestätigung für eine offensive Schulpolitik. Die Ergebnisse sollen aber auch vor falschen Schlüssen abhalten: "Eine Verlängerung der Schulpflicht sollte generell nur Frauen mit geringer Neigung zum Schulbesuch beeinflussen. Für diese Frauen bedeutet die höhere Bildung eine Chance auf höheres Einkommen, wodurch sie sich mehr Kinder leisten können. Gegenläufige Effekte - weniger Fertilität durch stärkere Erwerbsbeteiligung - sind offenbar nicht so stark ausgeprägt“, fanden die Forscher.

Die Studie zeigt weiters, dass zusätzliche Schulbildung auch zu einem besser ausgebildeten Partner, zu einer höheren Heiratswahrscheinlichkeit und zu einer niedrigeren Scheidungs- und Trennungsrate führt.

"Man könnte sagen, dass ein Teil des Resultates durch den Einkommenseffekt auf dem Arbeitsmarkt und ein weiterer Teil durch den ‚Heiratsmarkt‘ zustande kommt“, so die Forscher. Die gelegentlich behauptete negative Korrelation - höhere Bildung führe zu einer niedrigeren Anzahl an Kindern - "kann man jedenfalls zu einem Teil entkräften und infrage stellen“, lautet die Botschaft dieser Studie.