Der Mehrwert von Qualität

S o weit ist es gekommen: Ausgerechnet Österreichs Zeitungsverleger haben den Marx’schen Begriff des Mehrwerts wiederentdeckt und "besetzt“, indem sie ihm neuen Sinn einhauchten. Letzte Woche präsentierten sie im Palais Epstein in Wien ihren "Public Value“-Bericht, mit dem sie die breitere Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen möchten, welchen wichtigen Beitrag Printmedien zur Medienvielfalt leisten und dass der ORF als öffentlich-rechtlicher Sender kein Monopol auf Qualitätsjournalismus hat. Vor allem geht es den Verlegern aber wohl mit ihrem Bericht darum, die Politik dafür zu sensibilisieren, wie die Presseförderung neu geordnet werden sollte. Ein Ärgernis ist dabei weiterhin, dass staatliche und andere öffentliche Einrichtungen, die letztlich mit Steuergeldern finanziert werden, bei ihren Werbekampagnen oftmals Medien begünstigen, die nicht eben dem Qualitätsjournalismus aufhelfen. Die Summen, um die es dabei geht, machen ein Vielfaches der bisherigen "offiziellen“, gesetzlich geregelten Presseförderung aus.

Aber auch Kolosse wie Google und Facebook sind den Verlagen ein Dorn im Auge. Sie machen nicht nur gute Geschäfte mit ihren Links zu Inhalten, die Print-Redaktionen finanziert haben, sondern sie setzen inzwischen auch auf dem Werbemarkt den traditionellen Medienanbietern heftig zu - und verschieben darüber hinaus ihre Gewinne in Länder, wo sie so gut wie keine Steuern zahlen. Es gibt viel zu tun für die Medienpolitik, nicht nur in Österreich. Immerhin ist der "Public Value“-Bericht ein beeindruckendes Dokument der Zusammenarbeit von Medienbranche und -forschung. Im Nachbarland reagierten dagegen die beiden größten Verlage Tamedia und Ringier auf den von 60 Medienforschern vorgelegten "Jahresbericht Qualität der Medien Schweiz“ mit eisigem Schweigen.

Der Autor war Keynote-Speaker bei der Medien-Enquete des VÖZ im Parlament, wo der "Public Value“-Bericht präsentiert wurde

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