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Ringen um die Legitimation

Beim Rundfunk wird die Diskussion über die Rechtfertigung von Gebühren immer lauter - hierbei ist Public Value gefragt. Der Wert eines Privatunternehmens ist klar durch Geld definierbar. Welche Werte allerdings staatsnahe Dienstleister oder der Staat selbst für die Bürger schaffen, ist weniger einfach messbar. Hierbei macht Public Value Management die Runde, das den öffentlichen Wert einer erbrachten Dienstleistung feststellen soll - sei diese Sicherheit, öffentlich-rechtlicher Rundfunk oder die Verwaltung. Redaktion: O. Friedrich, T. Meickl

In Zeiten des drückend hohen Ölpreises und generell steigender Preise werden die Gebühren und Steuern, die der Staat bzw. staatsnahe Dienstleister einheben von den Bürgern immer mehr hinterfragt. Dahingehend nämlich, was denn die eigentliche Gegenleistung für die Steuer- und Gebührenzahler darstellt. Diese Diskussion wurde im angloamerikanischen Raum schon in den 1990er Jahren geführt und Mark H. Moore, ein Harvard-Professor, beschrieb als erster in seinem Buch "Creating Public Value Strategic Management in Government" den Begriff Public Value. Jenen Mehrwert, den eine Behörde bzw. ein öffentlicher Dienstleister für die Bürger schafft.

Fernsehen vs. Online

Im Rundfunkwesen drückt sich dieser Mehrwert vor allem im öffentlich-rechtlichen Auftrag und den sich daraus ergebenden Produkten aus. Diesen Auftrag genau zu formulieren und einzuhalten fordert einmal mehr EU-Medienkommissarin Viviane Reding. Der aktuelle Streit dreht sich um die Online-Dienste der Rundfunkanstalten. Anders als beim Fernsehen, so Reding zur Neuen Osnabrücker Zeitung, wo das duale System zwischen staatlichen und privaten Sendeanstalten Teil des "europäischen Gesellschaftsmodells" sei, sei der Onlinemarkt zersplitterter und könne eher mit dem Zeitungsmarkt verglichen werden. Die Kommissarin ist daher der Meinung: "Öffentlich finanzierte Angebote sind im Online-Bereich sehr viel schwerer zu rechtfertigen als im Rundfunk."

Eine Möglichkeit der Rechtfertigung bzw. ein Management-Ansatz, der die Legitimation von Gebühren erleichtern soll, ist das eingangs erwähnte Public Value Management. Als erste sprang 2004 die Rundfunkanstalt BBC (Seite 22) auf diesen Zug auf. In einem Manifest beschrieb sie den Imperativ für die eigene Zukunft: "Building up public value" - gesellschaftlichen Mehrwert schaffen. Spätestens damit begann der Begriff "Public Value" die Runde zu machen. Auch der ORF (Seite 23) hat hierzulande erkannt, dass die Einführung von Public Value Management eine Möglichkeit darstellen könnte, sein Dasein, dessen Basisfinanzierung die Rundfunkgebühren sind, zu rechtfertigen.

Auch die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland gerieten immer mehr unter Zugzwang und begannen ihre Leistungen und deren Wert für die Gesellschaft hervorzuheben. Der ZDF bietet den "Wert des ZDF" als Broschüre an. Der Sender beschreibt sich auf der eigenen Homepage als "verlässlichen Leuchtturm in dem zunehmend zersplitterten Angebot an Programmen".

Auch im Beratungssektor wurde der Public-Value-Ansatz aufgegriffen. Um die Effizienz und Notwendigkeit von öffentlichen Unternehmen für die Gesellschaft ermitteln zu können, entwickelte der Management-Dienstleister Accenture das "Public-Service-Value"-Modell (Seite 24). Damit definiert Accenture den Wert, der von einer Organisation ausgeht, und steigert ihn gegebenenfalls. Im Gegensatz zum Shareholder-Value, dem Wert eines privaten Unternehmens für seine Teilhaber, beschreibt "Public Service Value" den gesellschaftlichen Wert eines Unternehmens, das einem öffentlichen Auftrag verpflichtet ist.

Service gewährleisten

Auf Krankenhäuser trifft dieser öffentliche Auftrag zu: Flächendeckend müssen sie medizinisches Service gewährleisten. Die Unternehmensberatung Accenture nahm deshalb die deutschen Kliniken unter die Lupe und unterzog sie einer Analyse. Darin wurden Gemeinnutzen und Wirkungsgrad der medizinischen Dienstleistung ermittelt.

Als Strategie, um die Qualität der eigenen Produkte zu garantieren, orientieren sich nun auch privatwirtschaftliche Unternehmen, also solche, die eigentlich den Nutzen für die Mitinhaber - die Shareholder - suchen sollten, an der gesamtgesellschaftlichen Sichtweise. Das Pharmaunternehmen Bayer will die geforderte Qualität mittels eines so genannten Öko-Checks erlangen. Der Test prüft die Produkte des Pharmakonzerns auf ihre Qualität und dahingehend, ob sie möglichst vielen Menschen nutzen und deren Lebensqualität verbessern. Der Public-Value-Ansatz wird so in die Pharmaindustrie integriert und verwischt damit die Grenze zum in der Privatwirtschaft immer öfter eingesetzten Konzept von Corporate Social Responsibility - kurz CSR.

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