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Ein Fest für ein Fest

Mit einer Großausstellung feiert Prag das 500-Jahr-Jubiläum von Dürers "Rosenkranzfest".

Dürers "Rosenkranzfest" bedeutet den Pragern noch mehr als die "Mona Lisa" den Parisern; denn nicht nur ist es das bedeutendste, bekannteste und teuerste Gemälde, das in der tschechischen Hauptstadt zu bewundern ist, sondern auch ein Spiegelbild der nationalen Geschichte mit Glanzzeit, Niedergang und Wiedergeburt. Genau hundert Jahre nach seiner Entstehung im Jahr 1506 ließ Rudolf II. das von Anfang an in ganz Europa hoch geschätzte Gemälde in Venedig ankaufen und von vier Männern auf Stangen nach Prag tragen.

Als die Habsburger nach Rudolfs Tod ihre Residenz wieder nach Wien verlagerten, nahmen sie ihre Gemäldesammlung großteils mit sich - ein Trauma, das in Prag bis auf den heutigen Tag nicht verwunden ist. Es mögen gerade die im Lauf der Jahre eingetretenen Beschädigungen gewesen sein, die den Verbleib des "Rosenkranzfestes" in Böhmen bewirkt haben. Als das Bild 1782 in den josefinischen Versteigerungen gar auf den freien Markt gelangte, wurde es vom Prämonstratenserstift Strahov erworben.

Abt Hieronymus Josef Zeidler machte das Gemälde 1836 der Öffentlichkeit zugänglich, ließ es aber auch restaurieren. Die schon nach dem Urteil der Zeitgenossen unglückliche Überarbeitung bildet den spannendsten Teil der Ausstellung in der Prager Waldstein-Reitschule. Immerhin konnte durch Infrarotuntersuchung nachgewiesen werden, dass nicht, wie in der Literatur behauptet, die Hälfte oder gar zwei Drittel der Fläche übermalt wurden, sondern nur etwa ein Fünftel, wenngleich in der Bildmitte. Und wiewohl Kuratorin Olga Kotková nicht davor zurückschreckt, den Restaurator eines "provinziellen Nazarenismus" zu zeihen, rehabilitiert sie Johann Gruss insofern, als dieser, ein enger Freund des Dürer-Kenners Josef von Führich, nicht so unbedarft war wie vielfach angenommen.

1934 wurde das Bild von der Tschechoslowakischen Republik für die Gesellschaft der patriotischen Kunstfreunde, die Vorläuferin der heutigen Nationalgalerie, erworben, um fast zehn Million Kronen, was seinen Stellenwert für den jungen Staat bezeugt.

Die groß angelegte Jubiläumsschau, die auch die ikonografische Seite gebührend beleuchtet, belegt, dass die Begeisterung für das epochale Werk am Übergang von der Gotik zur Renaissance nicht erlahmt ist. Ein Wermutstropfen ist zwar die Beschilderung nur in tschechischer und englischer Sprache, hat Dürer das Werk doch für die Fondaca dei Tedeschi, die deutsche Kaufmannschaft in Venedig, geschaffen und sich auf der Schriftrolle, die er auf seinem Selbstbildnis im "Rosenkranzfest" in Händen hält, ausdrücklich als "Germanus" verewigt. Doch davon abgesehen wird den Betrachtern ein Kunstwerk so liebevoll und einprägsam näher gebracht wie selten eines - bis hin zur Rarität, dass der Aufseher den Rezensenten einlädt, doch näher an das Bild heranzutreten ...

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