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"Rowdy-Image zu Unrecht“

Was am Konflikt zwischen Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern dran ist und was die Fahrradpolizei dabei tun kann, berichtet der Wiener Verkehrsreferatsleiter Wolfgang Lang.

Fahrradpolizisten sind nicht nur Verkehrspolizisten, sondern nutzen das Rad für sämtliche innerstädtische Einsätze als Dienstfahrzeug. Seit 2008 sind einige wenige in Wien, Graz, Linz und Innsbruck unterwegs, und sie sollen mehr werden.

Die Furche: Bei welchen Gelegenheiten kommen die Fahrradpolizisten zum Einsatz?

Wolfgang Lang: Wenn das Zufahren mit mehrspurigen Fahrzeugen unmöglich ist. So können wir in Parks, Fußgängerzonen oder in engen Gassen Präsenz zeigen. Fahrradpolizisten sind schnell, leise und umweltfreundlich unterwegs. Sie nehmen Dinge wahr, die ein Streifenpolizist nicht sehen kann. Auch am Donaukanal radeln wir gerne, weil wir wissen, dass es hier öfter zu Regelverletzungen durch Autofahrer kommt. Bei Demonstrationen sind wir gerne gesehen.

Die Furche: Haben Fahrradpolizisten einen besseren Draht zu Fahrradfahrern?

Lang: Fahrradpolizisten können die Anliegen der Radfahrer nachvollziehen. Unser Ansatz lautet Aufklärung. Wir wollen die Radfahrer nicht gleich strafen, sondern informieren. Wenn bei einer Kontrolle untertags das Licht nicht funktioniert, weisen wir nur darauf hin. Meist halten wir Radfahrer nur bei einem Fehlverhalten auf. Die Radfahrpolizisten werden sehr gut angenommen, es sollte künftig mehr von ihnen geben.

Die Furche: Sind Radfahrer tatsächlich solche Rowdys wie oft behauptet?

Lang: Die Delikte der Radfahrer sind sichtbarer als jene der Autofahrer, etwa wenn ein Radfahrer am Gehsteig fährt oder mit dem Handy telefoniert. Bei vorbeifahrenden Autos erkennt man nicht genau, ob der Lenker telefoniert, ob das Auto mit 50 oder mit 65 km/h fährt. Dabei verursachen diese Delikte viele Unfälle mit schweren Verletzungen oder Todesfolgen.

Die Furche: Welche Übertretungen der Radfahrer verursachen die meisten Probleme?

Lang: Weil der Radverkehr zunimmt, sind die Verstöße der Radfahrer ein wachsendes Problem: Überfahren von Rotlicht oder Verbotszonen, Vorrang-Verletzungen und fahren ohne Licht kommen am öftesten vor. Viele Unfälle passieren dort, wo sich Radwege und Straßen kreuzen. Wenn die Autofahrer von links kommen, übersehen sie leicht die Radfahrer, vor allem wenn eine Parkspur oder ein Grünstreifen dazwischen liegt.

Die Furche: Weshalb ist der Konflikt zwischen Radfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern derzeit in aller Munde?

Lang: Das Image-Problem der Radfahrer wird medial aufgebauscht. Nur wenige sind Rowdys, doch sie schädigen den Ruf aller. Ein schlechtes Verhältnis unter den Verkehrsteilnehmern ist die Folge. Durch den Ausbau des Radwegnetzes sind immer mehr Leute am Rad unterwegs. Das führt zu zunehmenden Konflikten. Die meisten Radfahrer halten sich schon deshalb an die Regeln, weil sie um ihre Verletzlichkeit wissen.

Die Furche: Wo trifft man auf die Fahrradpolizei?

Lang: In der Inneren Stadt sind wir besonders präsent. Seitdem fahren beispielsweise weniger Leute mit dem Rad über den Stephansplatz. Besonders jene, die regelmäßig mit dem Rad unterwegs sind, kennen uns. Insgesamt gibt es in Wien 30 Fahrradpolizisten. Je nach Witterung sind wir das gesamte Jahr über im Einsatz, wobei die Radfahrer im Winter bisher ein eher marginales Phänomen waren.

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