to rome with love - © Tobis

"To Rome With Love": Alle Wege führen nach …

1945 1960 1980 2000 2020

Woody Allen wie immer, Roberto Benigni als Otto Normalverbraucher, Penélope Cruz als verwechselndes Callgirl und Alec Baldwin nostalgisch: "To Rome With Love“ spielt zwar in der Ewigen Stadt, ist aber ein typischer Woody-Allen-Film.

1945 1960 1980 2000 2020

Woody Allen wie immer, Roberto Benigni als Otto Normalverbraucher, Penélope Cruz als verwechselndes Callgirl und Alec Baldwin nostalgisch: "To Rome With Love“ spielt zwar in der Ewigen Stadt, ist aber ein typischer Woody-Allen-Film.

Mag schon sein, dass dem filmischen Experten der Neurosen, die in New Yorks Upper West Side grassieren, zu Europa vor allem jene Klischees einfallen, die einem in die Jahre gekommenen US-Touristen vor Augen stehen. Seit Woody Allen - wie er insinuiert, aus rein finanziellen Gründen (vgl. Interview unten), aber man sollte das cum grano salis nehmen - vornehmlich in der Alten Welt dreht, muss er sich mit genau dieser Kritiker-Einschätzung herumschlagen. Doch von der britischen Snobiety in "Match Point“ übers hippe Barcelona ("Vicky Cristina Barcelona“ bis zuletzt zum Hemingwayschwangeren Paris ("Midnight in Paris“) leibt und lebt er auch in der x-ten Auflage seines Themas. Man kann, je nach Gusto, einmal mehr und einmal weniger amüsiert zuschauen, wie die Protagonisten (und oft genug der Filmemacher selber) ihr Leben nicht oder gerade noch bewältigen - und dabei in Neurosen, Schuld und sonstige Lebensunbill verstrickt werden, auf dass sie sich daraus befreien. Oder auch nicht.

Das alles ist in "To Rome With Love“ nicht anders. John (Alec Baldwin), renommierter Architekt aus den USA, schlendert durch die Ewige Stadt, in der er als Student lebte. Dabei trifft er auf den Architekturstudenten Jack (Jesse Eisenberg), der ihn an seine Jugend erinnert. Kompliziert wird es, als Jacks Freundin Sally (Greta Gerwig) von ihrer Bekannten Monica (Ellen Page) besucht wird … Gleichzeitig taucht der US-Opernproduzent Jerry (Woody Allen) mit Ehefrau Phyllis (Judy Davis) in Rom auf, um Michelangelo, den Verlobten ihrer Tochter, kennenzulernen. Jerry, ebenso erfolglos wie eigentlich im Ruhestand befindlich, hört, wie Michelangelos Vater, der Bestattungsunternehmer Giancarlo, unter der Dusche famose Arien singt. Der emeritierte Impresario will den Kleinbürger, der von Startenor Fabio Armiliato dargestellt wird, zum Belcanto-Star machen. Das Problem dabei: Giancarlo singt prächtig - allerdings nur unter der Dusche. Aber ein innovativer und in seiner Vergangenheit zwar erfolgloser, aber avantgardistischer Opernregisseur wie Jerry hat da eine innovative Idee.

Sanfte Gesellschafts- und Medienkritik

"To Rome With Love“ bietet dann auch noch Platz für Roberto Benignis köstlich-linkischen Leopoldo Pisanello, dessen langweiliges Leben von einem Privatsender als Reality-TV-Show live übertragen wird. Pisanello wird so zum Star wider Willen. Schließlich kommt noch das junge Ehepaar Antonio und Milly ins Spiel, das aus der Provinz nach Rom zieht. Antonio gerät versehentlich in die Fänge von Callgirl Anna (einmal mehr grandios: Penélope Cruz) und Milly lässt sich auf ein Tête-à-tête mit dem brunftigen Filmstar Luca Salto ein …

Die hier dargestellten Rudimente des Plots zeigen, dass es sich bei "To Rome With Love“ um eine ins Postkarten-Rom versetzte Variation des Allen’schen Genres handelt. Die Gesellschafts- und Medienkritik (Benigni) bleibt sanft, manche werden meinen: seicht. Aber zum Lachen gibt es genug Stoff und auch zum Staunen, wie es Woody Allen schafft, zum - wievielten? - Mal more of the same zu bieten, ohne dass dem Zuschauer und selbst langjährigen Fans fad wird. Solange das Publikum in seine Filme rennt und auch Weltstars zu einer kleinen Rolle bereit sind (Penélope Cruz soll Woody Allen von sich aus angerufen haben, um mitspielen zu "dürfen“), braucht sich der geniale Unglücksrabe des US-Films kein Sorgen zu machen, dass er in Pension gehen muss.

Insofern ist die Figur des Jerry einmal mehr die Rolle gewordene Neurose oder Zwangsvorstellung des Woody Allen. Mit seinem Leben hat diese natürlich überhaupt nichts zu tun...

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau