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Eine Linzer Kulturschande

Es gab Zeiten, in denen Linz nicht nur eine bedeutende Stahlindustriestadt, sondern auch eine kulturelle Wüste war. Die Liebe der Bürger zu Theater, Musik und Kunst im Allgemeinen bewirkte eine Umkehr. Die Umweltverschmutzung wurde reduziert. 2009 wurde Linz zur europäischen Kulturhauptstadt auserwählt. Man plante neue Kulturprojekte und bekam das Image einer aufgeschlossenen, weltoffenen Stadt. Man ist heute zu Recht stolz auf Einrichtungen wie das Lentos-Museum, das ars electronica center und das Linzer Musiktheater.

Letzteres erhielt nun von SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger ein Danaergeschenk zum fünften Geburtstag. Luger kündigte den Theatervertrag mit dem Land Oberösterreich ab 2020. Dieser regelte, dass die Stadt rund 14 Millionen an die Theater und Orchester GesmbH des Landes bezahlt und das Land im Gegenzug sieben Millionen an die Städtische Liva, die unter anderem Brucknerhaus, Posthof und Tips-Arena betreibt. Rund 20.000 Unterschriften und Protestnoten dürften den Bürgermeister ebenso wenig beeindruckt haben wie Qualität und Auslastung der Aufführungen. Die Stadt braucht Geld und bei der Kultur kann man es sich offensichtlich leichter beschaffen als anderswo, noch dazu, da man für eine solche Entscheidung die Stimmen des freiheitlichen Koalitionspartners braucht. Kulturlos ist auch die Tatsache, dass man weder mit dem Intendanten noch mit den Künstlern das Gespräch suchte. "Ich bin jetzt nicht mehr geschäftsfähig", stellte Hermann Schneider, der Intendant des Landestheaters, in den OÖ-Nachrichten fest und zeigte sich von dieser populistischen Entscheidung der SPÖ enttäuscht. Eine Schande ist sie allemal, denn beschädigt wird hier nicht nur die einst so gute Zusammenarbeit von Stadt und Land. Sie beweist einmal mehr, wie hohl die Phrasen von der Kulturnation Österreich sind. Wien ist gerade dabei, sein Prädikat "Weltkulturerbe" zu verspielen und Linz sein Image als Kulturstadt.

Der Autor ist freier Journalist

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