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1.000 Mal - und aus?

1945 1960 1980 2000 2020
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P. Westenthaler findet sie letztklassig. Analysen bescheinigen der ZIB3 aber passables Niveau.

Am 12. Jänner 1998 war sie erstmals zu sehen, Montag dieser Woche lief nun die 1.000. Sendung. Hartnäckigster Kritiker ist FPÖ-Klubchef und -Mediensprecher Peter Westenthaler, der Anfang Jänner die ZIB3 in einem profil-Interview als "schwache, inhaltsleere Sendung mit letztklassigen Diskussionen" bewertete und sich einen Ersatz durch eine morgendliche News-Show wünschte.

Zwei Diplomarbeiten, die bisher zur ZIB3 erstellt wurden, dürfte er dazu nicht zur Kenntnis genommen haben. Seine Kritik stützen sie jedenfalls nicht. Die Regierungskoalition warf dem ORF im Zuge der Debatte ums neue ORF-Gesetz heftig vor, zu wenig öffentlich-rechtliches Programm zu haben (und forcierte zugleich heimisches Privat-TV). Daher lohnt sich ein vergleichender Blick auf die Mitternachts-Infosendungen von RTL und ORF.

Direkt vergleichbar ist die ZIB3 allerdings mit dem RTL Nachtjournal nicht, da RTL in der Zeitzone, wo die ZIB 2 platziert ist, keine Nachrichtensendung bietet, sondern sich auf das jüngeren Publikum am ganz späten Abend konzentriert. Das RTL Nachtjournal steht sohin für ZIB2 und ZIB3 zusammen. Für das RTL Nachtjournal arbeiten etwa 20 Redakteure, zwei Chefs vom Dienst sowie zwei Moderatoren, was etwa dem Vierfachen des ZIB3-Teams entspricht.

Dies macht sich auch bemerkbar, wenn man beide Sendungen inhaltsanalytisch miteinander vergleicht, wie das einer Diplomarbeit geschehen ist. Diese Analyse anhand von jeweils elf Sendetagen im November 1999 und Mai 2000 ergibt, dass das RTL Nachtjournal in der formalen Gestaltung aufwendiger ist und die Themenvielfalt etwas breiter ist als bei der ZIB3

Die Struktur der Themen zeigt jedoch deutlich unterschiedliche und typische Profile. Während in der RTL-Mitternachtssendung Chronikthemen dominieren, ist es beim ORF in der ZIB3 klar die Politik. Chronikale Themen sind bei der ZIB3 aber immerhin auf Platz 2 zu finden. Allerdings bezieht sich das auf die Zahl der Beiträge und nicht auf die Länge - was das Ergebnis etwas verschiebt, da Chronikales eigentlich selten das Thema der breit angelegten Studio-Debatten ist.

An dritter Stelle rangiert bei RTL und ORF die Wirtschaft. Human Interest-Beiträge nehmen bei beiden Platz 4 ein. Danach überwiegen wieder die Unterschiede. Soziales steht bei der ZIB3 an 5. Stelle, bei RTL dagegen weit abgeschlagen an 12. Stelle. Kultur, ein wesentlicher Inhalt klassischer öffentlich-rechtlicher Programme, hat bei der ZIB3 Platz 6, bei RTL kommt sie erst an der 13. Stelle. Dafür bietet RTL mehr Beiträge zum Bereich Forschung und Wissenschaft, zur Jusitz (allerdings bedeutet dies primär Einzelschicksale) und Sport. Der Bereich Religion belegt übrigens in der ZIB3 Platz 10, bei RTL sind Beiträge dazu rarer (15. und letzter Themenrang).

RTL ist insgesamt emotioneller, will Zuseher schon mit der Wortwahl provozieren. Der emotionalen Grundhaltung tragen auch die viel häufiger dargestellten Einzelschicksale bei.

Weitere bemerkenswerte Ergebnisse des Vergleichs in der zitierten Diplomarbeit von Gabriele Tüchler: Die ZIB3 hat mehr unterhaltende Elemente als das RTL Nachtjournal und sie ist im Schnitt aktueller. Parteipolitisch wird der ZIB3 in Tüchlers Arbeit eine relativ ausgewogene Gewichtung zwischen Regierung und Opposition attestiert, wenn man die Ebene der zu Wort kommenden untersucht. Dies ist bei den anderen ZIBs bekanntlich anders, zumindest nach den Ergebnisse des Innsbrucker Media-Watch-Instituts. Westenthalers Ablehnung der ZIB3 dürfte wohl darin begründet sein.

Das RTL Nachtjournal erreicht einen geringeren Marktanteil (1999: 15,7 % bei den 14-49-jährigen) als die ZIB3 (1998/99 19% in den Haushalten mit Kabel- oder Satellitenempfangsmöglichkeit ). Unabhängig vom Alter zeigt sich folgende Entwicklung: 1998 sahen im Schnitt 125.000 die ZIB3. 1999 waren es 135.000, 2000 dann 148.000 und im letzten Jahr saßen mitternachts durchschittlich 141.000 vorm Schirm, um die ZIB3 zu sehen. Damit erreicht die Sendung die selbstgesteckten Ziele.

Das Publikum akzeptiert die Sendung nicht nur, sondern ist auch ziemlich immun gegen (unqualifizierte) Angriffe. 89 % sind gegen die von Peter Westenthaler geforderte Absetzung der ZIB3. Unter den FP-Anhängern sind es immerhin 87 %. So lauten zumindest Zahlen, die das Gallup-Institut erhoben und tv-media letzte Woche veröffentlicht hat. Nachdem Generaldirektorin Lindner in einer Aussendung am 7. Jänner darauf hinwies "Die Entscheidung über die Existenz von Sendungen liegt ausschließlich im Verantwortungsbereich des ORF und beruht auf den vom ORF-Gesetz vorgegebenen Programmgrundsätzen, unter Berücksichtigung der Publikumsakzeptanz und der Wirtschaftlichkeit", kann die Zukunft der ZIB3 eigentlich nicht gefährdet sein, da alle Kriterien zutreffen. Nun hängt es also nur mehr davon, ob man sich beizeiten an diese Aussagen noch erinnert und dem ZIB3-Team nicht Ressourcen wegnimmt.

Der Autor ist Assistenzprofessor am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien.

P. Westenthaler findet sie letztklassig. Analysen bescheinigen der ZIB3 aber passables Niveau.

Am 12. Jänner 1998 war sie erstmals zu sehen, Montag dieser Woche lief nun die 1.000. Sendung. Hartnäckigster Kritiker ist FPÖ-Klubchef und -Mediensprecher Peter Westenthaler, der Anfang Jänner die ZIB3 in einem profil-Interview als "schwache, inhaltsleere Sendung mit letztklassigen Diskussionen" bewertete und sich einen Ersatz durch eine morgendliche News-Show wünschte.

Zwei Diplomarbeiten, die bisher zur ZIB3 erstellt wurden, dürfte er dazu nicht zur Kenntnis genommen haben. Seine Kritik stützen sie jedenfalls nicht. Die Regierungskoalition warf dem ORF im Zuge der Debatte ums neue ORF-Gesetz heftig vor, zu wenig öffentlich-rechtliches Programm zu haben (und forcierte zugleich heimisches Privat-TV). Daher lohnt sich ein vergleichender Blick auf die Mitternachts-Infosendungen von RTL und ORF.

Direkt vergleichbar ist die ZIB3 allerdings mit dem RTL Nachtjournal nicht, da RTL in der Zeitzone, wo die ZIB 2 platziert ist, keine Nachrichtensendung bietet, sondern sich auf das jüngeren Publikum am ganz späten Abend konzentriert. Das RTL Nachtjournal steht sohin für ZIB2 und ZIB3 zusammen. Für das RTL Nachtjournal arbeiten etwa 20 Redakteure, zwei Chefs vom Dienst sowie zwei Moderatoren, was etwa dem Vierfachen des ZIB3-Teams entspricht.

Dies macht sich auch bemerkbar, wenn man beide Sendungen inhaltsanalytisch miteinander vergleicht, wie das einer Diplomarbeit geschehen ist. Diese Analyse anhand von jeweils elf Sendetagen im November 1999 und Mai 2000 ergibt, dass das RTL Nachtjournal in der formalen Gestaltung aufwendiger ist und die Themenvielfalt etwas breiter ist als bei der ZIB3

Die Struktur der Themen zeigt jedoch deutlich unterschiedliche und typische Profile. Während in der RTL-Mitternachtssendung Chronikthemen dominieren, ist es beim ORF in der ZIB3 klar die Politik. Chronikale Themen sind bei der ZIB3 aber immerhin auf Platz 2 zu finden. Allerdings bezieht sich das auf die Zahl der Beiträge und nicht auf die Länge - was das Ergebnis etwas verschiebt, da Chronikales eigentlich selten das Thema der breit angelegten Studio-Debatten ist.

An dritter Stelle rangiert bei RTL und ORF die Wirtschaft. Human Interest-Beiträge nehmen bei beiden Platz 4 ein. Danach überwiegen wieder die Unterschiede. Soziales steht bei der ZIB3 an 5. Stelle, bei RTL dagegen weit abgeschlagen an 12. Stelle. Kultur, ein wesentlicher Inhalt klassischer öffentlich-rechtlicher Programme, hat bei der ZIB3 Platz 6, bei RTL kommt sie erst an der 13. Stelle. Dafür bietet RTL mehr Beiträge zum Bereich Forschung und Wissenschaft, zur Jusitz (allerdings bedeutet dies primär Einzelschicksale) und Sport. Der Bereich Religion belegt übrigens in der ZIB3 Platz 10, bei RTL sind Beiträge dazu rarer (15. und letzter Themenrang).

RTL ist insgesamt emotioneller, will Zuseher schon mit der Wortwahl provozieren. Der emotionalen Grundhaltung tragen auch die viel häufiger dargestellten Einzelschicksale bei.

Weitere bemerkenswerte Ergebnisse des Vergleichs in der zitierten Diplomarbeit von Gabriele Tüchler: Die ZIB3 hat mehr unterhaltende Elemente als das RTL Nachtjournal und sie ist im Schnitt aktueller. Parteipolitisch wird der ZIB3 in Tüchlers Arbeit eine relativ ausgewogene Gewichtung zwischen Regierung und Opposition attestiert, wenn man die Ebene der zu Wort kommenden untersucht. Dies ist bei den anderen ZIBs bekanntlich anders, zumindest nach den Ergebnisse des Innsbrucker Media-Watch-Instituts. Westenthalers Ablehnung der ZIB3 dürfte wohl darin begründet sein.

Das RTL Nachtjournal erreicht einen geringeren Marktanteil (1999: 15,7 % bei den 14-49-jährigen) als die ZIB3 (1998/99 19% in den Haushalten mit Kabel- oder Satellitenempfangsmöglichkeit ). Unabhängig vom Alter zeigt sich folgende Entwicklung: 1998 sahen im Schnitt 125.000 die ZIB3. 1999 waren es 135.000, 2000 dann 148.000 und im letzten Jahr saßen mitternachts durchschittlich 141.000 vorm Schirm, um die ZIB3 zu sehen. Damit erreicht die Sendung die selbstgesteckten Ziele.

Das Publikum akzeptiert die Sendung nicht nur, sondern ist auch ziemlich immun gegen (unqualifizierte) Angriffe. 89 % sind gegen die von Peter Westenthaler geforderte Absetzung der ZIB3. Unter den FP-Anhängern sind es immerhin 87 %. So lauten zumindest Zahlen, die das Gallup-Institut erhoben und tv-media letzte Woche veröffentlicht hat. Nachdem Generaldirektorin Lindner in einer Aussendung am 7. Jänner darauf hinwies "Die Entscheidung über die Existenz von Sendungen liegt ausschließlich im Verantwortungsbereich des ORF und beruht auf den vom ORF-Gesetz vorgegebenen Programmgrundsätzen, unter Berücksichtigung der Publikumsakzeptanz und der Wirtschaftlichkeit", kann die Zukunft der ZIB3 eigentlich nicht gefährdet sein, da alle Kriterien zutreffen. Nun hängt es also nur mehr davon, ob man sich beizeiten an diese Aussagen noch erinnert und dem ZIB3-Team nicht Ressourcen wegnimmt.

Der Autor ist Assistenzprofessor am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Universität Wien.