Heinrich

Anna-Nicole Heinrich im höchsten Laienamt der EKD

Die eine Sensation ist das Alter: Gerade 25 Jahre zählt Anna-Nicole Heinrich, die am vergangenen Wochenende zur Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt wurde. Noch nie war das höchste Laienamt bei den Evangelischen von einer so Jungen übernommen worden. Die andere Sensation aber stellt die Tatsache dar, dass nun nicht – wie bislang üblich – eine gestandene politische Persönlichkeit an der Spitze der Synode steht. Bekannte Präses waren der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann oder der langjährige SPD-Minister Jürgen Schmude. Auch die beiden letzten Präses kamen aus der Politik – die Grüne Katrin Göring-Eckardt (2009–2013) und danach die langjährige FDP-Politikerin Irmgard Schwaetzer.

Ihr folgt nun Anna-Nicole Heinrich nach, die sich mit der Unterstützung von 75 Synodalen überraschend klar gegen die Grünen-Politikerin und Richterin Nadine Bernshausen durchsetzte, die 39 Stimmen bekam. Die Wahl könnte durchaus einen Richtungswechsel in der EKD signalisieren, denn die Philosophiestudentin Heinrich gehört dem konservativen Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“ an und macht auch von ihren Berührungspunkten zum charismatischen oder freikirchlichen Spektrum kein Hehl.

Heinrich stammt aus einer thüringischen Familie ohne Kirchenbezug. Als ihr Vater einen Job in der katholischen Oberpfalz (Bayern) annahm und die Familie dorthin zog, hieß es in der Schule: „Nicht getauft gibt es bei uns nicht.“ Heinrich ging dann in den evangelischen Religionsunterricht, ließ sich taufen und engagierte sich in ihrer Kirche. In der auch krisengebeutelten EKD, die um eine Strategie wider den Mitgliederschwund Relevanzverlust ringt, wird der jungen Vorsitzenden, die auch mit digitalen Aktionen auf sich aufmerksam gemacht hat, dafür die nötige Power zugetraut.

Der Ratsvorsitzende der EKD, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, wertete das Ergebnis als „historisch“. Es sei ein „ganz starkes Zeichen für unsere Kirche“ und zeige die Bedeutung, die junge Menschen für die Gestaltung der Zukunft hätten. Im November, wenn Bedford-Strohms Amtsperiode endet, wird Heinrich der Suche und Wahl des nächsten EKD-Ratsvorsitzenden vorstehen.

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