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BSE und "Bruder Tier"

1945 1960 1980 2000 2020
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Die Bilder gingen nicht nur an die Nieren, sondern auch mitten ins Herz: Bagger wühlen sich durch aufgedunsene Körper, schieben sie mit Vollgas zu einem großen Haufen zusammen. Es sind tote Rinder, notgeschlachtet wegen BSE-Verdachtes. Irgendwo sollen sie dann endgültig vernichtet oder einfach verbrannt werden.

Szenen aus Deutschland, wo seit Ende des Jahres vermehrt Fälle von Rinderwahnsinn auftreten, nachdem Politiker kurz zuvor das Land noch für "verlässlich BSE-frei" erklärt hatten. Wie in England wurden auch hier Hinweise auf Gefahren ignoriert, Warnungen unterdrückt, Aufklärung verhindert. Wird es Ähnliches in Österreich geben? Seit 1. Jänner sind BSE-Tests für Schlachtrinder über 30 Monate vorgeschrieben. Vollmundige "Garantien", dass es nicht auch schon hier infizierte Tiere gibt, sind (wohlweislich?) ausgeblieben.

Der BSE-Schock hat vieles zum Vorschein gebracht. Ob die ganze Aufregung ausreicht, auch die immer absurder werdende Art der Tierfütterung und Nahrungsmittelproduktion endlich wirkungsvoll zu bekämpfen? Derzeit wird hauptsächlich verharmlosend oder ausweichend reagiert. Die einen pfeifen auf jede Vorsicht - darunter auch Tourismusbetriebe - und lassen ungeniert deutsche Würste, Rind- und Kalbfleisch hereinschmuggeln, nachdem Österreich ein Importverbot verhängt hatte. Die verunsicherten Konsumenten wiederum greifen jetzt lieber zu Strauß und Pferd. Der Verkauf sei "raketenhaft" gestiegen, wird gemeldet.

Warum auch nicht? Was bedeutet denn "Rind" heute? Nur eine Fleischsorte. Mehr nicht. Was das vorher war und wie es gelebt hat, interessiert nur eine verschwindende Minderheit. Die alles beherrschende "ökonomische Rationalität" hat die Erinnerung daran längst ausgelöscht, dass es sich um leidensfähige Mitgeschöpfe handelt, denen der Mensch verbunden ist. Die 2000 Jahre alte christliche Überlieferung, dass der Mensch nicht nur seinesgleichen, sondern auch den anderen Mitgeschöpfen ein "guter Hirte" sein soll, zählt nicht mehr. Früher wurde sogar "Mord" geschrien, wenn ein paar Bäume gefällt werden sollten. Wie roh wird seit langem mit "Bruder Tier" umgegangen.

E-Mail: thiemer@styria.com

Die Bilder gingen nicht nur an die Nieren, sondern auch mitten ins Herz: Bagger wühlen sich durch aufgedunsene Körper, schieben sie mit Vollgas zu einem großen Haufen zusammen. Es sind tote Rinder, notgeschlachtet wegen BSE-Verdachtes. Irgendwo sollen sie dann endgültig vernichtet oder einfach verbrannt werden.

Szenen aus Deutschland, wo seit Ende des Jahres vermehrt Fälle von Rinderwahnsinn auftreten, nachdem Politiker kurz zuvor das Land noch für "verlässlich BSE-frei" erklärt hatten. Wie in England wurden auch hier Hinweise auf Gefahren ignoriert, Warnungen unterdrückt, Aufklärung verhindert. Wird es Ähnliches in Österreich geben? Seit 1. Jänner sind BSE-Tests für Schlachtrinder über 30 Monate vorgeschrieben. Vollmundige "Garantien", dass es nicht auch schon hier infizierte Tiere gibt, sind (wohlweislich?) ausgeblieben.

Der BSE-Schock hat vieles zum Vorschein gebracht. Ob die ganze Aufregung ausreicht, auch die immer absurder werdende Art der Tierfütterung und Nahrungsmittelproduktion endlich wirkungsvoll zu bekämpfen? Derzeit wird hauptsächlich verharmlosend oder ausweichend reagiert. Die einen pfeifen auf jede Vorsicht - darunter auch Tourismusbetriebe - und lassen ungeniert deutsche Würste, Rind- und Kalbfleisch hereinschmuggeln, nachdem Österreich ein Importverbot verhängt hatte. Die verunsicherten Konsumenten wiederum greifen jetzt lieber zu Strauß und Pferd. Der Verkauf sei "raketenhaft" gestiegen, wird gemeldet.

Warum auch nicht? Was bedeutet denn "Rind" heute? Nur eine Fleischsorte. Mehr nicht. Was das vorher war und wie es gelebt hat, interessiert nur eine verschwindende Minderheit. Die alles beherrschende "ökonomische Rationalität" hat die Erinnerung daran längst ausgelöscht, dass es sich um leidensfähige Mitgeschöpfe handelt, denen der Mensch verbunden ist. Die 2000 Jahre alte christliche Überlieferung, dass der Mensch nicht nur seinesgleichen, sondern auch den anderen Mitgeschöpfen ein "guter Hirte" sein soll, zählt nicht mehr. Früher wurde sogar "Mord" geschrien, wenn ein paar Bäume gefällt werden sollten. Wie roh wird seit langem mit "Bruder Tier" umgegangen.

E-Mail: thiemer@styria.com