Suizid - © Foto: Pixabay

Causa Glattauer: Ein fragwürdiges Interview

Warum die Ankündigung des eigenen assistierten Suizids in dieser Form in mehrfacher Hinsicht problematisch war.

Werbung
Werbung
Werbung

Die Art und Weise, in der Niki Glattauer, Falter und Newsflix Glattauers geplantes Sterben in Echtzeit öffentlich gemacht haben, ist in mehrfacher Hinsicht fragwürdig, medienethisch wie medizinethisch. Letztlich mangelte es zwischen Glattauer, dessen Entscheidung Respekt verdient, und den beteiligten Journalisten an professioneller Distanz. Einen Tag nach Glattauers Tod hat Newsflix ein Interview mit der betreuenden Ärztin veröffentlicht (die zugleich Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für ein humanes Lebensende – ÖGHL – ist), in dem sie für die Anliegen ihrer Sterbehilfeorganisation wirbt. Die ÖGHL wiederum arbeitet mit Exit und Dignitas in der Schweiz zusammen. Der Falter hat diese Woche ein – differenzierteres – Interview mit der Ärztin gebracht. Man kann sich die Frage stellen, ob diese Art von öffentlichem Sterben nicht auch eine wechselseitige Instrumentalisierung der Beteiligten bedeutet.

Auch wenn die Redaktionen von Falter und Newsflix Hinweise auf Beratungsangebote für Suizidgefährdete geben, wie es heutzutage Standard bei Berichterstattung über Suizide ist, liest sich das zwei Tage vor Glattauers Tod veröffentlichte Interview doch wie eine Werbung für den assistierten Suizid, die zudem suggeriert, ein wirkliches Sterben in Würde könne es – noch dazu wegen der kritisierten Missstände im Gesundheitswesen – im Grunde nur in Form eines assistierten Suizids geben. Dieser Eindruck ist durch die öffentlichen Berichte über die letzten Stunden Glattauers und seine letzten Worte („Schön, wow!“) noch verstärkt worden. Schon die gängige Rede vom selbstbestimmten Sterben ist problematisch, weil sie suggeriert, als ob Menschen, die keinen Suizid in Betracht ziehen, keine Selbstbestimmung hätten. Im Interview kommen gesundheitsökonomische Aspekte ins Spiel, die, wenn sie Überlegungen in Richtung assistierten Suizid begünstigen, fatal sind.

Ein Thema. Viele Standpunkte. Im FURCHE-Navigator weiterlesen.

FURCHE-Navigator Vorschau
Werbung
Werbung
Werbung